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Stadtplanung in Frankfurt : Rest des alten Auenwaldes in Gefahr

Häuser gegen Bäume: An der Leonardo-da-Vinci-Allee rückt die Bebauung nahe an den Wald heran. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Naturschutzbeirat ist verärgert über die Stadtplaner. Sie wollen in den Rebstockwald hinein bauen – einen der ältesten Wälder Frankfurts.

          Der Wald, der einst weite Flächen des oft überschwemmten Niddatals bedeckt hat, ist längst verschwunden. Doch Reste dieses ursprünglichen Auenwaldes mit seinen alten Eichen, Hainbuchen und Eschen gibt es noch – auch in Frankfurt. Der Niedwald westlich der Autobahn5 ist eines der Überbleibsel. Das Rebstockwäldchen zwischen der A648 und den in den vergangenen Jahren entstandenen Wohnhäusern am Rebstockgelände gehört auch dazu. Nun wollen die Stadtplaner den Bebauungsplan für das angrenzende Areal ändern und erweitern, weil die Nachfrage nach Büroflächen ausgeblieben ist und stattdessen dringend Wohnungen gebraucht werden. Dafür soll auch ein Teil dieses Waldes fallen. Doch weder Naturschutzbeirat noch die Untere Naturschutzbehörde der Stadt sind bereit, das hinzunehmen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gut fünf Hektar groß ist der Rebstockwald derzeit. Bevor Anfang der siebziger Jahre die Autobahn gebaut wurde, die vom Westkreuz über die Theodor-Heuss-Allee bis zur Festhalle führt, war dieses Wäldchen noch Teil des Biegwalds, der sich heute nördlich der Autobahn bis nach Rödelheim erstreckt. Auch der heute knapp 20Hektar große Biegwald ist Teil des alten Auenwaldes.

          „Radikaler Eingriff in Natur und Landschaft“

          Für Fritz Küsters vom Naturschutzbeirat sind die Pläne der Stadt ein „radikaler Eingriff in Natur und Landschaft“. Schließlich sollten mehrere tausend Quadratmeter „wertvollen Waldes mit vielen alten Eichen und Eschen der Hartholzaue“ gefällt werden, sagt er. Die in der Bebauungsplan-Änderung enthaltene Vorgabe, nur am Rand und höchstens 3800Hektar des Waldes zu roden, hält Küsters für unehrlich. Ein Waldrand sei besonders wertvoll und schützenswert. Die Bäume am Rand gäben den dahinter stehenden Gehölzen Stabilität. Würden die ersten Reihen gefällt, kämen schnell die dahinter stehenden Bäume ins Wackeln, weil sie bisher geschützt gestanden hätten. Aus Sicherheitsgründen würden sie dann umgelegt.

          Den Naturschutzbeirat ärgert auch, dass die Stadtplaner am Waldrand eine Straße in das neue Quartier auf dem Gelände des früheren Battelle-Instituts planen. Damit sich die Erschließung lohnt, soll die neue Straße beidseitig mit Wohnzeilen bebaut werden. Dort ist auch eine Kindertagesstätte mit Außengelände geplant. Allein für diese Fläche und damit keine Bäume auf die dort spielenden Kinder fielen, müssten weitere Bäume des Waldes gefällt werden, prognostiziert Küsters. Er fürchtet, dass insgesamt 7000Quadratmeter Wald vernichtet werden.

          „Da muss man die Straße besser planen und an anderer Stelle bauen“, fordert der Fachmann, der selbst jahrzehntelang die Untere Naturschutzbehörde geleitet hat. Er erinnert sich, dass für die bestehende Bebauung an der Leonardo-da-Vinci-Allee in den neunziger Jahren bereits der Wald verkleinert und als Kompromiss der heutige Waldumfang festgelegt wurde. Es handele sich um einen alten Wald, dessen Bedeutung als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, für die Naherholung und das Stadtklima erheblich sei.

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