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Tennis : Für Andrea Petkovic ist vieles möglich

Überraschend schnell hat sich Tennistalent Andrea Petkovic im Damentennis etabliert. De 16 Jahre alte Darmstädterin gewann im vergangenen Monat zwei 10000-Dollar-Turniere. Jetzt plant sie die nächste Stufe auf dem Weg nach oben.

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          Ein Problem ist die Reiseplanung. Nicht, daß Andrea Petkovic Schwierigkeiten hätte, sich mit ihren sechzehn Jahren irgendwo in der Welt allein zurechtzufinden, als Problem hat sich aber bei den beiden letzten Tennisturnieren in der Türkei und in Serbien die Buchung der Rückflüge herausgestellt. Beim 10000-Dollar-Turnier in Antalya war die Tante mitgeflogen, und die Rückreise war schon am Tag nach der Qualifikation geplant. "Wir dachten nicht, daß ich weiterkomme", sagt Andrea Petkovic. Doch dann mußte die Tante allein zurückfliegen, Andrea Petkovic selbst verlängerte ihren Aufenthalt nach zwei Erfolgen in der Qualifikation bis zum letzten Turniertag, den sie mit dem Sieg im Finale abschloß. Vor dem nächsten 10000-Dollar-Turnier in Podgorica war die Reiseplanung schon ein wenig offensiver, den Rückflug buchte die Darmstädterin für den Morgen des Finaltages, aber auch das erwies sich als zu früh. Wieder gewann Andrea Petkovic Spiel um Spiel. Als das Flugzeug abhob, stand sie im Finale, das sie 6:1, 6:3 gegen die Serbin Daniela Krstajic gewann.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Schon nach dem ersten Turniersieg bei den Damen hatten Vater und Tochter Petkovic beschlossen, daß Andrea fortan keine Juniorinnenturniere mehr spielen würde. Sie hatte überraschend schnell bewiesen, daß sie bei den Damen mithalten kann, "da bringen Jugendturniere nichts mehr". Eine Ausnahme: Weil Andrea Petkovic in der Weltrangliste auf einer Position um 560 angekommen ist, fehlen ihr nur noch sechzig Plätze, um automatisch für Junioren-Grand-Slam-Turniere qualifiziert zu sein. Und die US Open im September, die würde sie gern noch einmal spielen.

          Ansonsten aber geht es im jetzigen Stadium ihrer Tenniskarriere um Punkte für die Damen-Weltrangliste. Der Sieg in der Türkei reichte, um fortan bei 10000er-Turnieren einen Platz im Hauptfeld sicher zu haben, nach dem Erfolg in Serbien ist die nächste Stufe in Sichtweite: die Qualifikation für 25000-Dollar-Turniere. Und dabei können Verbände und Veranstalter ein wenig Anschubhilfe leisten. Andrea Petkovic hat in den kommenden beiden Wochen gleich zwei Chancen, sich mit Spielerinnen zu messen, die in der Rangliste noch weit vor ihr stehen. Sowohl für das 25000-Dollar-Turnier in der kommenden Woche in Stuttgart als auch für die ebenso hoch dotierte Veranstaltung in Darmstadt-Bessungen vom 4.bis 11. Juli hat sie eine Wildcard erhalten.

          Bessungen wird ihr fünftes Damenturnier in diesem Jahr sein, und die weitere Planung will genau durchdacht sein. Wo in Europa kommt sie mit ihrer jeweils aktuellen Weltranglistenplazierung in welches Feld? Wo lassen sich die meisten Punkte sammeln? Das ist eine kleine Wissenschaft, und sie wird kompliziert durch eine Vorgabe des internationalen Tennis-Verbandes, die Sechzehnjährigen pro Saison nur die Teilnahme an bis zu zehn Damenturnieren erlaubt. Die wird die Darmstädterin bis September hinter sich gebracht haben. Dann wird Bilanz gezogen. Die Familie wird sich zusammensetzen und darüber reden, ob es Sinn macht, sich auf eine Profikarriere zu konzentrieren. "Wir werden schauen, wie die Weltranglistenposition ist, und was ich erreichen könnte." Das grundsätzliche Ziel der mehrmaligen deutschen Jugendmeisterin ist hoch gesteckt. Eine Position um die hundert ist letztlich uninteressant, Ziel ist der engere Kreis in der Weltspitze, sollte sich das nicht als realistisch erweisen, kann die Darmstädterin auch auf andere bemerkenswerte Talente vertrauen: sie ist eine herausragende Schülerin, hat im vergangenen Jahr die zehnte Klasse übersprungen und könnte auch auf eine akademische Karriere setzen. Eine erste Entscheidung wird im Herbst getroffen, und sollte sie für das Profitennis ausfallen, so wird die Schule zwangsläufig in den Hintergrund treten müssen. "Das Abitur werde ich aber auf jeden Fall machen", sagt Andrea Petkovic. Ihre Eltern sähen sie gern weiter auf dem Georg-Büchner-Gymnasium in Darmstadt, doch es gibt auch andere Möglichkeiten: eine Sportschule, eine Art Fernabitur, ein von Adidas finanziertes Trainingscamp in den Vereinigten Staaten - noch ist alles offen.

          Bislang investiert die Familie in die Tenniskarriere ihrer Tochter. Vater Zoran Petkovic, ein ehemaliger jugoslawischer Davis-Cup-Spieler, gibt beim TEC Darmstadt ein paar Trainerstunden mehr als früher, bezahlt die meisten Flüge und Reisen, doch sollte es vom Winter an wirklich ernst werden mit dem internationalen Turniertennis für seine Tochter, müßte er einen Sponsor finden.

          Zunächst einmal aber stehen die beiden gut dotierten Turniere in Stuttgart und Bessungen an. Andrea Petkovic geht wieder als Außenseiterin in die Spiele, weiß aber, daß vieles möglich ist. Seit vergangenem Jahr, das für sie wegen einer Schulterverletzung ein verlorenes war, hat sie einiges dazugelernt. "Ich bin ruhiger geworden", sagt sie. "Geduldiger, ich muß nicht mehr mit dem ersten Schlag gewinnen." Ihr Powertennis ist kontrollierter geworden, sie ist durch ein gezieltes Fitneßtraining im Winter körperlich und konditionell stärker geworden. Und der einst übergroße Ehrgeiz ist auch ein wenig gezähmt. "Nach der langen Verletzungspause bin ich froh, überhaupt wieder spielen zu können. Ich sehe die Frage nicht mehr so tragisch, ob ich gewinne oder verliere." Wobei die letzte Niederlage allerdings auch schon ziemlich lange zurückliegt.

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