https://www.faz.net/-gzg-9qo24

Staatstheater Darmstadt : Neues Spiel, neues Glück

Wer ist wer? Am Staatstheater Darmstadt arbeiten Schauspieler und Tänzer zusammen am Phänomen Gesicht. Bild: Marcus Kaufhold

Schauspieler tanzen, Tänzer sprechen: Dank einer Bundesförderung arbeiten Staatstheater Darmstadt und Cocoon Dance zusammen.

          2 Min.

          Langsam breitet sich ein Lächeln auf den Gesichtern aus. Und will und will dann nicht mehr verschwinden, friert fest. Das Gesicht ist ein Ausgangspunkt der jüngsten Arbeit von Choreographin Rafaële Giovanola, Gründerin und Leiterin des in Bonn ansässigen freien Tanzensembles Cocoon Dance. Wie es entsteht, medial mit Bedeutung aufgeladen wird, zum Verschwinden gebracht wird. Da scheint es naheliegend, dass unter den sieben Darstellern gleich vier Schauspieler sind. Wenn „Körpertreffer“ am 7. September uraufgeführt wird, werden Schauspieler tanzen, Tänzer sprechen, und dem Publikum dürfte es schwerfallen zu erkennen, wer denn nun aus welcher Sparte kommt.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu Gast sind Cocoon Dance mit ihren Produktionen in Darmstadt schon gewesen, beim Hessischen Staatsballett. Dessen Kurator Bruno Heynderickx hat die Verbindung über zwei Spielzeiten eingefädelt – allerdings mit dem Schauspielensemble. „Wir versuchen, im Schauspiel einen Formenpluralismus anzubieten“, sagt Dramaturg Maximilian Löwenstein. Mehr und unterschiedliches Vokabular, neue Erfahrungen – nicht nur er hält das Projekt für einen Glücksfall.

          240.000 Euro für die Zusammenarbeit

          Dank des Programms „Doppelpass“ der Kulturstiftung des Bundes, das freie Gruppen und feste Theater mit einem dritten Partner verbindet, ist das kroatische Zagreb Dance Center dritter Partner. Dort wird mit „Body Shots“ eine zweite Choreographie, mit kroatischen Tänzern und Cocoon Dance, entstehen. Die wird dann auch in Darmstadt gastieren. Umgekehrt reist „Körpertreffer“ nach Zagreb. Die Förderhöchstsumme von 240.000 Euro hat der Bund für diese Zusammenarbeit bewilligt.

          Giovanola und ihr Partner und Dramaturg Rainald Endraß arbeiten zum ersten Mal eng mit Schauspielern zusammen, ein Lernprozess auf beiden Seiten, der schon in der vergangenen Saison angefangen hat. Immer wieder hat das gesamte Schauspielensemble des Staatstheaters an Workshops mit Cocoon Dance teilgenommen. „Jeder, der mitgemacht hat, war begeistert“, sagt Ensemblemitglied Mathias Znidarec.

          Er ist einer der Darmstädter Schauspieler, die nun in „Körpertreffer“ Choreographie und Text verbinden. „Sehr schön, sehr körperlich“ – und bisweilen auch sehr schmerzhaft sei die Arbeit, sagt er. Das morgendliche Training, die Übungen vor den Proben, die so anders ablaufen, der gegenseitige Respekt und das gemeinsame Entwickeln einer Sprache, mit der körperliche Abläufe beschrieben werden können – und das auch noch auf Englisch – waren neue Erfahrungen. Auch für die Tänzer, sagt Cocoon-Tänzerin Susanne Schneider. Die haben gelernt, die Vertrautheit der Bewegungsabläufe und die Aufmerksamkeit, die sie mit den Kollegen haben, auch mit den Schauspielern zu entwickeln. Viel körperlicher, als die Tänzer annahmen, arbeiteten diese – aber mit einer anderen Herangehensweise.

          Aus Workshops wuchs die Idee für Stück

          Immer wieder habe Cocoon Dance mit Laien, Kindern, Streetdancern die eigenen Bewegungen überprüft, sagt Endraß. Das sei der Arbeit zugutegekommen. Aus den Workshops, ergänzt Giovanola, sei die Idee für das Stück gewachsen. Weshalb darin auch Schauspieler vorkommen, die selbst gar nicht auf der Bühne stehen.

          Choreographin Rafaële Giovanola ist Gründerin und Leiterin des in Bonn ansässigen freien Tanzensembles Cocoon Dance.

          Die Schauspieler Hans-Christian Hegewald, Stefan Schuster, Robert Lang und Znidarec hingegen können zudem, was für Festengagierte selten ist, auf Gastspiele reisen. Znidarec freut sich besonders auf Zagreb, weil sein Vater von dort stammt. Es gebe reges Interesse an „Körpertreffer“, sagt Giovanola. Das dürfte beim Theater allerdings Pläne wie bei einem „Tetris“-Spiel erfordern, um das Fehlen der Schauspieler zu bewerkstelligen. „Body Shots“ soll das rein tänzerische Gegenstück dazu werden, ein Cocoon-Tänzer aus „Körpertreffer“ soll sozusagen das Körperwissen an die kroatischen Kollegen weitergeben. So reisen die Darmstädter Schauspieler in jedem Fall weiter durch die Tanzwelt, dann so virtuell, wie es Thema von „Körpertreffer“ ist.

          Uraufführung von „Körpertreffer“ am 7. September um 20 Uhr in den Kammerspielen des Staatstheaters.

          Weitere Themen

          Nordisch by nature

          Norwegische DJs in Frankfurt : Nordisch by nature

          Das Gastland der Buchmesse zieht so einige berühmte Künstler in die Stadt. Nun legen norwegische DJs wie Todd Terje und Prins Thomas in Frankfurt auf. Und sorgen für schräge Partys.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.