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Mittlerweile 700 Todesfälle : Sprunghaft mehr Corona-Kranke in hessischen Kliniken

Geduldsprobe: Während die Grippeimpfungen laufen, wartet auch Hessen auf ein Corona-Vakzin. Das Land bereitet sich darauf vor. Bild: dpa

Die Covid-19-Neuinfektionen in Hessen stagnieren auf hohem Niveau. Der jüngste Anstieg ist aber geringer, als der hessische Bevölkerungsanteil nahelegt. Die Zahl beatmeter Corona-Kranke steigt derweil deutlich.

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          Krankenhäuser in Hessen betreuen deutlich mehr Corona-Infizierte als vor einer Woche. Wie das Sozialministerium der F.A.Z. mitteilt, liegen derzeit 1360 Covid-19-Patienten in Kliniken, das ist eine Zunahme von 40 Prozent. Sogar um mehr als Hälfte ist die Zahl der Personen gestiegen, die als beatmungs- und intensivüberwachungspflichtig gilt. Das Ministerium spricht von 245 Menschen. Damit betreuen Intensivstationen 56 Prozent mehr Corona-Kranke als vor sieben Tagen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          535 freie Beatmungsbetten stehen in hessischen Krankenhäusern zur Verfügung, das sind sieben weniger als vor sieben Tagen. 2223 Beatmungsbetten gibt es nach 2285 vor Wochenfrist. Die Zahlen werden wöchentlich aktualisiert. Ob für alle Beatmungsbetten auch genügend geschultes Personal da ist, sagt das Ministerium nicht.

          1221 neue Fälle in Hessen über Nacht

          In Hessen bleibt das Corona-Infektionsgeschehen sehr rege. Das gilt auch im Bundesvergleich. Die Zahl der bestätigten Neuinfektionen liegt aber deutlich unterhalb des am Wochenende verzeichneten Rekords von gut 1900. Das für die Seuchenbekämpfung federführend zuständige Robert-Koch-Institut des Bundes meldet 1221 neue Covid-19-Fälle, zwei mehr als am Dienstag. Im Bund sind nach seinen Angaben zum Mittwoch 17.214 Neuinfektionen bekannt geworden. Der hessische Anteil daran beläuft sich auf sieben Prozent. Das heißt, der Anstieg in dem zentral gelegenen Bundesland ist geringer, als es der Bevölkerungsanteil von Hessen erwarten ließe. Der beträgt gut acht Prozent.

          Der hessische Hotspot bleibt der Landkreis Marburg-Biedenkopf mit einer Inzidenz von fast 255 laut Sozialministerium und RKI. Der Kreis selbst schreibt sich eine geringere Inzidenz zu; am Dienstag stand auf seiner Homepage ein Wert von 229 zu Buche. An zweiter Stelle der offiziellen Corona-Rangliste folgt Offenbach mit fast 253 Fällen binnen Wochenfrist unter 100.000 Einwohnern vor Frankfurt mit fast 236. Wiesbaden kommt auf gut 194. Aktuell gibt es in einem Frankfurter Gefängnis mehr als zwei Dutzend Infizierte.

          Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin haben hessische Kliniken zuletzt 229 Corona-Kranken auf Intensivstationen betreut. 125 von ihnen mussten demnach invasiv beatmet werden, eine Sauermaske genügt also nicht mehr.

          699 Corona-Opfer seit März

          Wie sich der Internetseite des Robert-Koch-Instituts weiter entnehmen lässt, hat es 16 weitere Todesfälle in Zusammenhang mit der Pandemie registriert. Alles in allem gibt es offiziell 699 Corona-Opfer seit März. Zu Anfang Oktober waren noch 551 bekannt gewesen. Die Zahl der bestätigten Infizierten kletterte seitdem von gut 19.000 auf 45.819. Beide Vergleiche zeigen die Dynamik der Pandemie.

          Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die neuen Fälle binnen Wochenfrist unter 100.000 Einwohnern, betragt laut RKI bei 155. Auf kommunaler Ebene liegt der kritische Wert bei 50 (siehe Karte). Rheinland-Pfalz kommt auf knapp 107. Der Durchschnitt im Bund beträgt knapp 126.

          Im Hessischen Landtag gilt von Montag eine Maskenpflicht. Das hat der Ältestenrat beschlossen. „Der Hessische Landtag kann es sich nicht aussuchen, ob er tagt oder nicht“, sagte Präsident Boris Rhein laut dpa. Deswegen müsse es oberstes Ziel sein, die Funktion und die Handlungsfähigkeit der Ersten Gewalt zu gewährleisten.

          Fraport verfehlt Erwartungen

          Der Einbruch des Passagierverkehrs in der Corona-Krise und der geplante Stellenabbau haben den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport im Sommer noch tiefer in die roten Zahlen gerissen als befürchtet. Unter dem Strich stand im dritten Quartal ein Verlust von 304 Millionen Euro nach einem Gewinn von 222 Millionen Euro ein Jahr zuvor, wie das im MDax gelistete Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt laut dpa mitteilte. Damit verfehlte Fraport die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Allein die Aufwendungen für den geplanten Abbau tausender Arbeitsplätze belasteten das Unternehmen mit 280 Millionen Euro.

          Das Land Hessen bereitet sich derweil nach Angaben des Sozialministeriums auf den Start der Corona-Impfungen vor. „Noch gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Virus. Aber die Bundesregierung hat einen Impfstoff in den nächsten Wochen in Aussicht gestellt. Wir bereiten uns schon jetzt so gut wie möglich darauf vor, damit die nötigen Prozesse dann möglichst reibungslos und zügig erfolgen können. Grundlage der Impfungen ist die nationale Impfstrategie, die derzeit von der Bundesregierung konzipiert wird“, wurden Sozialminister Kai Klose (Die Grünen) und Innenminister Peter Beuth (CDU), die seit Beginn der Pandemie den Corona-Krisenstab der Hessischen Landesregierung leiten, am Dienstag zitiert.

          Wieso die Inzidenz eine zentrale Kennziffer zur Bewertung des Verlaufs der Pandemie bleibt, aber ihre Einschränkungen hat, erläutert die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek im F.A.Z-Interview. Wie sich Büro-Arbeiter angesichts der potentiellen Ausbreitung von Viren in Räumen am besten schützen können, sagt der Arbeitsmediziner David Groneberg.

          Das hessische Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. In den ersten Wochen der Pandemie berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

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