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Finanz-Affäre : Staatsanwaltschaft durchsucht Frankfurter Awo-Zentrale

Die Staatsanwaltschaft lässt die Frankfurter Awo-Zentrale durchsuchen Bild: Bernd Kammerer

In der Affäre um die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt hat die Staatsanwaltschaft am Dienstagmorgen die Zentrale des Frankfurter Kreisverbandes und mehrere Wohnungen durchsuchen lassen. Auch die Stadt hat reagiert und Anzeige erstattet.

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          Im Skandal um mutmaßlich illegale Tätigkeiten bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) durchsucht die Staatsanwaltschaft seit dem Morgen die Geschäftsräume des Vereins. Wie eine Sprecherin mitteilte, steht die Razzia im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Verantwortliche der Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden. Durchsucht werden nicht nur Büros, sondern auch Wohnungen und Häuser der Beschuldigten. Insgesamt handelt es sich um 14 Objekte in Frankfurt, Wiesbaden, Berlin, Bad Schwalbach und Schöneck. An dem Einsatz beteiligt sind 84 Beamte der Staatsanwaltschaft sowie diverser Polizeipräsidien und des Landeskriminalamts Berlin.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt weiter mitteilte, sind die Durchsuchungen das Ergebnis einer anonymen Strafanzeige und der Berichterstattung durch die Medien. Gegenstand des Verfahrens sei zum einen der Verdacht des Betruges zum Nachteil der Stadt Frankfurt im Zusammenhang mit dem Betrieb von zwei Flüchtlingsunterkünften und insoweit falsch abgerechnete Personalkosten im hohen sechsstelligen Bereich. Zum anderen besteht der Verdacht der Untreue zum Nachteil der Awo wegen der Vereinbarung und Entgegennahme satzungswidriger Vergütungen beziehungsweise ungerechtfertigter Honorarzahlungen sowie der Gewährung einer überhöhten Dienstwagenpauschale.

          Ermittlungen gegen mehrere Verdächtige

          Die Ermittlungen richten sich gegen zwei Frauen und vier Männer im Alter zwischen 40 und 63 Jahren, die bei der Awo in Frankfurt und Wiesbaden – teilweise in beiden Kreisverbänden gleichzeitig – zum Teil ehrenamtlich in leitenden Funktionen tätig waren.

          Im Zuge der Durchsuchungen wurden zahlreiche Geschäftsunterlagen in schriftlicher und elektronischer Form sichergestellt.

          Auch die Stadt Frankfurt hat mittlerweile Strafanzeige wegen Betrugs gestellt. In einer Pressemitteilung erklärte Stadträtin Daniela Birkenfeld, dass es sich dabei um eine vorsorgliche Maßnahme handle. Man habe bisher „keine Akteneinsicht erhalten und keine näheren Kenntnisse über Umfang des voraussichtlichen Schadens“ erhalten.

          Geschichte der Awo

          Die Soziale Frage und Frauenrechte – das waren Themen, die Awo-Gründerin Marie Juchacz besonders bewegten. Die Sozialdemokratin stritt für das Frauenwahlrecht und gründete im Dezember 1919 die Arbeiterwohlfahrt (Awo), die von Anfang an eng mit der SPD verbunden war. Ziel war, Arbeiterfamilien das Leben zu erleichtern und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Das galt etwa für die Organisation von Kinderbetreuung, Nähstuben und Beratungsangeboten.

          Von den Nationalsozialisten verboten, begann die Awo nach 1945 mit dem Neuaufbau ihrer Organisation. Inzwischen ist die Awo aufgegliedert in 30 Bezirks- und Landesverbände, 403 Kreisverbände und mehr als 3400 Ortsvereine. Sie ist Trägerin unter anderem von Alten- und Pflegeheimen und -tagesstätten, von Kindertagesstätten, Beratungsstellen und ambulanten Diensten.

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