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Stadt Hattersheim wächst : Mehr Einwohner und mehr Ansiedlungen

Neue Wohnungen: Auf dem Areal der ehemaligen Phrix-Fabrik werden denkmalgeschützte Gebäude saniert. Bild: Wolfgang Eilmes

Hattersheim wächst und wandelt sich zur modernen Stadt mit internationalen IT-Unternehmen und neuen Wohnquartieren. Das verstärkte Interesse kommt nicht von ungefähr.

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          Auf Werbung und aktive Akquise ist die Wirtschaftsförderung im Hattersheimer Rathaus nicht mehr angewiesen. Das Gewerbegebiet Nord, wo sich vor sechs Jahren als einziger Interessent für eine Ansiedlung lediglich eine Baumarktkette fand, hat sich mit dem Aufschwung in der einst armen Schutzschildkommune zu einem Anziehungsmagneten entwickelt. „Wir können uns in Ruhe ein Unternehmen aussuchen“, berichtet Bürgermeister Klaus Schindling (CDU). Für das knapp 90.000 Quadratmeter große Areal im Norden der Stadt zwischen Friedhof und der Autobahn 66 gebe es genügend Interessenten. Unterdessen entstehen auf dem früheren Sarotti-Gelände, An der Urbansmühle, der Ölmühle und auf dem ehemaligen Fabrikgelände der Phrix im Stadtteil Okriftel Hunderte Wohnungen in der neuen „Boomtown“ des Main-Taunus-Kreises.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Im ersten Quartal dieses Jahres falle die Entscheidung für die Neuansiedlung, kündigt Schindling an. Die Bodenbevorratung des großen Gewerbeareals übernehme die Hessische Landgesellschaft. Zwar seien 40.000 Quadratmeter im Eigentum der Stadt, aber die restlichen Grundstücke der 50.000 Quadratmeter großen Fläche gehörten 15 verschiedenen Eigentümern.

          Verstärktes Interesse der IT-Branche

          Die Nachfrage kommt nicht von ungefähr. Der internationale Riese der Informationstechnik E-Shelter machte mit einem ersten Rechenzentrum an der Voltastraße, dem vier weitere folgen sollen, den Anfang. Nachdem der Mitbewerber Digital Realty sich den gesamten Kastengrund für den Bau eines weiteren Rechenzentrums sicherte, verstärkte sich das Interesse der IT-Branche an der nahe der A 66 und dem Frankfurter Flughafen gelegenen Stadt. Maßgabe und wichtiges Kriterium bei der Entscheidung werde sein, ob das Unternehmen seinen Firmensitz in Hattersheim nehmen und Arbeitsplätze schaffen werde, erläuterte Schindling.

          Die künftigen Arbeitnehmer könnten sogar in der Nähe ihres Büros eine Wohnung finden. Denn überall in der Stadt entstehen neue Wohnquartiere: Bis zu 900 Menschen sollen einmal im Ölmühlenviertel auf einem vier Hektar großen Areal zwischen Hessendamm und Schwarzbach entlang der Regionalparkroute wohnen. Der Kelkheimer Projektentwickler Günter Horn baut dort 360 Wohnungen in drei- bis fünfgeschossigen Gebäuden, die sich um begrünte Innenhöfe gruppieren. Es wird ein Quartierskraftwerk gebaut – nach Kelsterbach das zweite in der Region. Zusätzlich gibt es Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Erhalten bleibt das historische Ölmühlengebäude, dem das neue Wohngebiet seinen Namen verdankt.

          Ausrichtung an Besserverdienende

          2021 sollen die ersten Bewohner einziehen. Die soziale Mischung wird ausgewogen sein: Zwei Drittel Mietwohnungen (214), ein Drittel Eigentumswohnungen (136), und für 20 Wohnungen erhält die Stadt Belegungsrechte. Den ersten Spatenstich für 22 Lofts an der Urbansmühle machte die Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft nach fünfjähriger Planung im Oktober des vergangenen Jahres. Die Immobilie mit drei Meter hohen Räumen und einer hochwertigen Ausstattung mit Ziegelmauerwerk, Parkettböden und Fußbodenheizung richtet sich an Besserverdienende.

          Vorbildcharakter hat nach den Vorstellungen der Investoren auch der Ausbau und Umbau der ehemaligen Phrix-Fabrik an der Rheinstraße im Stadtteil Okriftel. Die Prinz von Preußen Grundbesitz AG gründete eigens für die Abwicklung das Unternehmen „Riverside Lofts GmbH und Co. KG“, das 120 Millionen Euro investieren will. Eine ökologische und nachhaltige Entwicklung der Industriebrache mit eigener Erschließung für Radfahrer ist geplant. Auf dem insgesamt vier Hektar großen Gelände sollen zwei neue Wohngebäude samt Parkhaus entstehen. Die komplette Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudebestands erfolgt in fünf bis sechs Abschnitten. Zwischen der Rheinstraße und dem Mainufer sollen einmal 650 Menschen leben.

          Für den Bürgermeister ist die Entwicklung von Hattersheim noch lange nicht abgeschlossen. Perspektivisch müsse die Neugestaltung des Bahnhofquartiers in Angriff genommen werden, sagt Schindling. Zum Beispiel könne die Stadt noch ein Business-Hotel vertragen. Auch am Ortsrand des Stadtteils Eddersheim biete ein 20.000 Quadratmeter großes Gebiet Entwicklungschancen. Eine neue Halle für die Sportvereine, ein Lebensmittel-Vollsortimenter, Ärztehaus und barrierefreies Wohnen seien dort vorstellbar, erläutert Schindling. Das Regierungspräsidium in Darmstadt werde den singulären Bau von Sporthalle oder Markt nicht genehmigen. Deshalb befrage die Stadtverwaltung demnächst die Stadtteilbewohner. Da es an den Neubauprojekten auch in Hattersheim Kritik wegen der Angst vor zu viel Autoverkehr gibt, will Schindling vorab den „Bürgerwillen abfragen“.

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