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Wohnungsbau in Wiesbaden : Dämpfende Wirkung auf den Mietspiegel

Von einer politisch motivierten Begrenzung des Mietanstiegs auf ein Prozent, wie sie vor einiger Zeit Oberbürgermeister Sven Gerich und Sozialdezernent Christoph Manjura (beide SPD) vorgeschlagen hatten, hält Keller deshalb wenig. Bei einer Inflationsrate von rund zwei Prozent und Baukostensteigerungen von zuletzt drei bis fünf Prozent im Jahr entzöge diese Bremse den Wohnungsbauunternehmen wie der GWW Kapital für neue Projekte. Keller macht daraus aber keinen Glaubensstreit: Er sei optimistisch, gemeinsam mit der Politik eine tragfähige Lösung zu finden.

Kreativität gefragt

Schon heute ist bei der Finanzierung Kreativität gefragt. Die GWW errichtet daher auch Eigentumswohnungen, um aus den Gewinnen dieses Bauträgergeschäfts andere Vorhaben im Mietwohnungsbau quersubventionieren zu können. Ein Beispiel für Nachverdichtung ist das Hermann-Löns-Quartier in Schierstein, wo auf einem 2,5-Hektar-Areal bis 2024 in drei Abschnitten 264 neue Wohnungen entstehen – 100 mehr, als dort bislang bewohnt worden waren. Insgesamt investiert die GWW dort fast 65 Millionen Euro.

Die GWW hat mehrere Standorte identifiziert, wo Wohnanlagen abgerissen und durch neue, nachverdichtete ersetzt werden. Ein zweites Beispiel für diese Strategie findet sich in Wiesbaden-Südost. Auf einem eigenen Grundstück an der Hagenstraße errichtet die GWW mit Hilfe des Landes bis Ende 2020 rund 50 neue Wohnungen.

Deutlich unter den Wiesbadener Marktpreisen

Andernorts wie in Kostheim ist erst ein zeitraubendes Bebauungsplanverfahren nötig, bevor die Bagger rollen können. Dort hat die GWW drei Grundstücke gekauft und zu einem 17.000-Quadratmeter-Areal zusammengelegt, um für knapp 50 Millionen rund 200 Wohnungen zu bauen. Auch das Projekt „Auf den Eichen“ (Gräselberg) setzt ein Bebauungsplanverfahren voraus. Auf einem 7,4-Hektar-Areal sollen für 120 Millionen Euro in mehreren Bauabschnitten 400 Wohnungen entstehen, davon werden 30 Prozent dank öffentlicher Förderung für die Bezieher geringer und mittlerer Einkommen reserviert sein.

Doch gerade die Mittelschicht tut sich schwer, sich beim Wohnungsamt als suchend registrieren zu lassen, um in den Genuss einer geförderten Bleibe zu kommen, die zu Quadratmeterpreisen von neun Euro und weniger angeboten werden kann. Das liegt deutlich unter den Wiesbadener Marktpreisen, die je nach Lage und Ausstattung zwischen 12,50 und 14 Euro je Quadratmeter liegen. Das kann zu der befremdlichen Situation führen, dass eine unsanierte Wohnung in privater Hand teurer angeboten wird als eine von der GWW errichtete Neubauwohnung in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Durchschnittsmiete frei finanzierter Wohnungen liegt bei der GWW derzeit bei 7,21 Euro je Quadratmeter.

Unter Berücksichtigung der geförderten Wohnungen sind es nur 6,72 Euro. Bei den anderen, ehemals gemeinnützigen Wohnungsgesellschaften sieht das ähnlich aus. Zusammen verfügen sie über rund 24.500 Wohnungen. Allein der Anteil der GWW am Mietwohnungsbestand in Wiesbaden liegt über der Marke von zwölf Prozent. Damit „wirken wir dämpfend auf den Mietspiegel“, sagt Keller selbstbewusst. Die GWW leiste so einen Beitrag dazu, dass die Preistreiberei auf dem Wohnungsmarkt nicht noch weiter ausufere.

Von der Politik erwartet Keller im Gegenzug mehr Mut zum Städtebau vor dem Hintergrund, dass eine Verjüngung der Stadtgesellschaft angestrebt werde. Und er erwartet eine vorausschauende Flächenpolitik. Das Ostfeld sei der richtige Ansatz. Eine gute Durchmischung von Quartieren könne soziale Brennpunkte vermeiden. Dass mehr gebaut werden müsse, dem stimmten auch die Bürger zu, meint Keller: „Nur eben nicht vor der eigenen Haustür.“

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