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Cole Porters „Kiss me, Kate“ : Zoff ist zeitlos

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Musical-Klassiker in zwei Akten: Staatstheater Darmstadt bringt Cole Porters „Kiss Me, Kate“. Bild: © Nils Heck

Das Staatstheater Darmstadt bringt Cole Porters Broadway-Klassiker „Kiss me, Kate“ wieder auf die Bühne. Das Erfolgsmusical überrascht mit einem feministischen Blickwinkel.

          Unter feministischem Blickwinkel ist Cole Porters Erfolgsmusical „Kiss me, Kate“ ein arg problematisches Stück, genau wie William Shakespeares Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“, die dem 1948 am New Yorker Broadway uraufgeführten Musical zugrunde liegt und darin sozusagen als Spiel im Spiel integriert ist. Bei Shakespeare geht es bekanntlich um den besänftigenden Einfluss, den Petruchio auf die nicht eben vorteilhaft charakterisierte Katharina ausübt, die sich schließlich zu einer Hymne auf die Unterwürfigkeit der Frau hinreißen lässt.

          Bei Porter sind die beiden Protagonisten, der Produzent Fred und die Schauspielerin Lilli, ein zerstrittenes Paar, das sich ausgerechnet in den beiden Hauptrollen einer Shakespeare-Aufführung auf der Bühne zusammenraufen soll. Wie diese Konfrontation abläuft, welche Abgründe sie hervorkehrt und welche letztendlich erlösende Wirkung sie hat, lässt sich vom kommenden Samstag an im Staatstheater Darmstadt verfolgen. Dann nämlich hat „Kiss me, Kate“ in einer Neuproduktion Premiere, für die der junge Regisseur Erik Petersen verantwortlich ist. Er hat in den vergangenen Spielzeiten schon Andrew Lloyd Webbers „Evita“ und, zuletzt, Tom Snows „Footloose“ auf die Bühne von Darmstadts Großem Haus gebracht, Premierenerfolge jedes Mal, die erfrischend wirkten, ohne ihre Vorlagen zu denunzieren. Insofern darf man gespannt sein, was Peterson nach dem Stück um die starke Präsidentengattin und der Adaption eines eher schwachen Tanzfilms einfallen wird.

          Denn die musikalische Vorlage ist nun ungleich gewichtiger. Cole Porters raffinierter Einsatz des Orchesters, seine zündenden Melodien, zu denen die populären Nummern „Wunderbar“ und „Schlag nach bei Shakespeare“ gehören, auch die dramatisch reizvoll verschachtelte Anlage lieferten einst die Grundlage für einen nachhaltigen Bühnenerfolg. Den erlebte „Kiss me, Kate“ nämlich schon im Anschluss an die New Yorker Uraufführung, als das Stück auf mehr als tausend Vorstellungen am Broadway kam. Das Musical wie auch George Sidneys Verfilmung aus dem Jahr 1953 feierten im Wirtschaftswunderdeutschland übrigens unter dem Titel „Küß mich, Kätchen!“ Erfolge.

          Biss, Ironie und Wortwitz

          Dabei kann der Betulichkeitsfaktor, wenn man das Stück in seinem Biss, seiner Ironie, seinem Wortwitz und seinem Tempo ernst nimmt, verschwindend gering ausfallen. Das setzt natürlich voraus, dass die Besetzung treffend ausgewählt ist: Im Staatstheater Darmstadt treten ausgebildete Musicaldarsteller wie Barbara Obermeier, die in der Hauptrolle der Lilli zu erleben sein wird, neben musikaffinen Schauspielern wie Tobias Licht auf. Der Absolvent der Bayerischen Theaterakademie wird den Produzenten Fred spielen. Aber auch Sänger mit Opernhintergrund werden mitwirken, zum Beispiel der Bassbariton Georg Festl, der in Darmstadt unlängst die Titelpartie in Olivier Messiaens Monumentalwerk „Saint François d’Assise“ übernommen hatte.

          Er wird nun als General Harrison Howell, Lillis neuer Verlobter, gewiss höchst sonor den Dauerzoff zwischen den beiden Ex-Partnern anheizen. Denn als Stück über Partnerschaften in der Krise, über Streit und Versöhnung ist Porters Musical zeitlos. In Darmstadt geht es unter der Verwendung von Don Sebeskys Neuorchestrierung von 1999 über die Bühne, die deutsche Fassung folgt der Neubearbeitung von Peter Lund. Nicht tausend, aber immerhin mehr als ein Dutzend Folgevorstellungen sind bis Saisonende geplant, mit teils wechselnden Besetzungen. Die musikalische Leitung übernimmt in der Premiere der Darmstädter Kapellmeister Michael Nündel, der das Stück vor einigen Jahren schon in Kiel dirigiert hat.

          KISS ME, KATE

          Premiere am 2. Februar von 19.30 Uhr an am Staatstheater Darmstadt. Nächste Termine am 8., 9., 16. und 23. Februar sowie am 16. und 28. März ebenfalls von 19.30 Uhr an.

           

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