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Triathlon : Leder plädiert für Athletenvereinigung

Die Richtung stimmt, der Kampf gegen Doping hat zu ersten Ergebnissen geführt. "Ich bin froh, daß schnell gehandelt worden ist. Das ist ein wichtiges Signal für die Glaubwürdigkeit", sagt Thomas Hellriegel, Hawaii-Sieger von 1997.

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          Die Richtung stimmt, der Kampf gegen Doping hat zu ersten Ergebnissen geführt. "Ich bin froh, daß schnell gehandelt worden ist. Das ist ein wichtiges Signal für die Glaubwürdigkeit", sagte Thomas Hellriegel, einer der Teilnehmer des Runden Tisches, zu dem die Deutsche Triathlon-Union (DTU) am Mittwoch wegen des Dopinggeständnisses von Nina Kraft geladen hatte (siehe auch Sport, Seite 33).

          Für die Athleten, auch für Thomas Hellriegel, den ersten deutschen Hawaii-Sieger von 1997, wird sich vom kommenden Neujahrstag an vieles ändern. Daß sich dann Kurz- und Langstreckenathleten gemeinsam eine Profilizenz kaufen und an den Kosten für Dopingkontrollen beteiligen müssen, ist die eine Seite. Die andere, von DTU-Präsident Klaus Müller-Ott erwähnt, wird die Athleten in ihrer Freizügigkeit beschneiden. "Früher hatte man die Nachweispflicht, innerhalb von 72 Stunden seinen Aufenthaltsort bekanntzugeben. Das fahren wir am 1. Januar runter auf 24 Stunden." Doch damit nicht genug. Daß der Verband derzeit von Juristen prüfen läßt, ob man von bereits absolvierten Wettkämpfen rückwirkend Dopingkontrollen vornehmen kann, stieß beim Runden Tisch auf große Zustimmung. Sogar einer, der am Mittwoch im Schulungsraum "Schwalmstadt" in der Landessportschule in der Otto-Fleck-Schneise nicht mitdiskutierte, ließ es aus der bayerischen Heimat nicht an klaren Tönen missen. Stefan Holzner, zweimaliger Sieger des Opel Ironman Germany, besteht geradezu darauf, daß die an ihm vorgenommenen Dopingprobe vom 11. Juli dieses Jahres auf Erythropoietin (Epo) untersucht werden.

          Es waren viele Freunde des Triathlonsports, die bei ihrem ersten Zusammentreffen in Frankfurt nach sauberen Wegen gesucht haben. Die DTU-Verbandsspitze, vertreten durch Präsident Klaus Müller-Ott, Vizepräsident Martin Bentele, Geschäftsführer Jörg Barion und Kurzstreckenathlet Arnd Schomburg aus der Anti-Doping-Komission, sah sich einer exzellenten Athletenschar gegenüber. Denn neben Hellriegel war es vor allem Jürgen Zäck, um dessen Anwesenheit Kurt Denk besonders gebeten hatte. Zäck gilt seit Jahren schon als kritischer Querdenker, doch nach der gut dreistündigen Gesprächsrunde mußte auch Opel Ironman-Veranstalter Denk eingestehen, "daß es selten eine solche Einigkeit zwischen Roth und Frankfurt gegeben hat".

          Daß alle - Verband, Veranstalter und Athleten - in einem Boot sitzen, das schnell vom Ballast des Dopings befreit werden soll, ist in Frankfurt mehr als deutlich geworden. "Es mußte doch etwas passieren", sagte beispielsweise der Profi Lothar Leder. Auch der schon zwölfmal in Hawaii gestartete Darmstädter zeigte sich "erfreut, daß wir zu einer Lösung gekommen sind. Doch wir dürfen uns nicht ausruhen. Die Arbeit geht weiter".

          Schon am kommenden Dienstag, dann in kleinerem Kreis mit den Athletenvertretern Hellriegel und Unger, soll weiter an der Dopingproblematik gearbeitet werden. Und es ist nicht nur der Wunsch des Triathlon-Ehepaares Nicole und Lothar Leder, die Profis von der Ironman-Distanz noch stärker in die Anti-Doping-Arbeit mit einzubinden. Auch Zäck, Hellriegel, Holzner und der aktuelle Hawaii-Champion Normann Stadler, der wegen eines New York-Aufenthaltes passen hat passen müssen, wünschen sich weitere Strukturen. "Wir könnten es vielleicht wie die Zehnkämpfer machen, die sich einst unter Siggi Wentz und Christian Schenk zu einem Team zusammengeschlossen hatten." Eine Athletenvereinigung der Langstreckenspezialisten unter dem Dach der DTU? Seit Mittwoch ist dies kein bloßes Wunschdenken mehr.

          Mehr Geld, mehr Kontrollen, mehr Transparenz: Für DTU-Vizepräsident Martin Bentele steht außer Frage, "daß wir alles tun werden, um unsere Bedingungen international zu einem Standard werden zu lassen". Auf der großen Bühne wird man sehen, wie die am Mittwoch in Frankfurt gefaßten Beschlüsse aufgenommen werden. Eine DTU-Delegation wird sich am 4. Dezember auf den Weg nach Vancouver machen, um erstens weiter gegen Doping und zweitens für Hamburg zu kämpfen. In der Heimatstadt des amtierenden ITU-Präsidenten Les McDonald, der zur Wiederwahl steht und mit Sarah Springman erstmals eine Gegenkandidatin hat, wird der Weltmeisterschaftsort auf der olympischen Kurzstrecke für 2007 gewählt.

          Frankfurt, Schauplatz des nach Hawaii wichtigsten Ironmanrennens der Welt, braucht nicht gewählt zu werden. Renndirektor Kai Walter, dessen Rat gleichfalls am Runden Tisch gefragt war, plädiert in Übereinstimmung mit Organisationschef Denk für "null Toleranz". Denk sieht sich zwar vor einen "harten Spagat" gestellt, doch seine Hoffnung überwiegt, zukünftig "saubere" Athleten am Start zu haben. Falls sich die Juristen schnell einig werden: Auf das rückwirkende Ergbnis der Dopingproben vom Ironman Germany darf man besonders gespannt sein.

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