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Frankfurt als Reiseziel : In Funktionsschuhen auf den Römerberg

  • -Aktualisiert am

Von Steinau nach Frankfurt: Karl Heil reist mit einer Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr an. Bild: Tom Kroll

Deutsche Städtetouristen wollen die Mainmetropole kennenlernen statt in die Ferne zu schweifen. Ob von Reisegruppen oder Durchreisenden, die Stadt ist gefragt. Aber was machen sie in Frankfurt, und woher kommen sie?

          Die Deutschen sind ein Volk der Reisenden. Und es zieht sie nicht nur in die Ferne, sondern auch in die heimischen Städte. Berlin, München, Heidelberg – und auch Frankfurt. Immer mehr deutsche Städtetouristen kämen in die Mainmetropole, sagt Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Tourismus und Congress GmbH. Etwa 2,3 Milliarden Euro Umsatz brächten sie jedes Jahr in die Stadt, und treffen könne man sie vor allem auf Veranstaltungen, in den Museen, beim Shopping und natürlich auf dem Römerberg.

          Stadtführerin Nora Bettag macht die Probe aufs Exempel. Am Justitiabrunnen vor dem Römer fragt sie ihre Gruppe von Besuchern, wer denn eine weite Anreise hatte. Keiner der 24 Rundgang-Teilnehmer hebt die Hand. Bettag hakt noch einmal nach: „Wirklich keiner?“ Stille. Schließlich stellt sich heraus, dass ein Paar aus der Eifel den weitesten Weg auf sich genommen hat, um die neue Frankfurter Altstadt zu besichtigen. Allerdings seien sie eigentlich angereist, um Freunde zu besuchen, sagen sie. Die übrigen Teilnehmer stammen aus Hessen, der größte Teil sogar aus der Rhein-Main-Region und aus Frankfurt selbst.

          Doch Feda bleibt dabei: Es gebe immer mehr deutsche Wochenendtouristen, die die Stadt der Eintracht und der EZB kennenlernen wollten, sagt er und nennt weitere Daten vom Institut für Fremdenverkehr aus dem Jahr 2009: Demzufolge kommen die Gäste vor allem aus Berlin, Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, die meisten sind mittleren Alters, also zwischen 40 und 60 Jahren alt. 84 Prozent geben an, ein Städtetrip habe sie nach Frankfurt geführt.

          Die Suche nach dem typischen Frankfurt

          Doch die Suche nach diesen Besuchern gestaltet sich schwierig: Vor dem Römer tummeln sich viele Touristen, die meisten von ihnen gehören dem Augenschein nach allerdings zu asiatischen Reisegruppen. Die „innerdeutschen Städtetouristen“ sind vor allem an zwei Dingen zu erkennen: Funktionsschuhen und Stadtplänen in deutscher Sprache. Einer, der in dieses Schema passt, ist Karl Heil. Er ist Rentner und mit einer Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr seines Heimatortes Steinau an der Straße unterwegs. Sie seien auf der Suche nach einem Restaurant, etwas Typisches soll es sein, wie er sagt. Und auf die Frage, warum er ausgerechnet nach Frankfurt gekommen sei, gibt er eine entwaffnende Antwortet: „Ach, das hat der Leiter der Reisegruppe festgelegt“. Er fahre immer mit, egal wohin es gehe.

          Etwas entfernt sitzen Mathias und Francy Reuther aus Sachsen in einem der Lokale auf dem Römerberg. Die beiden sind gebräunt, um Francy Reuthers Hals hängt eine Kette mit einem Anhänger in Form der ostafrikanischen Insel Sansibar. Sie seien gestern Nachmittag in Frankfurt gelandet, sagt Mathias Reuther mit vernehmbarem sächsischen Dialekt. Auf Sansibar seien sie von Dorf zu Dorf gereist und mit Einheimischen unterwegs gewesen. Und nun lassen sie den Urlaub mit einem Besuch in Frankfurt ausklingen? Die beiden sehen sich an, Mathias Reuther lacht. Nein, es sei einfach zu stressig gewesen, gleich nach der Landung wieder ins Auto zu steigen, sagt seine Frau, die gerade einen Handkäs’ mit Musik gegessen hat. Eine Nacht wollten sie noch bleiben, dann soll es nach Hause gehen.

          Auf Tour durch die Mainmetropole

          Zwei Frauen schlendern vorbei. Sie unterhalten sich angeregt über die neue Altstadt, bleiben immer wieder stehen und schauen sich um. Sind das vielleicht „Innerdeutsche“? Nein – „Ich besuche nur meine Freundin“, sagt eine der beiden und deutet auf die andere. Dafür passt Dennis Moos mit seinen Lieben ins Bild. Allerdings hatte die Familie eine ziemlich kurze Anreise: Sie wohnt in Kelsterbach, also nur ein paar S-Bahn-Stationen entfernt. „Jetzt blick ich schon so lange von meinem Küchenfenster auf die Skyline“, sagt Moos, da habe er einfach mal an einer Stadtführung teilnehmen wollen.

          Das „klassische Touri-Programm“ macht auch Monika Lotz mit ihrem Mann und ihrem Sohn. Sie sind aus Biebertal bei Gießen gekommen und haben noch einiges in Frankfurt vor: eine Runde mit dem Ebbelwei-Express, eine Bootstour auf dem Main und schließlich am Abend noch ein Ausflug auf die Aussichtsplattform des Maintower – also das, was man so macht als typischer Städtetourist in Frankfurt.

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