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Verlängerung um ein Jahr? : Für einen Mainkai ohne Autos

„Aufenthaltsqualität“: Außengastronomie eines Cafés auf dem autofreien Mainkai Bild: Wonge Bergmann

Die Sperrung der Uferstraße in Frankfurt könnte sich um ein Jahr verlängern. Die Planer wünschen sich ein „Stadtraumexperiment“. Denn die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig der öffentliche Raum ist.

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          Der Städtebaubeirat spricht sich für die Verlängerung der Sperrung des Mainkais um mindestens ein weiteres Jahr aus. Das beratende Gremium sieht in der Ausweitung des „Verkehrsexperiments“ die Chance, der „Lust vieler Bürger an Veränderung und Experimenten“ weiter Raum zu geben. Am für den Autoverkehr gesperrten nördliche Mainufer sei derzeit zu beobachten, wie sich die Frankfurter die Flächen in der Stadt aneigneten. Mit der Verlängerung der Sperrung könne aus dem Verkehrsexperiment ein „Stadtraumexperiment“ werden, teilte der Städtebaubeirat in einem jetzt veröffentlichten Positionspapier mit, in dem sich das Gremium aus Architekten, Stadt-, Verkehrs- und Freiraumplanern mit dem Mainkai und der südlichen Innenstadt zwischen Berliner Straße und Mainufer beschäftigt.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Zeit der Coronakrise zeige, wie dem öffentlichen Raum mehr und eine andere Bedeutung zukomme „als jemals zuvor“, heißt es in dem Papier. Diese Dynamik sollte nach Ansicht der Fachleute genutzt werden. Auf Plätzen und im Straßenraum träfen sich die Menschen informell, interagierten und könnten neue Formate entwickeln.

          Für den Mainkai wünscht sich der Städtebaubeirat für die verlängerte Sperrung eine – wenn auch nur temporäre – Gestaltung, um „Aufenthaltsqualitäten“ zu schaffen. Damit reagiert er auf die häufig vorgebrachte Kritik an Verkehrdezernent Klaus Oesterling (SPD), dieser habe zwar im Sommer 2019 den Mainkai für den Autoverkehr gesperrt, aber kein Konzept vorgelegt, wie der Straßenraum zwischen dem historischen Teil der Innenstadt und dem Mainufer belebt werden könnte. Oesterling hatte immer darauf verwiesen, dass die Stadtverordneten ihm keine baulichen Veränderungen während des Verkehrsversuchs zugebilligt hätten.

          An diesem Donnerstag wird das Stadtparlament über die Zukunft des Mainkais debattieren, ob das Positionspapier des Städtebaubeirats noch Einfluss auf die Debatte haben wird, ist unklar. Die Koalitionsfraktionen von CDU, SPD und Grünen scheinen seit Wochen festgelegt zu sein: Während SPD und Grüne den ursprünglich auf ein Jahr angelegten Verkehrsversuch um weitere zwölf Monate verlängern wollen, fordert die CDU die Aufhebung der Sperrung. Allerdings plädiert die Union nicht dafür, den Verkehr im gleichen Umfang wie vor dem Versuch wieder zuzulassen, sondern fordert, den Mainkai auf zwei Fahrspuren zu verringern, Radwege zu bauen und Tempo 30 einzuführen.

          „Deutlich gesteigertes Gestaltungsniveau“

          Der Städtebaubeirat hat sich bei einer Begehung Mitte Juni nicht nur mit dem Mainkai, sondern mit den Straßen und Plätzen in der gesamten südlichen Innenstadt beschäftigt. Scharfe Kritik übt das Gremium an der Gestaltung der Berliner Straße in Höhe des Theatertunnels. Trotz einiger Neuerungen bezeichnet der Beirat das Areal am Karmeliterkloster als „stadträumliche Schwachstelle in der Innenstadt“. Der Autoverkehr dominiere, Fußgänger würden diesen an sich wichtigen Knoten meiden. Fehlende Begrünung, „umwegige Führung der Fuß- und Radwege, fragmentierte Oberflächengestaltungen“ und der Autolärm machten diesen Ort „äußerst unattraktiv“. Die Schließung des Tunnels böte nach Ansicht der Experten die Chance, diesen Raum umzugestalten, damit er der Innenstadt wichtige Impulse zur Belebung geben könnte.

          Insgesamt fordert der Städtebaubeirat für die Straßen und Plätze in der südlichen Innenstadt ein „deutlich gesteigertes Gestaltungsniveau“. Derzeit entspreche es nicht den Erwartungen der Bevölkerung und der Besucher. Die Bedürfnisse der Fußgänger müssten stärker berücksichtigt und der öffentliche Raum stärker begrünt werden, es seien Schattenplätze notwendig und Wasserelemente.

          Vor allem soll nach Ansicht des Städtebaubeirats der Autoverkehr in der Innenstadt schrittweise auf die unbedingt notwendigen Fahrten von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Lieferanten reduziert werden. Denn es zeige sich am derzeit gesperrten Mainufer: Ohne die starke Geräuschkulisse sei es angenehm, sich dort im Freien aufzuhalten.

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