https://www.faz.net/-gzg-9qx3q

Wimbledon in Bad Homburg? : Aufschlag haben jetzt die Stadtverordneten

Goldene Zeiten: der Platz des Bad Homburger Tennisclubs mit Blick auf die Thai Sala Bild: Cornelia Sick

Der oberste Rasenhüter war schon da: Die Verträge für ein Tennisturnier im Kurpark Bad Homburgs sind nun unterschriftsreif. Der städtische Haushalt soll dadurch nicht belastet werden, betont der Oberbürgermeister.

          Die Chancen, dass im Frühsommer nächsten Jahres die besten Tennisspielerinnen der Welt nach Bad Homburg kommen, stehen gut. Wenn am Montag, den 9. September, der Magistrat und am nächsten Donnerstag, den 12. September, die Stadtverordneten zustimmten, könnten am Tag darauf die Verträge für ein Turnier der Profi-Damentennisorganisation WTA unterschrieben werden, sagte der Bad Homburger Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU). Beim Lizenznehmer und Wimbledon-Ausrichter All England Lawn Tennis and Croquet Club (AELTC) gebe es großes Interesse an einem Vorbereitungsturnier für Wimbledon in Bad Homburg. Es würde eine Woche vor Beginn des Turniers in London vom 20. bis 27. Juni im Kurpark stattfinden. Die Vereinbarung reicht zunächst bis einschließlich 2024.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Nach Worten des Oberbürgermeisters würde der AELTC den größten Teil der Kosten von 1,375 Millionen Euro tragen. Dazu gehört der Bau von insgesamt sechs Rasen-Tennisplätzen: Der mittlere Sandplatz des Tennisclubs Bad Homburg soll für fünf Jahre zum Center-Court mit temporärer Tribüne werden. Wo genau die beiden weiteren Turnierplätze liegen werden, stehe noch nicht abschließend fest, sagte Hetjes. Gegen die Rasenfläche vor der Thai Sala habe der Denkmalschutz Bedenken. Die Alternative zwischen Kisseleffstraße und Kaiser-Wilhelms-Bad sei wegen des Gewässerschutzes schwierig. An ganz anderer Stelle, bei der Bad Homburger Turngemeinde am Niederstedter Weg, sollten drei Rasenplätze für das Training der Weltklassespielerinnen entstehen.

          Der städtische Anteil von 475.000 Euro reduziert sich durch einen Zuschuss der Sportförderung des Landes Hessen auf 175.000 Euro. „Das decken wir über Mehrerträge der Spielbank in diesem Jahr, so dass der städtische Haushalt nicht belastet wird“, sagte der Oberbürgermeister. Allerdings entstehen weitere Kosten, um dem Tennisclub Bad Homburg entgegenzukommen.

          „Technisch ist alles machbar“

          Der Vorsitzende Uwe Eyles sprach zwar von einer tollen Gelegenheit, für den Traditionsclub und die Stadt zu werben. Die Spiel- und Trainingsmöglichkeiten der 30 Mannschaften würden allerdings durch das Turnier und den für eigene Wettbewerbe nicht nutzbaren Rasenplatz eingeschränkt. Die Stadt verpflichtet sich daher zum Bau zweier Sandplätze in fußläufiger Entfernung, die durch eine Traglufthalle auch im Winter nutzbar sein sollen. Nachdem der Standort auf dem Kasino-Parkhaus direkt vor einem Altenwohnheim nicht mehr weiterverfolgt wird, sollen sie jetzt auf dem gemeinsamen Parkplatz von Kur Royal Aktiv und Tennisclub an der Kreuzung von Paul-Ehrlich-Weg und Kisseleffstraße entstehen.

          Tennis würde auf dem Dach eines in den Boden versenkten Parkdecks gespielt. „Technisch ist alles machbar“, sagte Hetjes. Allerdings gelte hier der Heilquellenschutz. Turnierbotschafterin für Bad Homburg soll die deutsche Top-Spielerin Angelique Kerber sein, deren Management zusammen mit der Schweizer Sportagentur Perfect Match und dem Wimbledon-Tennisclub Veranstalter des Turniers ist. Für Bad Homburg sieht der Oberbürgermeister große Chancen durch die internationale Vermarktung. „Das Turnier wird in 120 Länder übertragen.“ Angesichts der Höhe des Eigenanteils sprach er von einem „Geschenk.“

          Das Risiko hingegen bleibe für die Stadt überschaubar. Die Aufträge für den Bau der Plätze vergebe der Verein für Rasentennis- und Croquet für ganz England, wie der Name des AELTC übersetzt heißt. Damit befasst sei ein deutsches Spezialunternehmen, das Bodenproben genommen habe. Aber auch der oberste Rasenhüter von Wimbledon, der Head Groundsman, habe sich die Verhältnisse im Kurpark schon angesehen. In den drei Wochen vor Wimbledon finden jeweils zwei Vorbereitungsturniere statt. Zunächst in Nottingham und ’s-Hertogenbosch, dann in Birmingham und Berlin und schließlich in Eastbourne und Bad Homburg, sollte das Votum der Stadtverordneten positiv ausfallen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

           Ein Flugzeug von Thomas Cook steht auf dem Rollfeld des Flughafens von Manchester.

          Sanierung gescheitert : Thomas Cook ist pleite

          In der Nacht wurde das Aus besiegelt: Der älteste Reisekonzern der Welt steht vor der Zwangsliquidation. Das betrifft auch Zehntausende deutscher Urlauber, die bei Neckermann und anderen Marken gebucht haben.

          TV-Kritik: Anne Will : Welche Zukunft hätten Sie gern?

          Wer Klimaschutzpolitik als Kampf zwischen den Generationen etikettieren will, ist schief gewickelt. Die Zahl besorgter Eltern und Großeltern, die vergangenen Freitag an der Seite von Kindern und Enkeln auf die Straße gingen, war beachtlich. Der ganzen Debatte fehlt es an Optimismus.
           Unsere Sprinter-Autorin: Julia Anton

          F.A.Z.-Sprinter : Wenn einer eine Reise tut ...

          ... dann kann er was erzählen. Angela Merkel muss beim Klima-Gipfel in New York allerdings zunächst die Reisen ihrer Minister erklären, während andere Reisende Angst um ihren Urlaub haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.