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SC 1880 gewinnt Rugbyfinale : Krönung auf höchstem Niveau

  • -Aktualisiert am

Der Mix macht’s: Die meisterlichen Frankfurter Rugbyspieler zeigen voller Stolz den Pokal. Bild: Jan Huebner

Am Ende der Frankfurter Festwochen im Rugby sichern sich die Männer des SC 1880 den Meistertitel gegen Handschuhsheim. Es war ein Kräftemessen der Stärksten.

          Die Frankfurter Rugbyspieler von der Bank stürmten vor Begeisterung laut schreiend auf den Platz. Ihre aktiven Mannschaftskollegen auf dem Feld hingegen sanken teilweise wie vom Blitz getroffen zu Boden, als das umkämpfte Meisterschaftsfinale gegen den TSV Handschuhsheim beim Stand von 22:12 für den SC 1880 erfolgreich beendet war. „Kaputt und ausgepowert“ habe er sich in diesem Moment gefühlt, sagte der Frankfurter Nationalspieler Michael Poppmeier. „Ich wiege 120 Kilo. Aber jetzt kam es mir vor, als wären es nur noch 20.“ Die Kraftprotze aus Frankfurt mussten kürzlich vor rund 3000 Zuschauern einen besonderen Kraftakt bewältigen, um auch im finalen Saisonspiel ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden. Nach einer 22:0-Pausenführung startete der Heidelberger Stadtteilklub, der von mehreren hundert Anhängern, die in vier Bussen anreisten, unterstützt wurde, eine Aufholjagd.

          Frankfurt wankte, aber der neue Titelträger fiel nicht. „Das Spiel stand ein bisschen auf der Kippe, es war ein richtig gutes Finale“, sagte Poppmeier, der ein erfahrener Turm in der Schlacht ist. „Wir hatten jedoch den absoluten Willen, zu gewinnen und füreinander zu kämpfen.“ Für den Vizepräsidenten und großen Frankfurter Rugbyförderer Uli Byszio gab der „gute Mannschafts-Mix aus Abgeklärtheit und jugendlichem Wahnsinn, aus alten Spielern und jungen Wilden“ den Ausschlag. Hassan Rayan, der Kapitän der „Achtziger“, war glücklich, „die Kirsche obendrauf gesetzt“ zu haben. Nach zehn Jahren – der letzte Titelgewinn datierte aus dem Jahr 2009 – wurden die Frankfurter nun zum insgesamt siebten Mal deutscher Meister. Damit dominiert der SC 1880 aktuell das deutsche Rugby auf ganzer Linie, denn auch in den Altersklassen U 12, 14, 16 und 18 stehen die Hessen stolz an der Spitze. Auf den Jugend-Grand Slam folgte die ultimative Krönung auf höchstem Niveau.

          Angesichts der Frankfurter Festwochen im Rugby sind die „Achtziger“ ein würdiger Nachfolger des Heidelberger RK, der als Abonnementmeister in den vergangenen neun Jahren achtmal den Titel holte. Jetzt haben die in der Spitze und Breite bestens aufgestellten Frankfurter das Zeug dazu, aus eigener Kraft eine neue Ära im deutschen Rugby zu prägen. „Das könnte langfristig unser Ziel sein“, sagte Poppmeier. Beim Titelgewinn 2009 waren die vereinseigenen Talente noch deutlich in der Minderheit. Heute indes ist der Nachwuchs des Klubs immer mehr im Kommen. Jahr für Jahr drängen begabte Spieler nach oben. Angeleitet werden sie von Trainern, die einst auch Führungskräfte auf dem Platz in der Bundesliga waren.

          „Basis für das deutsche Rugby“

          Nun ging die spannendste Erstliga-Saison seit vielen Jahren zu Ende. Mit Frankfurt und Handschuhsheim aus der Rugby-Hochburg Heidelberg standen sich die beiden besten Mannschaften gegenüber. Auch in der Hauptrunde hatte der Favorit zweimal gewonnen: 13:10 zu Hause und 42:26 auswärts. „Diese beiden Siege könnten von psychologischem Vorteil sein“, hatte der Frankfurter Trainer Byron Schmidt vor dem finalen Aufeinandertreffen gesagt. Aller guten Dinge sind drei - das Endspiel war dann die härteste Probe für die Hessen.

          „Das war knapp. Wir hatten die letzte Kraft, dagegenzuhalten und durchzuhalten“, sagte der Hakler Marcel Becker. Die „kleinen Sachen“ hätten schließlich den Unterschied gemacht – „die Option bei den Gassen und das Spiel des Kick-Spezialisten Raynor Parkinson“. Es war ein Kräftemessen der Stärksten mit im Grundsatz zwei sehr unterschiedlichen Konzepten. Frankfurt bevorzugte in dieser Saison ein kontrolliertes und taktisch diszipliniertes Spiel mit Parkinson als Präzisons-Kicker. Im Gegensatz dazu verfolgten die Handschuhsheimer mit ihrer individuell stark besetzten Hintermannschaft einen kreativeren Ansatz. Im Finale hätten sie jedoch versucht, „unser Spiel auf ihr eigenes zu übertragen“, sagte Becker.

          In der Geschichte des deutschen Rugby-Sports ist Frankfurt in diesem Jahr der 98. Titelträger. Der Gewinn der Meisterschaft sei „unglaublich“, sagte Schmidt. Frankfurt tauge jetzt „als Basis für das deutsche Rugby“. Nach der Titelflut in dieser Saison feierten die Frankfurter in großer Geschlossenheit mit Alt und Jung ein riesiges Rugby-Fest.

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