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Staatstheater Wiesbaden : Kirschblüten und Walflossen

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Szene aus „Ten Chi” von Pina Bausch Bild: F.A.Z. / Foto Marcus Kaufhold

Von Ende April an locken einen Monat lang die 110. Wiesbadener Maifestspiele mit Oper und Schauspiel, Lesung und Vortrag. Künstler aus elf Ländern kommen zum Theaterfestival in Hessens Landeshauptstadt.

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          Ulrich Matthes war in einen Zwiespalt geraten. Im Januar jährte sich Wolfgang Amadeus Mozarts Geburtstag zum 250. Mal, im Februar wäre Thomas Bernhard 75 Jahre alt geworden. Wem sollte der Schauspieler huldigen? Dem Komponisten oder dem Schriftsteller? Beiden - durch eine musikalische Lesung, lautet jetzt die Antwort bei den Internationalen Maifestspielen im Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Ulrich Matthes liest am 3. Mai autobiographische Texte Thomas Bernhards, das Merlin Ensemble Wien spielt dazu unter der Leitung von Martin Walch Partien der „Zauberflöte“ . Denn diese war die Lieblingsoper des österreichischen Autors.

          Die 110. Maifestspiele dauern vom 29. April bis zum 31. Mai. Im Staatstheater und in seinen Spielstätten gibt es Opern- und Schauspielaufführungen, Vorträge und Lesungen - insgesamt stehen rund 50 Veranstaltungen auf dem Festivalprogramm. Künstler aus elf Ländern wirken bei den Maifestspielen mit. Sie kommen etwa aus Frankreich, den Niederlanden oder Israel. Die meisten aber reisen aus Polen an: Fast 300 Mitglieder der Nationaloper Warschau werden in Wiesbaden zu Gast sein. Der Besuch der Warschauer Sänger, Ballett-Tänzer, Musiker, Statisten und Akrobaten gehört zum „Deutsch-polnischen Jahr“. Diese Initiative hat sich dem Austausch zwischen beiden Ländern verschrieben: Der eine Nachbar soll sich dem anderen präsentieren, soll sportliche, wissenschaftliche oder eben kulturelle Errungenschaften vorstellen. Deshalb gibt die Nationaloper Warschau zwei Gastspiele im Hessischen Staatstheater. Am 18. Mai wird „Andrea Chénier“ von Umberto Giordano gezeigt. Danach wird in deutscher Sprache am 20. Mai ein zeitgenössisches Singspiel aufgeführt: „Ubu Rex“ von Krzystof Penderecki.

          Der Gastgeber eröffnet die Maifestspiele mit einer Eigenproduktion. Am 29. April ist „Das Rheingold“ in der Inszenierung von John Dew zu sehen. Zwei Tage später folgt am 1. Mai „Die Walküre“, dann „Siegfried“ am 7. Mai und schließlich „Götterdämmerung“ am 14. Mai. Mehrere Zusatzveranstaltungen ergänzen den Nibelungenring. Der Musikwissenschaftler Anselm Gerhard untersucht zum Beispiel am 7. Mai das Märchenhafte in Richard Wagners Werk, und Regisseur John Dew nimmt eine Woche darauf am 14. Mai an einem Podiumsgespräch teil. Der Wagner-Schwerpunkt hat bei dem Wiesbadener Theaterfest eine lange Tradition. 1899 fügte sich die „Ring“-Tetralogie erstmalig ins Programm. Aus keiner Stadt stammen so viele Ensembles wie aus Berlin: Vier Theatergruppen nehmen an den Festspielen teil.

          Die Schaubühne zeigt am 5. und 6. Mai Henrik Ibsens „Hedda Gabler“ . Inszeniert hat die Aufführung Thomas Ostermeier, der schon vor drei Jahren mit einem Ibsen-Stück - „Nora“ - nach Wiesbaden kam. Außerdem bringen „Theaterfusion und Theatergeist“ das Puppenspiel „Glittra, der Engel“ am 5. Mai auf die Bühne, und die „Gruppe der Pyromaniker“ verbindet am 6. Mai in „Feuer, Wasser und Posaunen“ Theaterkunst mit Feuerwerkskörpern. Etwas später - am 26. und 27. Mai - führt das Berliner Ensemble unter der Regie von Robert Wilson Shakespeares „Wintermärchen“ auf. In die Rolle des Leontes schlüpft Stefan Kurt, als Paulina ist Angela Winkler zu sehen.

          Vom 1. bis 6. Mai findet die „Junge Woche“ statt, die kleine Gäste in die Theatersäle locken soll. Am 3. Mai gibt es etwa eine Aufführung, die sich an Kinder von zehn Jahren an richtet: „ Lisolo“ , eine Produktion des Théâtre Tohu-Bohu, erzählt vom Leben in Kongo. Für Kinder von sieben Jahren an ist „Der Mann aus Spa“ von Max Vandervorst am 4. Mai bestimmt. Der belgische Künstler, der im vorigen Jahr seine „Symphonie der weggeworfenen Dinge“ vorführte, wendet sich wieder einem eher unterschätzten Instrument zu und musiziert mit Hilfe leerer Plastikflaschen. Pina Bauschs Tanztheater Wuppertal sagt fast keine Gastauftritte in Deutschland zu. Nach Wiesbaden reist ihre Compagnie dennoch. Die Produktion „Ten Chi“ schließt die Maifestspiele am 30. und 31. Mai ab. Eine Fernreise nach Japan hat die 2004 entstandene Tanzcollage inspiriert - deshalb versammelt Bühnenbildner Peter Pabst Kirschblüten und Walflossen auf der Tanzfläche.

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