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Fußball-Bundesliga : Warum ein Endspurt der Eintracht diesmal liegen müsste

  • -Aktualisiert am

Tänzchen: Kostic, de Guzman und Willems bei bundesligagerechten Leibesübungen Bild: Jan Huebner

Die Statistik zeigt: Keine Mannschaft in der Bundesliga zieht so viele Sprints an wie die Frankfurter Eintracht. Und nur ein Spitzenteam benötigt weniger Versuche für einen Volltreffer.

          Endspurt! Ein Wort, das Eintracht-Fans zu fürchten gelernt haben in den vergangenen beiden Spielzeiten. Nach der Länderspielpause biegen die Frankfurter Bundesligaprofis nun am nächsten Sonntag mit dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (18 Uhr) wieder auf die Zielgerade ein. Vor der ersten der letzten acht Begegnungen in der Meisterschaft besteht allerdings kein Anlass zur Sorge, dass wie in den vergangenen beiden Jahren das Benzin ausgehen könnte. 2017 holte die Eintracht aus den letzten acht Auseinandersetzungen gerade mal fünf Punkte und fiel von Platz sieben auf Rang elf zurück – nach dem 19. Spieltag hatte Platz drei noch für ganz andere Träume gesorgt. 2018 wiederholte sich die Geschichte – es sprangen gerade mal noch sieben Punkte heraus, was den Abstieg von Platz fünf auf Rang acht nach sich zog.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Damals hatte sich das Stottern vor dem Ziel allerdings durch eine abknickende Formkurve abgezeichnet. 2019 aber erlebte die Eintracht im März ihre bisher stärkste Phase in dieser Saison. Drei Bundesligasiege schraubten die Rückrundenbilanz auf 19 Punkte, nur die Bayern spielten in diesem Jahr erfolgreicher – sie sammelten 24 Zähler. Dadurch verkürzten die Frankfurter den Rückstand zum Tabellenvierten Borussia Mönchengladbach auf einen Punkt. Der Traum von der Champions League wird langsam realistischer – die ersten vier Plätze berechtigen zur Teilnahme.

          Das Rauschhafte der Vorrunde

          Ein Blick auf das Restprogramm nährt zusätzlich die Hoffnung der Frankfurter Fans. Mönchengladbach empfängt mit Bremen, Hoffenheim, Leipzig und Dortmund vier spielstarke Gegner zu ihren Heimspielen und muss nach Düsseldorf, Hannover, Stuttgart und Nürnberg reisen. Die Eintracht spielt zu Hause gegen Stuttgart, Augsburg, Berlin und Mainz und fährt nach Schalke, Wolfsburg, Leverkusen sowie zu den Bayern. Und ein genauerer Blick auf die Rückrundenspiele und die Statistik zeigt, wie gefestigt die Eintracht mittlerweile geworden ist. Das Rauschhafte der Vorrunde, das in einem 7:1 über Düsseldorf gipfelte, ist nun einer Solidität gewichen. Das drückt allein die Tordifferenz von 17:7 aus. Nach Leipzig (3) bildet die in 2019 noch unbesiegte Eintracht aktuell die beste Verteidigungslinie der Bundesliga.

          Die Verpflichtungen von Sebastian Rode (Borussia Dortmund) und Martin Hinteregger (FC Augsburg) auf Leihbasis in der Winterpause haben sich als Volltreffer erwiesen. Rode wirkt im defensiven Mittelfeld, Hinteregger auf jeder Position der Dreier-Abwehrkette als stabilisierendes Element. Die Zweikampfstatistik bestätigt die Frankfurter Verteidigungsbereitschaft. 2885 Zweikämpfe hat die Eintracht in dieser Saison gewonnen, nach Leipzig (3058) und vor Augsburg (2746) die meisten. Bei den gewonnenen Kopfballduellen ist die Eintracht mit 728 sogar Spitze in Deutschlands Eliteliga vor Leipzig (724) und Augsburg (641). In ihrer Wehrhaftigkeit geht die Mannschaft von Trainer Hütter dabei gar nicht besonders unfair vor. 297 Fouls bilden einen Mittelwert (Rang zehn mit Mainz) in der Liga. Die bösen Buben kommen in dieser Saison bislang aus Hoffenheim (353) und Augsburg (349).

          Beste Torchancen verschludert

          In der Offensive trifft die Büffelherde Jovic, Haller und Rebic zwar immer noch zuverlässig, aber nicht mehr so spektakulär wie im Herbst 2018. Die Eintracht ist dafür nun schwerer auszurechnen, da mit Goncalo Pacienca ein vierter Stürmer Anschluss an die Stammformation gefunden hat. Die Tore der Rückrunde verteilen sich auf Haller (5), Rebic (3), Jovic (3), Kostic (2), Pacienca (2), da Costa und Hinteregger. Ein Geheimnis des Frankfurter Erfolges nach der Abwehrstärke ist die Treffsicherheit der Schützen.

          Wer die letzten Spiele gegen Nürnberg oder in der Europa League gegen Inter Mailand im Kopf hat, in denen die Eintracht beste Torchancen fast im Dutzend verschluderte, mag das überraschen: Aber über die Saison zeichnet die Frankfurter eine hervorragende Trefferquote aus. Mit 321 Schüssen auf das gegnerische Tor liegen die Hessen nur auf Rang zwölf der offiziellen DFL-Statistik. 51 Tore bilden allerdings den drittbesten Wert. Die Eintracht benötigt nur 6,3 Schüsse für einen Volltreffer. In dieser Bilanz sind nur die Dortmunder besser (5,61). Die Bayern hingegen benötigen 6,75 Torschüsse für einen Torerfolg.

          Wie die Eintracht ihre Treffer erzielt und ihre Spiele gewinnt, wird ebenfalls in der Statistik deutlich – und die Zahlen bestätigen den Eindruck, der auf den Tribünen herrscht. Die Eintracht rennt ihre Gegner nieder! Allerdings nicht im Dauerlauf: 3010 Kilometer legten alle Spieler in allen Begegnungen zurück. Damit wird die Eintracht zwar nur auf Rang 14 der Liste geführt, aber dafür macht den Frankfurtern in der Anzahl der Sprints niemand etwas vor. 6529 Sprints sind von keiner anderen Mannschaft auch nur annähernd erreicht worden. Wolfsburg (6226) und Dortmund (6120) kommen der Eintracht noch am nächsten. Zum Vergleich: Schlusslicht Mönchengladbach beließ es bei 4955 Sprints. Bei den intensiven Läufen liegt die Eintracht knapp hinter Wolfsburg auf Platz zwei.

          Was aber fehlt der Eintracht noch zur absoluten Spitzenmannschaft in der Bundesliga? Das Spielerische! Die Passquote von 77 Prozent ist schlecht genug für den mit Augsburg geteilten letzten Platz. Die Bayern (89 Prozent), Dortmund (88), Leverkusen (86) und Gladbach (86) liegen in dieser Kategorie oben. Bis jetzt vermochte die Eintracht diesen Malus jedoch hervorragend zu kompensieren. Wenn die Wucht der Stürmer Jovic, Haller und Rebic, die Lauffreude der Mittelfeldspieler da Costa, Kostic, Fernandez, Rode und Gacinovic, die Wehrhaftigkeit der Verteidiger Hasebe, Hinteregger und Ndicka und die Klasse von Torwart Trapp auch beim Saison-Endspurt anhält, dann wird die Eintracht auch ohne einen Zauberer im Mittelfeld in einen europäischen Wettbewerb einziehen.

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