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Brückensprengung : Ein „verkehrstechnischer Albtraum“

  • -Aktualisiert am

Gefährliche Risse: ein schadhafter Pfeiler der Salzbachtalbrücke Bild: Frank Röth

Beide Hälften der Salzbachtalbrücke bei Wiesbaden sollen binnen acht Wochen fallen. Im Herbst 2022 könnte schon die neue Südbrücke fertig sein. Bis dahin droht ein Chaos fürs Rhein-Main-Gebiet.

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          „Wir wollen sprengen.“ Der Direktor der Niederlassung West der bundeseigenen Autobahn GmbH, Ulrich Neuroth, lieferte mit dieser überraschenden Ankündigung die Nachricht des Tages im Drama um die Salzbachtalbrücke. Nicht nur das einsturzgefährdete südliche Bauwerk der 1963 errichteten Autobahnbrücke soll alsbald von den Sprengmeistern niedergelegt werden. Gleichzeitig oder nur wenige Tage später soll auch die Nordbrücke fallen, über deren drei Spuren bis am Freitag vor einer Woche noch täglich 80.000 Fahrzeuge rollten.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Eine Sprengung galt noch vor einem Jahr als zu risikoreich, unter anderem wegen der unter der Brücke liegenden Gleise, einer Bundesstraße und dem Hauptklärwerk der Landeshauptstadt. Seit sich am 18. Juni die Südbrücke stellenweise um bis zu 50 Zentimeter gesenkt und zehn Zentimeter in Richtung Frankfurt verschoben hat, gilt das Risiko jedoch als tragbar. Denn in Brücke und Pfeilern klaffen Risse und Fugen. Die Südbrücke könne jederzeit kollabieren, sagte Matthias Hannappel, der für Bau und Erhaltung verantwortliche Geschäftsbereichsleiter der Autobahn GmbH.

          Der Entscheidung für die Sprengung beider Brückenhälften gingen zahlreiche Untersuchungen und Gespräche voraus. Den Ausschlag gaben laut Neuroth die Überlegungen mit Blick auf die Sicherheitslage, den Zeitbedarf und die Kosten. Zudem hätte auch nach einem vermutlich neun Monate dauernden, vorsichtigen Abriss der Südbrücke mit Hilfe von Baggern die Nordbrücke dennoch nicht mehr in Betrieb genommen werden können. Es habe niemand gegeben, der dafür die Verantwortung hätte übernehmen wollen, so Hannappel und Neuroth. „Wir wissen nicht, was im Untergrund passiert ist“, bekräftigte Neuroth.

          Drei Jahre früher fertig als nach derzeitiger Planung

          Auch die Ursachenforschung muss noch warten, weil selbst für Bauarbeiter und Experten derzeit eine Sperrzone von 25 Metern um die Brücke gilt. Zunächst soll die Brücke in den nächsten Tagen „ferngesteuert“ stabilisiert werden. Dazu werden von einem Spezialfahrzeug sogenannte Hilfstürme neben den jetzt schiefen „Pfeiler E“ bugsiert. Auch die beiden benachbarten Pfeiler müssen stabilisiert werden, unter anderem durch eine Art Kissen, das die Last aufnimmt, sofern ein weiteres Lager kollabiert. So sollen weitere „unkontrollierte Bewegungen“ der Brücke unterbunden werden.

          Der Vorteil der Sprengung ist, dass vielleicht schon in zehn Wochen die Bahnstrecke zum Hauptbahnhof sowie die südliche Ein- und Ausfallroute „Mainzer Straße“ wieder freigegeben werden können. Der Nachteil ist, dass die Autobahn A66 mindestens bis zum Herbst 2022 vollständig unterbrochen ist. Neuroth verbreitete am Freitag die Hoffnung, dass der ohnehin eingeleitete Neubau der vierspurigen Südbrücke wegen der schon geschehenen Gründung der neuen Pfeiler und der Vorfertigung von Stahlelementen binnen eines Jahres abgeschlossen werden könnte. Das wäre dann eine deutliche Verbesserung der Verkehrslage gegenüber der dreispurigen, notdürftig verstärkten Nordbrücke. Mit deren Neubau könne womöglich parallel oder zeitlich versetzt begonnen werden, so dass eine komplett neue Salzbachtalbrücke mit zwei jeweils vierspurigen Hälften noch im Jahr 2023 in Betrieb genommen werden könnte. Das wäre drei Jahre früher als nach derzeitiger Planung.

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