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Rennstall X-raid : Aus dem Hessischen Ried in die Wüste

Wüstenschiff mit 307 Pferdestärken: der Mini von Peterhansel im Einsatz. Bild: X-raid

Ausgerechnet in einer einstigen Sumpflandschaft werden die wohl leistungsfähigsten Rennwagen für Wüstenrallyes gebaut. In Trebur bereitet sich der Rennstall X-raid auf die Dakar-Rallye vor.

          Das Hessische Ried erstreckt sich flach zwischen Lampertheim und Groß-Gerau. Ausgerechnet in der einstigen Sumpflandschaft werden die wohl leistungsfähigsten Rennwagen für Wüstenrallyes gebaut. Im Treburer Ortsteil Astheim ist die Firma X-raid beheimatet. Der große, moderne, betongraue Zweckbau erhebt sich als Teil eines Industriegebietes am Feldrand. Auf dem Areal der Firma stehen große Lastwagen, die zur Zeit mit wertvoller Fracht bestückt werden: Autos, Reifen, Motoren, Werkzeuge, Karosserienteile und vieles mehr. In der großen Halle von X-raid stehen sieben Rennwagen. Sie und weitere Wagen aus Trebur werden am 4. Januar in der 200 Kilometer westlich von Buenos Aires gelegenen argentinischen Stadt Rosario an den Start der Rallye Dakar gehen. Der Rennstall des Unternehmers Sven Quandt stellt mit voraussichtlich mehr als zehn Autos das größte Team, das jemals an einer Dakar-Rallye teilgenommen hat.

          In der großen Halle wird konzentriert gearbeitet. Fast alle Autos sind noch Fragmente. Ohne Räder und weitgehend ohne Karosserieteile stehen sie wie Skelette auf den Hebebühnen. „Sie werden alle komplett gestrippt und anschließen wieder neu zusammengebaut“, sagt Quandt. Zwei ausgebaute Motoren stehen in einer Ecke. Sie haben gerade eine Rallye hinter sich gebracht. Erst vor ein paar Tagen sind die beiden Mini all4racing von der Baja Portalegre in Portugal zurückgekommen. Der Pole Krzysztof Holowczyc hat dort den Fahrertitel im FIA Weltcup für Cross Country Rallyes gewonnen, sein Landsmann Martin Kaczmarski wurde bei seinem zweiten Einsatz im Rennwagen aus Trebur Zweiter. Die neuen Motoren für die beiden Autos stehen matt schimmernd und schon zum Einbau bereit da. Wenn die Mechaniker mit ihrer Arbeit fertig sind, werden die Rennwagen genau so frisch aussehen wie der nagelneue Mini, der in einer Garage nebenan steht und darauf wartet, in einen der Trucks verladen zu werden. In Le Havre wird die Fracht Ende dieses Monats eingeschifft und macht sich dann auf den langen Seeweg nach Buenos Aires in Argentinien. Ende Dezember soll das Schiff mit der hessischen Ladung dort eintreffen.

          Wieder der große Favorit

          Die Spannung in Trebur ist spürbar. Unten macht ein Filmteam Aufnahmen von der Beladung der Lkw. Ein weiterer Mini hat gerade den Motor eingebaut bekommen. „Wann wird er laufen? Morgen?“, fragt Quandt den Mechaniker. „Spätestens übermorgen“, antwortet der mit bayrischem Unterton. Quandt hat inzwischen vier Mechaniker in seinem Team, die während des Deutschen Tourenwagen Masters für die Teams von Audi und BMW gearbeitet haben. 130 Mitarbeiter sind für X-raid aktiv. Der Unterschied zwischen einem Werksteam und einem privaten Rennstall ist nicht groß, denn die Treburer sind inzwischen in der Sparte der Rennwagenbauer und Autoveredler hinter Abt „die Nummer zwei in Deutschland“, sagt Quandt.

          X-raid gilt auch bei der kommenden Dakar wieder als der große Favorit. Im vergangenen Jahr belegten Minis aus Trebur die Plätze eins, zwei und vier. Stéphane Peterhansel hat das Rennen mit einem solchen Auto 2012 und im Januar dieses Jahres gewonnen. Quandt traut es mit dem Blick auf die kommende Dakar-Rallye gleich sechs Wagen aus seinem Rennstall zu, Spitzenplätze zu belegen, wenn der Tross am 18. Januar im chilenischen Badeort Valparaiso das Ziel erreicht. 9000 Kilometer voller Strapazen und Gefahren haben die Teilnehmer, die es bis in die Stadt an der Pazifikküste schaffen, dann hinter sich gebracht.

          Star der Szene bei X-raid

          Ob die Wüstenrenner aus Trebur dann wirklich wieder die Spitzenplätze unter sich aufteilen werden, liegt vor allem auch an der Wettbewerbsfähigkeit der Buggys, die in einer eigenen Klasse an den Start gehen, aber auch aufgrund einiger Reglementsvorteile (größere Räder, Reifendrucksystem, längere Federwege) in mancher Hinsicht im Vorteil sind. Dazu kommen erfahrene Piloten wie Carlos Sainz, Nasser Al-Attiyah oder Robby Gordon. X-raid setzt bei den Profipiloten auf Titelverteidiger Peterhansel, den Polen Holowczyc, den Spanier Nani Roma und den argentinischen Neuzugang Orlando Terranova. Der große Rest des Teams besteht aus Privatfahrern aus aller Welt.

          Der Star des Szene ist Peterhansel, der die wüste Wettfahrt sechsmal auf dem Motorrad gewonnen hat, bevor er auf vier Räder umstieg. Als der französische Automobilhersteller Peugeot jüngst öffentlich über einen Dakar-Einstieg 2015 nachdachte und dabei den Namen Peterhansel ins Spiel brachte, kam aus Trebur recht schnell eine Pressemitteilung: „Peterhansel – langfristige Zusammenarbeit mit X-raid.“ Wie lange, wollen die Treburer nicht sagen. Aber der Vertrag dürfte sicher noch laufen, wenn die Franzosen (eventuell mit Rallye-Rekordweltmeister Sébastien Loeb) 2015 in die Dakar starten.

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