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Städel Museum : Schöne Frau, bald noch schöner

  • -Aktualisiert am

Im Frankfurter Städel wird Arnold Böcklins Porträt der Schauspielerin Fanny Janauschek restauriert. Mit ihm sind traurige Geschichten verbunden. Zumindest das Bild wird demnächst wieder heller.

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          Arnold Böcklin konnte ziemlich schroff sein. Er halte nicht viel vom Reden und Schreiben über Kunst, sagte er im Jahr 1878. Da war er 51 Jahre alt und wusste, was er vom Kunstbetrieb seiner Zeit hielt. Er sehe zum hundertsten Male, wie unmöglich es sei, sich über Kunst treffend zu äußern, fügte der Künstler hinzu.

          Georg Swarzenski hat es dennoch gewagt. 1936 verfasste der langjährige Leiter des Frankfurter Städel Museums ein kleines Büchlein, ausgerechnet zu einem Bild Böcklins. „Das Bildnis der Schauspielerin Fanny Janauschek“ war damals als Schenkung aus Privatbesitz gerade in das Städelsche Kunstinstitut gelangt. Swarzenski wiederum war von den Nationalsozialisten seiner jüdischen Herkunft wegen innerhalb des Museums kaltgestellt worden.

          Mit seinem Buch über das Porträt der zu ihrer Zeit in Deutschland und Amerika berühmten Schauspielerin versuchte er, zwei Jahre vor seiner Flucht in die Vereinigten Staaten, sich die Zeit zu vertreiben. Und hoffte, mit seiner ausführlichen, sehr lesenswerten Würdigung „den Übergang des Kunstwerks in das geistige Eigentum der Allgemeinheit gleichsam begleiten und vielleicht auch fördern“ zu können.

          Einziges lebensgroßes Bildnis

          Seine Publikation wurde seinerzeit als Privatdruck für die Mitglieder des Städelschen Museumsvereins von einem Mitglied gestiftet und galt bis vor kurzem als verschollen. Jetzt sind Swarzenskis brillante Texte zum Glück wieder im Original zu lesen, zum Beispiel sein Urteil, Böcklins Berühmtheit beruhe nicht auf seinen Porträts. Bildnisse als Kunstwerke habe der Maler nur von Künstlern, Kindern und seiner Familie geschaffen. Und wirklich populär sei von allen nur sein Selbstbildnis geworden. Überhaupt habe er nur ein einziges Mal ein lebensgroßes Bildnis in ganzer Figur und repräsentativer Erscheinung gemalt: das Porträt Fanny Janauscheks, 1861 entstanden und zu seiner Entstehungszeit ein großer Erfolg.

          Die von Böcklin überlieferte Aussage, ein künstlerisches Porträt sei etwas grundsätzlich anderes als ein „gemalter Steckbrief, in dem alles steht, was gleichgültig ist“, einschließlich dessen, was „Friseur, Hühneraugenoperateur, Zahnarzt etc.“ sehen, leuchtet unmittelbar ein. Auch hat sein selbstherrlich wirkendes Künstlerurteil ihn zumindest zu der Erkenntnis geführt, den entscheidenden Wert echter Bildniskunst im Erlebnis menschlicher Begegnung zu sehen. Nur dann sei das Porträt nicht „Naturersatz und Wirklichkeitsillusion“, nur in diesem Fall werde es zum „reinen Kunstwerk, zu einer Wirklichkeit höherer Ordnung“ mit der Magie des Schöpferischen.

          Bald wieder in ursprünglicher Schönheit

          Und damit geht der Blick auf das prachtvolle Bildnis Fanny Janauscheks, eine wahrhaft gelungene Begegnung im Sinne Böcklins. Bald wird es im Städel wieder in seiner ursprünglichen Schönheit zu sehen sein. Stephan Knobloch, Leiter der Restaurierungsabteilung des Museums, hat den Zustand des Originals in wochenlanger sorgsamer Arbeit weitgehend wiederhergestellt. So ist das Gemälde nun wieder so hell, wie Böcklin es seinerzeit angelegt hat.

          Auch den sanften Ausdruck des Gesichts der Schauspielerin hat Knobloch dadurch auf das schönste belebt. Janauscheks bodenlange Robe, die lange nur wie eine dunkle Farbmasse wirkte, ist mit ihrem eleganten Dekolleté, den hübschen Verzierungen des Oberteils und den raffinierten Falten und Fältchen nun wieder so elegant, wie Böcklin sie einst gemalt hat. Im Hintergrund schließlich fallen das Grün der Pflanzen und die leuchtend rote Blume nun ebenfalls wieder stärker auf. Hierfür musste Knobloch Übermalungen der originalen Malerei und stark nachgedunkelte Firnisschichten von der Oberfläche des Gemäldes abnehmen.

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