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Deutscher Sportpresseball : Pause vom Abwahlkampf und geplatzte Smokingknöpfe

Legenden des Sports: Die Leichtathletik-Olympiasiegerinnen von 1972, Ulrike Nasse-Meyfarth (links), Renate Stecher und Heide Ecker-Rosendahl (rechts) Bild: Imago

Beim Sportpresseball ist Peter Feldmann nur am Rande Gesprächsthema. Stattdessen überrascht der Ministerpräsident in der Alten Oper mit einem Geständnis und andere hoffen auf „Kiefermuskelkater“.

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          Es lag an Ministerpräsident Boris Rhein (CDU), am Abend des Sportpresseballs das erstaunlichste Geständnis abzulegen. Ehe Rhein seinem Vorgänger Volker Bouffier den Pegasos, die Porzellan-Trophäe des Sportpresseballs, für dessen Verdienste um dem Sport überreichte, sprach er nicht nur über Bouffiers Leistungen als Basketballer und Förderer des Sports in seiner politischen Karriere. Er gab auch eigene Versäumnisse kund. Er fahre zwar gerne Rennrad und laufe jeden Morgen fünf Kilometer, um den Geist in Schwung zu bringen. Aber er müsse wohl noch eine Schippe drauflegen, weil man es leider nicht an seiner Statur sehe. Das habe er am Samstagnachmittag auch noch schmerzlich zu spüren bekommen. „Mir ist mein Smoking-Sakko-Knopf abgeplatzt und ich musste ihn noch selbst wieder annähen“, gestand er. „Ich muss noch etwas mehr Sport treiben.“

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zumindest ein wenig Bewegung an der frischen Luft verordnet sich Rhein derweil nach der Ballnacht am Sonntag. Dann will der Ministerpräsident persönlich als Frankfurter in den Straßen seiner Heimatstadt für den Gang zur Wahlurne und die Abwahl von Oberbürgermeister Peter Feldmann werben. „Heute Abend gilt es, die Sportler zu würdigen“, sagte Rhein. „Aber morgen werde ich noch mal Wahlkampf machen.“ Ähnlich will es auch sein Parteifreund Uwe Becker, Staatssekretär und Vorsitzender der Frankfurter CDU, halten. Auch er will am Sonntag um letzte Wähler kämpfen, während er beim Ball damit niemanden nerven wolle.

          „Es wird sicher in Gesprächen hier auch darum gehen, aber heute Abend ist Wahlkampfpause“, sagte Becker. Er zeigte sich aber, wie übrigens auch der Frankfurter Planungsdezernent und SPD-Chef Mike Josef, gleichfalls Ballgast, höchst zuversichtlich, dass die Abwahl gelingen und das Quorum von 30 Prozent der Wahlberechtigten, die gegen Feldmann stimmen müssen, erreicht werde. „Die Menschen haben erkannt, dass dieses Kapitel ein Ende haben muss und dass es Zeit ist, unserer Stadt wieder die Würde zurückzugeben.“

          Reisig geht nicht zur Abwahl

          Differenzierter äußerte sich aus der Frankfurter Gesellschaft derweil Bernd Reisig. „Auch wenn es immer wieder anders wiedergegeben wird: Ich habe mich nie für Feldmann ausgesprochen, aber ich spreche mich gegen den Umgang mit ihm aus“, sagte der frühere Musikmanager und Geschäftsführer des FSV Frankfurt. Für ihn gelte nach wie vor, dass Feldmann sein Amt aufgeben müsse, wenn er wegen der AWO-Verstrickungen verurteilt werde. Reisig betonte, dass er aufgrund seiner Haltung am Sonntag auch nicht zur Urne schreiten werde.

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          Deutscher Sportpresseball : Gute Stimmung in der Alten Oper

          Umso mehr wollte Reisig, der Anfang der Woche als Vertreter der Interessen der LGBTIQ-Community zur kleinen Delegation von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) gehörte und im WM-Gastgeberland Qatar das heikle Thema der Toleranz gegenüber sexuellen Orientierungen angesprochen hat, am Samstagabend den Sport feiern, der so wichtig sei für die Gesellschaft.

          Tombola-Erlös für Schwimmunterricht

          Darin war er sich wiederum einig mit Ministerpräsident Rhein, der von der „wichtigsten sozialen Ressource unserer Gesellschaft“ sprach und dem Sport jede erdenkliche Unterstützung zusagte. Diese Worte freilich werden derzeit nicht nur konterkariert von Vereinen in Finanznöten wegen der Folgen von Corona und der Energiekrise. Gewissermaßen legte der Sportpresseball selbst den Finger in die Wunde mit der Wahl des Profiteurs der Tombola. Die Erlöse in Höhe von 40.000 Euro gehen an die Franziska-van-Almsick-Stiftung, die sich für das Schwimmenlernen von Grundschulkinder einsetzt.

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