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Spritpreise im Vergleich : Warum Benzin in Frankfurt so teuer ist

Edler Tropfen: Frankfurt hat die zweithöchsten Benzinpreise in Deutschland - nur in Hannover bezahlt man mehr. Bild: dpa

Im Durchschnitt seien die Benzinpreise in Frankfurt höher als etwa in Wiesbaden, sagt der ADAC. Beim Konkurrenten AvD weiß man auch, warum das so ist.

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          Gerade hat der ADAC einen Vergleich der Spritpreise in verschiedenen Städten Deutschlands vorgelegt. Danach ist der Treibstoff an Markentankstellen im Durchschnitt in Wiesbaden billiger als in Frankfurt. Ein Liter Super E10 in der Mainmetropole: 1,52 Euro. Ein Liter in der Landeshauptstadt: 1,49 Euro. Beim Diesel das Gleiche. Dabei liegen die Orte nur gut eine halbe Autostunde auseinander. Warum ist das so? Eine Suche nach den Gründen.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Der erste: In Wiesbaden gibt es viel mehr Tankstellen der Marke Jet. Und die sind vergleichsweise günstig. Das senkt den Durchschnitt. Im kleineren Wiesbaden finden sich inzwischen vier große Jet-Tankstellen, im großen Frankfurt, das die Pendler tagsüber zur Millionenstadt werden lassen, liegt lediglich eine. Und bei Stichproben dieser Zeitung in den vergangenen Tagen landeten die Jet-Tankstellen immer unter denen, an denen der Kraftstoff am billigsten war.

          Frankfurter scheren sich weniger um Preis

          In Wiesbaden hat es Jet unlängst sogar geschafft, an der vielbefahrenen Schiersteiner Straße, einer der großen Ausfallstraßen zur Autobahn nach Frankfurt und Mainz, eine Aral-Tankstelle zu verdrängen. Der zum BP-Konzern gehörende Riese hätte diesen verkehrstechnisch idealen Standort gewiss nicht aufgegeben, wenn die Umsätze den Erwartungen entsprochen hätten. Eine Auskunft war dazu bei Aral nicht zu erhalten. Es spricht aber viel dafür, dass die preisbewussten unter den Wiesbadener Autofahrern vor der Umflaggung auf die naheliegende zweite große Ausfallstraße ausgewichen sind, an der es schon lange eine der günstigen Jet-Tankstelle gibt. Dort stauen sich Pendler und andere Autofahrer öfter bis auf die Straße.

          In Frankfurt ist die Preissensibilität der Kunden wohl nicht ganz so ausgeprägt wie in Wiesbaden. Jedenfalls haben es die Großen der Branche hier offenbar leichter, ihre Vormachtstellung zu behaupten. Ein Sprecher von Jet in Hamburg bestätigt, dass sein Haus gerade in der umsatzträchtigen Metropole Frankfurt bislang sehr viel weniger stark vertreten sei, als man es sich wünsche. In der Mainmetropole seien Standorte für Tankstellen mit hoher Verkehrsfrequenz und zu „angemessener Miete“ praktisch nicht zu finden, sagt der Sprecher weiter. Jedenfalls sei das sehr viel schwieriger als andernorts in Deutschland.

          „Benzinpreis-Ignoranten“ mit Dienstwagen

          Johannes Hübner vom in Frankfurt ansässigen Automobilclub von Deutschland (AvD) hat eine Erklärung dafür parat, warum die Kundschaft in Frankfurt weniger auf den Preis achtet. Es ist der zweite Grund, warum Kraftstoff in der Mainmetropole teurer ist als anderswo. Hübner ist der Überzeugung, dass in der Bankenmetropole die großen Mineralölkonzerne mit vergleichsweise hohen Treibstoffpreisen vor allem deshalb leichteres Spiel haben, weil hier die Zahl derer, denen ein Dienstwagen und eine Tankkarte ohne Limit zur freien Verfügung stehen, weitaus größer sei als in Wiesbaden oder anderswo. In dieser Weise ausgestattete Fahrer nennt Hübner „Benzinpreis-Ignoranten“. Sie interessierten sich für die Preisangaben auf den Anzeigetafeln schlicht nicht. Sie wüssten wahrscheinlich nicht einmal zu sagen, was ein Liter koste.

          Hohe Grundstückspreise in Frankfurt, viele Dienstwagenfahrer: Das dürften die beiden wichtigsten Gründe sein, warum Kraftstoff in Frankfurt im Durchschnitt teurer ist. Hinzu kommt noch, dass es in Frankfurt weniger freie Tankstellen gibt, die mit ihren niedrigen Tarifen das Preisniveau drücken könnten. In den Verbraucherportalen im Internet sind für ganz Frankfurt gerade zwei freie Tankstellen aufgeführt, für das kleinere Wiesbaden hingegen vier.

          Sparen bei freien Tankstellen

          Trotzdem kann man natürlich auch in Frankfurt günstig tanken. Der ADAC hat schließlich nur einen Durchschnittswert veröffentlicht. Die Probe aufs Exempel mit den Verbraucherportalen bestätigt zwar, dass in Frankfurt der Sprit bei Markentankstellen im Durchschnitt teurer ist und in Wiesbaden erheblich mehr günstige Tankstellen zu finden sind. Die Probe zeigt aber auch, dass Autofahrer in Frankfurt - die freien Tankstellen eingerechnet - im Einzelfall sogar billiger tanken können als anderswo. Die Freien unterbieten die Großen der Branche wie Aral oder Shell um bis zu elf Cent je Liter Super. Eine Liste der geprüften Verbraucher-Informationsdienste ist unter www.bundeskartellamt.de zu finden. Wie das Kartellamt nicht ohne Stolz wissen lässt, bestürmen derzeit Dienstleister die Marktwächter geradezu mit Anträgen auf Zulassung. Im Moment melden dort mehr als 14 000 Tankstellen unentwegt, wenn sie die Preise erhöhen oder senken. Binnen Minuten kann der Verbraucher dann via Smartphone, Tablet oder auch am heimischen Rechner sehen, wo er tatsächlich am günstigsten tanken kann.

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