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Brotfabrik Hausen in Not : Die Stadt, die immer schläft

Das Frankfurter Kulturzentrum Brotfabrik Hausen ist in Gefahr. Die Eigentümerin will das Gelände verkaufen. Die Stadt will das Kulturzentrum bewahren. Bild: Marie-Luise Kolb

Viele Kultureinrichtungen werden aus den Frankfurter Stadtteilen verdrängt. Es ist wichtig, dass die Stadt dies im Fall der von Verkauf und Abriss bedrohten Brotfabrik Hausen verhindern will.

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          Der Kleinstadt-Blues schmilzt einfach hinweg, und man darf sich wie ein König, wie eine Königin vorkommen, weil man in der Glitzermetropole angekommen ist: in der Stadt, die niemals schläft. So wird sie gepriesen, die Stadt, in Frank Sinatras Hymne, die allerdings Manhattan gilt und nicht Mainhattan.

          Hier könnte der unternehmungslustige Flaneur eher den Schlaf nachholen, den er in anderen Metropolen verpasst hat. Jedenfalls haben Schlafforscher erst vor wenigen Tagen vermeldet, dass Frankfurt die deutsche Großstadt mit den besten Schlafbedingungen sei. Selbstverständlich lagen dieser Erhebung andere Kriterien zugrunde als die Frage nach Ausgehmöglichkeiten in der fünftgrößten Stadt des Landes, doch ließe sich mit einiger Berechtigung anmerken, dass es mit diesen Möglichkeiten in vielen Stadtteilen nicht mehr weit her ist, vor allem, wenn man unter „Amüsemang“ auch den Besuch von Konzerten, Lesungen und Theateraufführungen in dem Viertel versteht, in dem man wohnt.

          Nun ist Frankfurt nicht New York, London, Paris oder Berlin, schon gar nicht auf die Fläche bezogen, und viele Kultureinrichtungen, die mittlerweile an der Peripherie zu finden sind, lassen sich noch immer bequem und ohne halbe Kontinentalreisen erreichen. Und doch ist es auffällig, dass immer mehr Kultureinrichtungen an die Ränder Frankfurts ziehen müssen, um weiter Bestand zu haben, seien es nun die Batschkapp, das Bett oder erst vor wenigen Tagen das Zoom, die nicht zuletzt (immobilien-)wirtschaftlichen Interessen der Gebäudeeigentümer weichen mussten.

          Ein ähnliches Schicksal droht nun dem Kulturzentrum Brotfabrik Hausen. Es ist daher ein wichtiges Signal des Frankfurter Magistrats, dass er in diesem Fall alles tun will, um den Abriss der gerade auch für den Stadtteil wichtigen Einrichtung zu verhindern. Denn man kann das Nachtleben vielleicht musealisieren, doch das Image der verschnarchten Schlafstadt wird man so schnell nicht wieder los.

          Christian Riethmüller
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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