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Wohnungsbau in Wiesbaden : Dämpfende Wirkung auf den Mietspiegel

Hier wird’s enger: In der Hermann-Löns-Siedlung in Schierstein entstehen 264 neue Wohnungen. Bild: Cornelia Sick

Die Stadt Wiesbaden will den Wohnungsbau ankurbeln. Doch Flächenmangel und hohe Baukosten machen es dem kommunalen Bauunternehmen schwer, die politisch gesetzten Ziele zu erreichen.

          Kommunalpolitiker bauen neue Häuser nicht, sie formulieren aber ehrgeizige Ziele für den Wohnungsmarkt. Rund 1200 Wohnungen sollen in Wiesbaden jährlich hinzukommen, um dem Zuzugsdruck gerecht zu werden. Ein Drittel sollen Sozialwohnungen sein, um Unterkünfte auch für die ärmeren Schichten der Bevölkerung in der Landeshauptstadt bereitzustellen.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Dieser Beschluss der Stadtverordneten aus dem Jahr 2017 bedeutet eine Zäsur, weil über viele Jahre der Wohnungsbau in der Stadt ein Randthema war. Die Kommunalpolitik beschäftigte sich vorrangig mit anderen Themen. Doch Wiesbaden boomt, die Zeichen stehen auf Wachstum. Nun geht die Stadt mit politischer Ernsthaftigkeit das Thema an. Und mit ihrem kommunalen Wohnungsbauunternehmen GWW hat sie ein Instrument dafür. Seit Januar ist der neue Geschäftsführer Thomas Keller für Neubauprojekte zuständig. Keller gehört dem Unternehmen schon 14 Jahre an.

          Bauland ist in Wiesbaden rar

          Die GWW ist der wichtigste Spieler auf dem lokalen Mietwohnungsmarkt. Ihr gehören rund 13.000 Wohnungen, von denen ein Drittel der Sozialbindung unterliegen. Das sind deutlich mehr, als beispielsweise die Nassauische Heimstätte in Wiesbaden verwaltet. In Wiesbaden gibt es etwa rund 108.000 Mietwohnungen bei einem Gesamtbestand von etwa 140.000 Einheiten.

          Und hier auch: An der Hagenstraße errichtet die GWW rund 50 neue Wohnungen.

          „Bis 2030 sollen 3000 Wohnungen hinzukommen“, sagt Keller und zeigt sich zuversichtlich, mit der GWW das Ziel auch zu erreichen. Tatsächlich muss die GWW vermutlich sogar 4000 Wohnungen bauen, weil immer wieder Wohnungen verkauft oder für einen Neubau abgerissen werden. Das Bauen und Nachverdichten auf eigenem Areal hat für die GWW schon aus Kostengründen Vorteile, denn Bauland ist in Wiesbaden rar und teuer. Und die Suche nach Grundstücken ist schwierig: „Wir haben alle die gleichen Probleme“, sagt Keller zur Lage der großen Wohnungsunternehmen. „Wir brauchen Konversionsflächen wie Kastel-Housing und neue Quartiere wie das Ostfeld.“

          Kleiner als frei finanzierte Wohnungen

          Vor allem der für 8000 bis 12.000 Menschen gedachte Stadtteil Ostfeld müsse kommen, sonst werde es für die GWW schwer, ihre Ziele zu erreichen. Die Baukosten sind hoch, einschließlich aller Nebenkosten liegen sie inzwischen schon bei mehr als 3000 Euro je Quadratmeter. Und weil Sozialwohnungen zwar kleiner als frei finanzierte Wohnungen sind, sie aber die gleichen Baustandards aufweisen, sind sie sogar teurer.

          Keller appelliert an die Kommunen, mit Grundstücken anders umzugehen als bisher und sie nicht zu Höchstpreisen zu verkaufen. Sogenannte Konzeptvergaben hält er für den besseren Weg: Dann müssen die Bewerber für große Baugrundstücke darlegen, wie sie beispielsweise die politisch gewünschte soziale Durchmischung eines Quartiers in der Praxis erreichen wollen.

          Keinen Glaubensstreit

          Schon heute fehlen nach Berechnungen des Prestel-Instituts gut 2000 Wohnungen in Wiesbaden – vor allem für Menschen mit wenig Einkommen. Der Landesrechnungshof kommt sogar auf ein Gesamtdefizit von 2500 Wohnungen. Je nach Szenario ergibt sich bis 2035 für die Landeshauptstadt ein Bedarf von 8200 bis 22.200 Wohnungen. Aufs Jahr gerechnet, sind das zwischen 430 und 1170 zusätzliche Wohnungen.

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