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Neue Spielzeit in Wiesbaden : Rosa Hüte und goldene Gewänder

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Für jedes Alter: Die Kostüme aus dem Fundus des Wiesbadener Staatstheaters locken Schnäppchenjäger an. Bild: Michael Kretzer

Alles muss raus: Das Hessische Staatstheater in Wiesbaden feiert die neue Spielzeit mit einem großen Fest. Und verkauft aus dem Fundus günstig Kostüme für Groß und Klein.

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          Rosa Cowboy-Hüte für zwei Euro, goldene Scheich-Gewänder für 40 Euro und rot-schwarze Flamenco-Kleider für 35 Euro – der Fundus des hessischen Staatstheaters in Wiesbaden erwies sich am Wochenende als Goldgrube für Schnäppchenjäger. Das Theater feiert am Ende der Sommerpause traditionell den Start der neuen Spielzeit mit einem großen Fest, bei dem auch die prächtigen und phantasievollen Kostüme verkauft werden.

          Hunderte Wiesbadener strömten zu der Veranstaltung, um sowohl verbilligte Eintrittskarten zu erhalten, im Großen und Kleinen Haus öffentliche Proben und Ausschnitte aus aktuellen Produktionen zu sehen und den Theatermachern im Studio Fragen zu stellen. Die Kostüme, die an 20 großen Stangen in der Hinterbühne des Großen Hauses hingen, zogen ganz besondere Gäste an.

          Brust raus und Knöpfe zu

          So etwa Henning Henn, den Frontmann der Wiesbadener Punkrock-Band Houdini Social Club. Brust raus, die Barock-Weste schnell noch zugeknöpft und dann fragend zu Freundin Miriam Gutendorf geblickt. Auch-Punkrocker wollen auf der Bühne gut aussehen. Die Freundin stimmt zu – und der Sänger kauft die Weste. „Ich bin zum ersten Mal hier“, sagt Henn, der aber nicht viel Zeit zum Reden hat, weil er weitere Stücke für den nächsten Auftritt sucht. So geht es auch Angelika Ohlendorf, die ein ganzes Bündel barocker Kleider in den Armen hält. „Ich suche Kostüme für die Aufführung der Zauberflöte in einer 7. Klasse“, sagt die Lehrerin und ist schon auf dem Weg zur nächsten Kleiderstange.

          Wer zuerst kommt, erwischt die besten Stücke. Vermutlich deswegen war die etwa aus 20 Personen bestehende Gruppe kauffreudiger Gäste, die zu Beginn des Verkaufs durch die Gänge des Großen Hauses irrte, ein wenig ungeduldig. Der Pförtner des Eingangs am Warmen Damm öffnete um Punkt 14 Uhr die Tür und wies mehrfach darauf hin, dass es durch diese zum Kostümverkauf gehe.

          Zehn Minuten später, nach weiteren vier Gesprächen mit Theatermitarbeitern und zwei mit rot-weißen Flatterbändern abgesperrten Treppen, lautete die Losung: „Beim Schiller die Treppe hinauf.“ Also machten sich die Suchenden eilig in der Hoffnung auf den Weg, dass die schönsten Stücke noch nicht verkauft waren – und hatten zumindest teilweise Glück.

          Blick hinter die Kulissen

          „Mich interessieren Barock-Kostüme“, sagt Uwe Vielhaber-Weber aus Villmar bei Limburg. Sein Interesse ist allerdings nicht auf den Kostümverkauf beschränkt. „Es ist schon spannend, auch mal hinter die Kulissen des Theaters blicken zu können“, erläutert der bekennende Opernfan. So wie ihm geht es vielen Besuchern, die den Kostümverkauf mit den vielen anderen Angeboten des Festes kombinieren. Ganz andere Interessen verfolgt allerdings Silke Roß aus Rothenbuch bei Aschaffenburg. Die Schneiderin hat selbst einen Kostümverleih und sucht Stücke, die sie in ihr Angebot integrieren und vermieten kann. „Ich mache das zum ersten Mal. Wenn das funktioniert, dann werde ich in Zukunft regelmäßig zu Kostümverkäufen fahren“, kündigt sie an und packt sich mehrere der goldenen Scheich-Gewänder auf den Arm.

          Entspannte Gelassenheit strahlt derweil die Leiterin der Kostümabteilung, Anna Hostert, aus. Der sommerliche Verkauf erweist sich als erfolgreich, die Kostümstangen leeren sich kontinuierlich. „Unser Fundus platzt aus allen Nähten“, sagt sie und ist froh, wieder mehr Platz für neue Kostüme zu haben. Stücke, die keine Käufer finden, werden Anfang nächsten Jahres kurz vor Fastnacht, abermals angeboten. „Das ist unser Highlight“, sagt Hostert. Dann aber müssen die Käufer fix sein, denn das Angebot ist sehr viel größer, und es gibt lange Schlangen am Eingang.

          Theater als guter Zweck

          Auf die Frage, ob der Erlös der Aktion einem guten Zweck zukomme, erwidert die Kostümbildnerin humorvoll: „Ja, dem Theater, das ist ein guter Zweck.“ Wer nicht fündig wird, kann später während der Kostümversteigerung sein Glück versuchen. „Das ist ein anderes Format mit Schauspielern und Musik, da werden Einzelstücke verkauft“, erläutert Hostert. Dafür müssen die Käufer etwas tiefer in die Tasche greifen, denn für ein Unikat werden auch mal 100 Euro und mehr aufgerufen.

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