https://www.faz.net/-gzg-977xm

Städtische Bühnen Frankfurt : Nur nicht aus dem Fenster lehnen

Dominierendes Thema: Die Theaterdoppelanlage ist ein Sanierungsfall, daran besteht kein Zweifel. Aber die Haltung der Bewerber um das Amt des Stadtoberhaupts dazu ist eher nebulös. Bild: Frank Röth

Mit der Zukunft der Bühnen wird sich das künftige Stadtoberhaupt noch lange beschäftigen müssen. Wie mit der Kultur überhaupt. Doch die Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl fremdeln ihr gegenüber.

          4 Min.

          Die goldenen kulturpolitischen Zeiten, in denen Frankfurt mit dem Ausbau des Museumsufers, der Wiedererrichtung der Alten Oper und vielen anderen Projekten ein Vorbild für andere Städte war, rücken immer weiter in die Ferne. Sie sind verbunden mit dem sozialdemokratischen Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann, der von 1970 bis 1990 im Amt war. Und mit dem CDU-Politiker Walter Wallmann, Oberbürgermeister von 1977 bis 1986. Seit den frühen neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geht es im Wesentlichen darum, den Bestand zu erhalten und das einmal erreichte Niveau zu sichern. Daran war der Christdemokratin Petra Roth, Stadtoberhaupt von 1995 bis 2012, stets viel gelegen. Selbst das gelang jedoch nicht immer.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Während kunsthistorische oder stadtgeschichtliche Sammlungen stets einen latenten Druck erzeugen, ihnen einen angemessenen Auftritt zu verschaffen, haben es in Zeiten mangelnder finanzieller Mittel flüchtige Kunstformen schwer, sich zu behaupten. Zumal dann, wenn sie keine eigenen Aufführungsorte haben. Die unter William Forsythe zu internationalem Ruhm gelangte Ballettsparte der Städtischen Bühnen wurde 2004 ebenso wie das TAT, das einstige Theater am Turm, das mittlerweile ebenfalls in die Städtischen Bühnen integriert worden war, abgeschafft. Die Stadt hatte kein Geld mehr dafür. Anders ausgedrückt: Die Finanz- siegte über die Kulturpolitik.

          Keine Lobby in der städtischen Gesellschaft

          Aber selbst manchen Museen mangelt es an Unterstützung, sowohl politischer als auch bürgerschaftlicher. So hält sich das Engagement für das Weltkulturen-Museum in engen Grenzen, es hat nicht wirklich eine Lobby in der städtischen Gesellschaft, obwohl es eine der weltweit bedeutendsten ethnologischen Sammlungen besitzt und wie kein anderes Haus in der Lage wäre, die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung gerade in einer von vielen unterschiedlichen Kulturen geprägten Stadt wie Frankfurt abzubilden. Es im Sinn eines Hauses der Kulturen, das sich mit gegenwärtigen Phänomenen auseinandersetzt, etwa dem Erstarken von Religionen, inhaltlich neu auszurichten wäre eine geradezu klassische Forderung der Grünen. Da von dieser Partei in Frankfurt allerdings bekannt ist, dass sie beim „M“-Wort – der Buchstabe steht für „Museum“ – allergische Reaktionen bekommt, ist in dieser Hinsicht auch von ihrer Oberbürgermeister-Kandidatin nichts zu erwarten.

          Öffnen

          Der seit Jahrzehnten vereitelte Neubau des Weltkulturen-Museums, der in Hilmar Hoffmanns ursprünglichen Museumsuferplänen als Erstes errichtet werden sollte, spielt in der gegenwärtigen Diskussion über die Kultur in Frankfurt überhaupt keine Rolle mehr. Schon gar nicht im Oberbürgermeister-Wahlkampf. Das dominierende kulturpolitische Thema ist die Sanierung der Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz, wo Schauspiel und Oper residieren. Die Haltung der Bewerber um das Amt des Stadtoberhaupts dazu ist aber eher nebulös.

          Sagenhafte Kosten

          Vor einem Dreivierteljahr wurde ein von der Stadt für 6,6 Millionen Euro in Auftrag gegebenes Gutachten vorgestellt. Darin haben Fachleute akribisch alle Mängel in dem Gebäudekomplex aufgelistet und mehrere Alternativvorschläge ausgebreitet, wie die Theater baulich in eine glänzende Zukunft geführt werden könnten. Seither ist viel von den sagenhaften Kosten, etwa 900 Millionen Euro, die Rede, die in der Machbarkeitsstudie sowohl für eine Erneuerung des bestehenden Gebäudes als auch für einen kompletten Neubau veranschlagt wurden. Von Seiten der Politik hieß es alsbald, es komme nun erst einmal darauf an, nach Möglichkeiten zu suchen, die Kosten entscheidend zu senken.

          Weitere Themen

          Bücherfrauen, Bauminister, Parteifreunde

          F.A.Z.-Hauptwache : Bücherfrauen, Bauminister, Parteifreunde

          In Frankfurt hat die Buchmesse begonnen, Al-Wazir setzt sich für den Wohnungsbau ein und in Wiesbaden ist die CDU mit ihrer Selbstzerstörung beschäftigt. Das und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main, lesen Sie in der F.A.Z.-Hauptwache.

          Topmeldungen

          Zukunft der Menschheit : Eine Batterie für alles!

          Mit einem Handy fing alles an, inzwischen geben Autohersteller jährlich dutzende Milliarden dafür aus: Lithium-Ionen-Akkus treiben heute zahllose Geräte an. Die größte Zeit der Batterien steht aber noch bevor.

          Katalonien-Konflikt : Kein Ende der Krise in Sicht

          Die teils gewaltsamen Proteste in Barcelona und Katalonien halten an. Seit Freitag wurden nach Behördenangaben mehr als 180 Menschen verletzt, es gab 80 Festnahmen. Die Sicherheitskräfte sind überfordert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.