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Saskia Bartusiak im Interview : „Ich will es so – und es fühlt sich super an“

  • -Aktualisiert am

Die Stadt zu Füßen: Saskia Bartusiak mit Gold und Himmelblau. Bild: Jan Huebner

Saskia Bartusiak ist dieses Jahr Olympiasiegerin geworden. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über große Momente, wichtige Entscheidungen und ihr Bundesligateam.

          Sie haben im August die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in Rio zum Gewinn der Goldmedaille geführt. Haben Sie dort unten auf dem Rasen des legendären Maracana-Stadions daran gedacht, zu sagen: Diesen Moment bewahre ich als den schönsten und letzten meiner Karriere und höre hier und heute auf mit dem Fußball?

          Der Gedanke, ganz aufzuhören, kam mir nicht, weil ich ja schon entschieden hatte, dass ich noch ein Jahr beim 1. FFC Frankfurt spielen möchte. Ich hatte mir mit der Entscheidung Zeit gelassen und stand dann mit klarem Kopf nach der Bundesliga-Saison auch voll dahinter. Aber natürlich war im vorhinein für mich klar, dass das Finale in Rio mein letztes Spiel für die Nationalmannschaft gewesen ist. So bin ich mit diesen beiden getroffenen Entscheidungen zufrieden und befreit in das olympische Turnier gegangen.

          Wie haben Sie die Entscheidung, nach 101 Länderspielen, einem WM- und zwei EM-Titeln aus der DFB-Auswahl zurückzutreten gefällt?

          Als wir uns bei der WM 2015 in Kanada für Rio qualifiziert hatten, kamen die Gedanken in mir auf: Oh ja, cool, ich möchte noch einmal Olympische Spiele erleben. Und wie geht es danach weiter? Möchtest Du dann aufhören? Wie würde sich das anfühlen? Als dann für mich klar war: Ja, ich möchte es so machen und es fühlt sich super an, So habe ich es dem Trainerteam vor dem Turnierstart mitgeteilt.

          Wie bewusst haben Sie dann in Brasilien Ihren Kapitänsposten ausgefüllt und das Turnier gelebt?

          Ich habe alles intensiv aufgesaugt, wahrgenommen und genossen. Das Zusammensein im Team, jedes Training und natürlich jedes Spiel, was in der K.o.-Runde ja immer mein letztes sein konnte. Das Schöne für mich war, dass ich die Entscheidung getroffen hatte und einen freien Kopf hatte. Dass es dann zu so einem super Happyend mit Gold im Maracana Stadion wurde, hat alles getoppt.

          Von der Spätstarterin und Mitläuferin zur Kapitänin in der Nationalmannschaft und beim FFC – was waren die Meilensteine Ihrer Laufbahn?

          Das war ein stetiger Prozess. Reinschnuppern, mitlaufen, Dinge abschauen bei Leuten – so wächst und wächst und wächst man. Ich war, sofern nicht verletzt, bei allen Turnieren dabei und habe meine Leistung gebracht und verbessert. Das hat mich vorangebracht und mich bestärkt in meinem Werdegang zu einer Führungsspielerin. Ich habe ja schon 2007 beim WM-Sieg in China dabei sein dürfen mit prägenden Spielerinnen mit unzähligen Länderspielen wie Birgit Prinz, Renate Lingor oder Sandra Minnert.

          Was waren die bittersten Momente Ihrer Karriere? Die äußerst schwere Knieverletzung im Sommer 2014?

          Das war eine harte Zeit für mich, ohne Frage. Auch weil mir zunächst niemand versichern konnte, dass ich es je wieder auf das alte Level zurückschaffen könnte. Als ein Fahrplan mit OP und Reha abgesteckt war, habe ich schnell wieder einen positiven Blick gewonnen und mir die WM 2015 als neues Ziel gesetzt, was ich dann auch geschafft habe. Nach einem Jahr wieder auf Topniveau gewesen zu sein, hat mich stolz gemacht.

          Und sportlich?

          Auf den ersten Blick das Viertelfinal-Aus bei der Heim-WM 2011. Da war die Enttäuschung enorm, weil wir so lang und so viel dafür gearbeitet hatten, uns so viel vorgenommen hatten. Das Loch im Herzen ist eine Weile nicht zugegangen. Aber letztlich hatte es auch etwas Gutes. Weil wir alle daraus viel gelernt haben,. Mit dem Gewinn der EM 2013 konnten wir dann das richtige Signal setzen.

          Sie haben noch mit den Pionierinnen wie Birgit Prinz und Co zusammengespielt und haben dann auch die Zeit geprägt, in der jedes EM-Qualifikationsspiel live im Fernsehen gezeigt wird. Gehören Sie einer Art Zwischengeneration im Frauenfußball an?

          Ich habe gewiss eine wichtige Ära für unseren Sport mitgeprägt. Ich habe 2007 den letzten großen Erfolg der älteren Generation mitfeiern dürfen und zuletzt eine ganz neue Generation mit ins Rennen geschickt...

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