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Sportwetten : Hoffnung auf ein Ende der Hängepartie

Unterlegen: Die Oddset-Wette hat wegen schwächerer Gewinnquoten gegen die private Konkurrenz an Boden verloren. Bild: dpa

Das Verfahren zur Vergabe von Sportwettenlizenzen steht vor dem Abschluss. Unter anderem die von Lotto Hessen mitgegründete ODS GmbH soll eine der geplanten 20 Lizenzen erhalten.

          Bisher tummeln sich Anbieter von Sportwetten in Hessen und anderswo in Deutschland in einer Grauzone. Zwar setzen unzählige Sportfans hierzulande täglich viel Geld auf den Ausgang von Fußballspielen und anderen Ereignissen – doch, juristisch gesehen, sind viele Sportwettenangebote rechtswidrig. Durch die im Glücksspielstaatsvertrag von 2012 vorgesehene Vergabe von 20 staatlichen Lizenzen für Anbieter von Sportwetten soll sich das ändern. Und wie vor einer Woche bekannt wurde, steht die im hessischen Innen- und Sportministerium ausgearbeitete Liste der 20 Firmen, die eine bundesweite Lizenz erhalten sollen, fest.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Demnach ist die Oddset Deutschland Sportwetten (ODS) GmbH unter diesen Anbietern. Das freut den Chef von Lotto Hessen, Heinz-Georg Sundermann. Lotto Hessen zählt schließlich zu den Gesellschaftern der ODS GmbH, und Sundermann ist ihr stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Andererseits spricht er von einer „extrem spannenden Woche“ mit Blick auf die Vergabe der Lizenzen.

          Es drohen noch weitere Klagen

          Denn der Lotto-Geschäftsführer weiß: ODS kann sich noch nicht sicher sein, auch bald eine Lizenz zu bekommen. Denn insgesamt hatten sich 41 Unternehmen um eine Konzession gemüht. Das heißt: 21 andere Anbieter dürften leer ausgehen – obwohl auch sie, wie in der Wettbranche zu hören ist, qualifiziert genug für eine Lizenz seien. In der Folge drohen weitere Klagen zu dem Vergabeverfahren, nachdem es in der Vergangenheit schon mehrere Rechtsstreitigkeiten vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden und dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof gegeben hatte. Zwar soll eine Reihe namhafter Anbieter eine Konzession bekommen, unter ihnen Bwin über die Tochter Electra, Branchenriese Ladbrokes aus England und die Deutsche Telekom mit ihrer Deutsche Sportwetten GmbH. Doch ausgerechnet der deutsche Marktführer Tipico steht nicht auf der Liste und droht schon mit Klage.

          Kommt es zu Klagen, könnte sich das ohnehin schon einer Hängepartie gleichende Verfahren weiter in die Länge ziehen und die tatsächliche Konzessionsvergabe auf unbestimmte Zeit verzögern. Vor diesem Hintergrund übt sich der Chef von Lotto Hessen nun in Appellen. „Der Wettbewerb soll entscheiden, aber dafür muss es losgehen“, meint er an die Adresse von ODS-Konkurrenten und Gerichten. Alle Sportwettenanbieter, die nicht auf der Wiesbadener Liste stehen, sollten nicht vor Gericht ziehen.

          Marktregulierung müsse schnell her

          Möglichen Klagen versuchte Sundermann am Montag vorzugreifen. Erstens habe der Europäische Gerichtshof die Frage, ob der Glücksspielstaatsvertrag als Grundlage der Lizenzvergabe mit dem Europarecht vereinbar sei, zugunsten des Staatsvertrag entschieden. Zweitens sei das im Herbst 2012 gestartete Verfahren ordnungsgemäß verlaufen, sagte er Montag in Wiesbaden: „So lang es war, so ordnungsgemäß war es auch.“ Die Bewerber um eine Lizenz hätten ihre Konzepte auf rund 1500 Seiten darlegen müssen.

          Zudem verwies er auf die Vorgabe des Ministeriums, nach der ein qualifiziertes Ergebnis am Ende des Verfahrens stehen solle. Daraus folgert Sundermann: „Es kann doch nur um die Frage gehen, ob über die 20 hinaus noch weitere Anbieter zugelassen werden, nicht aber um die Frage der grundsätzlichen Berechtigung des Staates für dieses Vergabeverfahren.“ Statt die Konzessionsvergabe infolge von Klagen auszusetzen, könnten Gerichte die offenen rechtlichen Fragen im laufenden Verfahren klären, hofft er. „Je länger dieser unregulierte Markt andauert, desto schwieriger wird es, ihn zu regulieren“, gibt er zu bedenken.

          Umsatz des Sportwettenmarktes schwer zu fassen

          Auch ODS-Geschäftsführer Christoph Schmidt hofft auf ein Ende der Hängepartie. Denn sein Unternehmen ist noch zur Untätigkeit verdammt: Bisher habe er keine Konzession auf dem Tisch, sagte er in Wiesbaden. Die bekannten Oddset-Sportwetten sind Angebote der Lotteriegesellschaften der Bundesländer. Diese Wetten haben in den vergangenen Jahren immer mehr an Boden verloren. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Lotteriegesellschaften auf Umsätze durch Oddset-Wetten nicht nur fünf Prozent Wettsteuern, sondern auch Abgaben für soziale, kulturelle und sportliche Zwecke zahlen müssen. In der Folge können sie weitaus weniger Einnahmen wieder an Spieler ausschütten als private Konkurrenten.

          Anders als die Sportwetten der Lotteriegesellschaften wären auf Wetten von ODS nur Wettsteuern fällig, wie Schmidt ausführte. Angesichts dessen geht er davon aus, auf Augenhöhe mit privaten Konkurrenten zu sein, wenn er erst einmal am Markt ist. Mit sechs Lotteriegesellschaften hat er schon Vertriebsverträge geschlossen. ODS werde jedoch einige Jahre brauchen, um einen namhaften Marktanteil zu erreichen. Denn Oddset sei bisher im umsatzträchtigen Internet gar nicht präsent. „Da braucht man einen langen Atem, aber den haben wir.“

          Wie viel Umsatz auf dem Sportwettenmarkt tatsächlich gemacht wird, ist nach Schmidts Worten nur schwer zu fassen. Experten gehen von vier bis acht Milliarden Euro aus. Es gibt aber keine Meldepflicht für die Umsätze, wie Schmidt erläuterte, und so mancher Anbieter lege hierzulande keine Rechenschaft ab. Klar sei aber, dass es mehr als 200 Anbieter ohne Lizenz gebe, 70 Prozent von ihnen böten Wetten im Internet an.

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