https://www.faz.net/-gzg-vcr8

Frankfurt-Marathon : „Hobbyläufer“ Baumann startet für guten Zweck

„Zeiten um die 2:20 Stunden kommen für mich nicht in Frage”, sagt Dieter Baumann, der als Tiefstapler gilt Bild: ddp

Er will es noch einmal wissen. Dieter Baumann, Olympiasieger von Barcelona 1992 über 5000 Meter, nimmt einen neuen Anlauf auf der langen Strecke. Ende Oktober geht er beim Marathon in Frankfurt an den Start. Auch für einen guten Zweck.

          Er will es noch einmal wissen. Dieter Baumann, Olympiasieger von Barcelona 1992 über 5000 Meter, nimmt einen neuen Anlauf auf der langen Strecke. 42 Jahre alt ist der Schwabe, 42,195 Kilometer will er beim Frankfurt Marathon hinter sich bringen. Nach seinem gescheiterten ersten Versuch über die klassische Langstreckendistanz, bei dem er 2002 in Hamburg nach 35 Kilometern entkräftet ausgestiegen war, will er nun in Frankfurt das Ziel erreichen. „Das ist ein Experiment, ein spannendes, reizvolles Projekt für mich, das schon seit längerem in meinem Kopf herumspukt“, sagte Baumann am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Frankfurt.

          Im Gegensatz zu seinem Start in Hamburg vor fünf Jahren plant Baumann offenbar am Main keinen Combackversuch. „Ich gehe als Hobbyläufer an den Start“, sagt er. Baumann geht es diesmal um Geld – freilich nicht das eigene. Seinen Start unter dem Hammering Man an der Messe am 28. Oktober hat er einem guten Zweck gewidmet. Für jede Minute, die der einstige Laufstar unter drei Stunden bleibt, spendieren Sponsoren 1000 Euro für einen guten Zweck. Baumann hofft auf mindestens 10.000 Euro, die dann zur einen Hälfte den Leichtathletik-Landesverbänden Hessen und Baden-Württemberg für die Talentförderung und zur anderen seinem Heimatverein LAV Tübingen zugute kämen. Dort soll das Geld beim Bau eines neuen Sportzentrums helfen.

          Mehr als 10.000 Euro an Spenden möglich

          In Frankfurt ist man darauf gefasst, dass Baumann eventuell viel mehr als nur 10.000 Euro erlaufen könnte. Der Schwabe sei schon so etwas wie ein „Tiefstapler“, sagte Mathias Kohls von der Firma Asics, die einen Teil des Baumannschen Kilometergeldes stiften wird. Doch Baumann wiegelt ab. „Nein“, sagt er, „Zeiten um die 2:20 Stunden kommen für mich nicht in Frage.“ Somit also auch nicht der Vorstoßversuch in die Riege der deutschen Spitzenläufer, den manche Beobachter der Szene in Baumanns zweitem Marathonstart vermuten. Sechmal pro Woche trainiert Baumann, kommt so auf rund 110 Kilometer in der Woche – das ist das Pensum eines ambitionierten Hobbyläufers, der die klassische Langstreckendistanz in weniger als drei Stunden hinter sich bringen will. Und weil Baumann gerne redet, will er „kommunikativ laufen“ – so, dass er immer die Luft und die Lust zu einem Schwätzchen mit seinen Konkurrenten verspüre.

          Seit seiner zweijährigen Dopingsperre 1999 und der sogenannten „Zahnpastaaffäre“ hat Baumann allerhand Neues angefangen. Er ist Strukturberater beim baden-württembergischen Leichtathletik-Verband, er arbeitet als Laufberater und trainiert im „Knascht“ (Originalton Baumann) mit jungen Strafgefangenen Langstreckenlauf. Irgendwo zwischen Lauf- und Lebenskünster sieht er sein aktuelles Dasein, im dem Sport weiter die größte Rolle spielt. Auch die aktuelle Dopingaffären hat Baumann, der schon mal als Referent bei Ethikseminaren über dieses Thema spricht, im Blick. „Ich verfolge natürlich die Diskussion um Doping“, sagt Baumann und weist gleich wieder auf seinen Fall hin, in dem er auch heute noch beteuert, nicht Täter, sondern Opfer gewesen zu sein. „Vor fünf, sechs Jahren, während meiner Zahnpastaaffäre haben alle gesagt, dass sie nicht glauben, dass der Sport so kriminell sein könnte. Heute sieht man, dass er sogar hochkriminell ist.“

          Verzicht auf Anti-Doping-Erklärungen

          Die Veranstalter des Frankfurt Marathon wollen indessen von ihren Spitzenathleten keine eidesstattliche Erkärung fordern, auf Doping zu verzichten, so wie dies jüngst beim Frankfurter Ironman-Triathlon verlangt wurde. Auch Baumann hält davon nichts. Sein Vergleich hinkt zwar ein wenig, bietet aber wieder die für Baumann typische Originalität: „Das wäre ja so ähnlich, als wenn Bundesfinanzminister Peer Steinbrück von jeden Steuerzahler eine zusätzliche Erklärung verlangen würde, dass er auf Steuerhinterziehung verzichtet.“

          Weitere Themen

          Gegen Interpretationen

          Kunst und Poesie : Gegen Interpretationen

          In den Rüsselsheimer Opelvillen wird vom 25. September an eine Doppelausstellung mit Konkreter Poesie und Konkreter Kunst gezeigt. Hier finden sich keine Schnörkel, dafür aber Abstraktion.

          Topmeldungen

          Zur Arbeit auf dem Pedelc – das schon die Umwelt und langfristig die Geldbörse.

          Klimapaket : Wie teuer wird es für mich?

          Das Klimapaket der Bundesregierung kostet manche Leute Geld, anderen bringt es eine Ersparnis. Wir haben einige Fälle durchgerechnet. In manchen Fällen können Pendler zum Beispiel sogar Geld sparen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Boris Johnsons Wahlkreis : „Der beste Premierminister seit Churchill“

          Boris Johnson gerät wegen der Suspendierung des Parlaments immer stärker unter Druck. Seine Anhänger wollen davon jedoch nichts wissen und stehen weiter hinter ihm. Doch wie lange noch? Beobachtungen aus dem Wahlkreis des Premierministers.
          Karl-Ludwig Kley steht dem Aufsichtsrat von Eon und der Deutschen Lufthansa vor und führte zwölf Jahre lang den Chemiekonzern Merck.

          Energiewirtschaft : „AfD und Linke sind nicht wählbar“

          Deutschlands mächtigster Aufsichtsrat teilt aus: Karl-Ludwig Kley spricht über den Moralüberschuss in der politischen Debatte, gierige Manager, das Chaos mit der Energiewende – und seine schwachen Leistungen als Schüler.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.