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Snowboarden : Über alle Berge suchen die Hessen ihre Meister

Es herrschte Abschiedsstimmung im noblen Laax. Am letzten Sonntag im April ging die Wintersaison in Graubünden offiziell zu Ende, und die hessischen Snowboarder hatten bei ihren Meisterschaften die Szene fest im Griff.

          Es herrschte Abschiedsstimmung im noblen, aber schon halb verlassenen Laax. Am letzten Sonntag im April ging die Wintersaison in Graubünden offiziell zu Ende, und da konnte selbst Wunderbares passieren, nämlich daß man im berühmten "Cafe Noname" auf dem Crap Sogn Gion, direkt oberhalb der Halfpipe, zwei Milchkaffees zum Preis von einem bekam und selbst das Bier zu einigermaßen erschwinglichen Preisen über die Theke ging. Der Preisverfall auf dem Berg kam den letzten Saisongästen gerade recht. Ein paar amerikanische Snowboardprofis feierten mit Schweizer Freunden Abschied - bye bis zu den Sommercamps -, ansonsten beherrschte der ferne Stamm der Hessen die Laaxer Szene. Am Sonntag mittag hatten sie das "Noname" strategisch eingenommen, unten auf der Holzterrasse stand das Snowboard-Volk, oben auf dem Dach Tobias Dilsch vom SC Taunus, seit Jahren die treibende Kraft im hessischen Snowboard-Sport.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Dilsch verlas lange Ergebnislisten und ehrte Teilnehmer und Sieger der hessischen Snowboard-Meisterschaften, die am Samstag und Sonntag am Crap Sogn Gion über die Bühne gingen. Drei Disziplinen standen auf dem Programm, Slalom, Riesenslalom und Jump, rund 150 Starter waren angetreten, eine erstaunliche Zahl, wenn man bedenkt, daß Laax - vom Taunus aus gesehen - nicht gerade um die Ecke liegt. Das Niveau war beachtlich; mit dem Junior Benjamin Kleineberg und der Estin Katta Phila (beide SC Taunus) waren zwei Europacup-Fahrer am Start, die angesichts der starken Konkurrenz aber beide nicht gewinnen konnten. Katta Phila, die Vierte der internationalen deutschen Boardercross-Meisterschaften, kam im Riesenslalom hinter Uschi Lindemann (TSV Ginsheim) auf Rang zwei, und Benjamin Kleineberg holte sich zwar überlegen die Juniorentitel, mußte in der Gesamtwertung aber Peter Weidert von der SKG Hanau den ersten Platz überlassen. Und so richtig feiern konnte er abends im kultigen Riders Palace mit seinem 24-Stunden-Barbetrieb auch nicht, dafür stand für ihn am Montag ein zu wichtiger Termin, dann wieder zu Hause in Hessen, auf dem Programm: die Abiturprüfung in Deutsch, Thema "Die Rolle der Frau in der Literaturgeschichte".

          Andere hatten andere Probleme. Die jüngste Teilnehmerin etwa, die sieben Jahre alte Patricia Dieter vom SC Bergstraße, die am Samstag den Slalom ausgelassen hatte ("Kann ich nicht, ist mir zu schwer"), sich aber am Sonntag mit der Startnummer eins auf den Riesenslalomkurs wagte und ihn bravourös meisterte, nachdem sie mit einiger Verspätung am Start erschienen war ("Bin zweimal aus dem Lift gefallen). Überhaupt war der Riesenslalom der Renner, mehr als siebzig Starter wagten sich auf die Piste. Beim Jump-Contest lichtete sich das Feld hingegen deutlich, als man jene für die Hessen reservierten Schanzen im Laaxer Funpark besichtigt hatte. Schon die kleinste der drei Rampen bestand in etwa aus so viel Schnee, wie in einem ganzen Jahr im Taunus fällt, und die größte hatte man vorsorglich und aus Eigenschutz schon einmal für alle gesperrt. 17 Fahrer und Fahrerinnen wagten sich schließlich zu je drei Durchgängen über die Schanzen, wobei der dreizehnjährige Niklas Eder (SC Taunus) mit der fünfthöchsten Note aller Teilnehmer den zweiten seiner am Ende drei hessischen Schülertitel gewann.

          Ob die hessischen Snowboarder im kommenden Jahr wieder über alle Berge fahren, um ihre Meister zu suchen, ist eher unwahrscheinlich. Der Ausflug in die große, weite Winterwelt könnte einmalig bleiben, denn mittlerweile haben die Hessen auch daheim im Odenwald einen Hang und einen mit Schneekanonen ausgerüsteten Liftbetreiber, der von Dezember bis Februar, wenn irgend möglich, für gute Bedingungen sorgt. So könnte es im nächsten Jahr heißen: Beerfelden statt Laax. Zumindest für die Barbetriebe in Graubünden wäre dies ein herber Verlust.

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