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Wachsendes Frankfurt : Gedankenspiele

Knappes Gut: Neuer Wohnraum, wie er hier im Europaviertel entsteht, ist in Frankfurt Mangelware. Bild: Michael Kretzer

Für wie viele Bewohner ist noch Platz in Frankfurt? Die Stadt hat für die Entwicklung bis 2030 vier Szenarien entworfen. Am Dienstagabend wurden die Modelle vorgestellt.

          Wie kann Frankfurt weiter wachsen, ohne an Lebensqualität einzubüßen? Um die Folgen des Bevölkerungswachstums und die möglichen Reaktionen zu veranschaulichen, haben Stadtplaner vier Szenarien entwickelt. Zwischen diesen Modellen wollen sich die Politiker im Frühjahr entscheiden.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dann soll das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“ fertig sein, mit dem sich die Stadt ein Leitbild für die weitere Entwicklung bis zum Jahr 2030 geben will. Am Dienstagabend wurden die vier Szenarien auf einer Bürgerversammlung auf dem Riedberg vor 200 Zuhörern erstmals präsentiert und zur Diskussion gestellt.

          1. Szenario: Entschleunigung

          Das erste Szenario haben die Planer mit „nachhaltige Entschleunigung“ überschrieben. Bei diesem Entwurf wird auf eine weitere Außenentwicklung an den Rändern verzichtet: Die Stadt wächst nur innerhalb ihrer bisherigen Grenzen. Durch die noch vorhandenen Reserven in der Baulandentwicklung und eine stärkere Verdichtung vor allem der Siedlungen der Nachkriegszeit können 60 000 Wohnungen entstehen.

          Zwar werden wertvolle Grünflächen geschützt, allerdings bleibt der erhoffte Zuwachs unter dem prognostizierten Bedarf von rund 90 000 Wohnungen. Jährlich könnten nach diesem Modell im Schnitt 3750 Wohnungen gebaut werden. Das Wachstum der Stadt würde durch ein geringes Baulandangebot gedrosselt. Die Folge: Der Druck würde in die Region gelenkt, die Städte und Gemeinden im Umland wüchsen stärker. Viele Frankfurter müssten in die Region ausweichen, um eine Wohnung zu finden. Der Pendlerverkehr nähme zu.

          2. Szenario: Verhaltenes Wachstum

          Diesem „dynamische Nachhaltigkeit“ genannten Gedankenspiel liegt die Vorstellung zugrunde, dass Frankfurt sowohl innerhalb als auch außerhalb der bisher versiegelten Flächen wächst. Insgesamt entstünden 100.000 neue Wohnungen und damit etwas mehr als prognostiziert: 30 000 stammen aus der vorhandenen Baulandreserve, etwa 45 000 könnten durch eine nachträgliche Verdichtung gewonnen werden. Aber rund 400 Hektar der bisher vor allem landwirtschaftlich genutzten Flächen würden für den Bau von rund 25 000 Wohnungen in Anspruch genommen.

          Zum Vergleich: Der Riedberg hat 260 Hektar. Qualitativ besonders wertvolle Landschaftsräume würden bei diesem Szenario nicht angetastet. Die Stadt würde nach diesem Entwurf allerdings deutlich dichter werden. Die großzügigen Freiflächen in der Stadt schrumpften. Durch die hohe Anzahl an zusätzlichen Wohnungen in der Stadt und in den neuen Quartieren würde auch preiswerter Wohnraum gesichert. Weil die äußeren Stadtteile wüchsen, nähme auch der Verkehr zu.

          3. Szenario: Klare Stadterweiterung

          Dieser Entwurf geht von einer „deutlichen Stadterweiterung“ aus. Um die vielen Bewohner unterzubringen, würden auch in diesem Fall 100.000 Wohnungen gebaut, allerdings mehr an den Rändern als beim zweiten Modell. Die Wohnungen entstünden jeweils zu rund einem Drittel durch Verdichtung der inneren Stadt, durch neue Stadtteile auf der grünen Wiese und durch das Heben der Baulandreserve.

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