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Eintracht Frankfurt : Das Lächeln des Krokodils

„Ich will nicht in meiner Komfortzone bleiben“: Sein Siegtor gegen Düsseldorf ist ein Fingerzeig von Paciência. Bild: Imago

Paciência freut sich über den neuen Konkurrenzkampf bei der Eintracht und auf einen heißen Herbst: „Wir sind Wettkampf-Tiere.“

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          Eilig hatten sie es nicht. Die Sonne meinte es gut mit den Akteuren auf dem Rasen und den Beobachtern rund um den Fußballplatz im Stadtwald. Dutzende nutzten die Chance, bei einer der weniger gewordenen Gelegenheiten zuzuschauen, wie sich die Mannschaft der Eintracht auf die kommende Partie einstimmt. An diesem Samstag geht es auswärts für die Frankfurter weiter, dann sind sie am vierten Bundesliga-Spieltag in Augsburg gefordert. Gonçalo Paciência gehörte zu den Profis, die vor dem Abgang in die Kabine noch Wünsche nach Autogramme und Selfies erfüllten. Der Portugiese steht bei den Fans hoch im Kurs. Sein Treffer zum 2:1 gegen Düsseldorf rundete den erfolgreichen Start in die Saison ab – und der 25-Jährige findet es reizvoll, was ihm und den Kollegen bevorsteht: Der Terminkalender ist dank der geglückten Qualifikation für die Europa League randvoll. Das Team, sagte Paciência, finde Gefallen an der Vielzahl an Einsätzen. „Wir sind ja Wettkampf-Tiere“, meinte der Stürmer im Rückblick auf die vergangene Runde, als es von Herbst an gelang, sich von Woche zu Woche auf höchstem Niveau zu behaupten. Er erinnerte bei seinem animalischen Vergleich an die selbstgewählte Bezeichnung als „Tor-Krokodil“, das ihm in den Sinn kam, als er nach einer passenden Abgrenzung zum Offensiv-Trio Luka Jovic, Ante Rebic und Sébastien Haller suchte, die gemeinhin als „Büffelherde“ tituliert worden war. Die Star-Torschützen, hinter denen er oft vierte Wahl war, sind inzwischen nach Spanien, Italien und England weitergezogen, so dass Paciência in seinem zweiten Frankfurter Jahr bereits als dienstältester Angreifer im Kader geführt wird.

          Sein Selbstvertrauen ist spürbar gewachsen. „Ich fühle mich top in Form“, sagte er mit einem Lächeln im Gesicht am Dienstag und damit exakt zwölf Monate nach seiner Verletzung, die seinen Einstand bei den Hessen so erschwerte und bei der Tränen geflossen waren: Am 10. September 2018 erlitt er im Training einen Riss im Außenmeniskus des linken Knies, woraufhin er bis zur Winterpause kürzer treten musste. Sein Start sei nicht wunschgemäß verlaufen, sagte Paciência, der nach seinem Wechsel aus der Heimat vom FC Porto aber „jeden Tag hinzu lernte“ und mittlerweile auch der deutschen Sprache mächtig ist. Wichtig sei für ihn gewesen, dass er an Disziplin hinzugewonnen habe und als Athlet „professioneller geworden“ sei, um jeden Tag im Training den höchstmöglichem Einsatz abliefern zu können.

          Auf Erfolgskurs bleiben

          Paciência erinnerte daran, dass ihm gerade Rebic, Haller und Jovic eine Stütze gewesen seien und ihn ermuntert hätten, trotz des anfänglichen Rückschlags nicht aufzugeben. „Sie sind tolle Sportler und phantastische Persönlichkeiten.“ Er selbst will jetzt ebenfalls einem Novizen helfen, die ersten Schritte auf ungewohntem Terrain zu bewältigen. Seit vergangener Woche zählt mit André Silva ein weiterer portugiesischer Nationalspieler zum Frankfurter Aufgebot. Von seinem vom AC Mailand im Tausch für Rebic für zwei Jahre ausgeliehenen Landsmann sei viel zu erwarten, sagte Paciência: „Er wird unserem Team gut tun.“ Beim Debüt – im Test gegen Chemie Leipzig – traf der 23-Jährige sogleich zweimal und auch bei der Übungseinheit zu Beginn der Arbeitswoche blitzte seine Klasse auf. Silva und Paciência kennen sich seit gemeinsamen Tagen in der Nachwuchs-Akademie in Porto, sie verbrachten Urlaube zusammen. Und auch nachdem sich ihre Karrierewege unlängst in unterschiedliche Richtungen entwickelten, riss ihr Kontakt nicht ab. „Ich freue mich, dass er jetzt da ist“, sagte Paciência, der dem Kumpel bei der Wohnungssuche seine Unterstützung anbot und bereits erste Adressen in der Stadt empfahl, wo sich lecker essen gehen lässt.

          Paciências Worten zufolge wurde mit den Transfers die Grundlage geschaffen, den Erfolgskurs fortzusetzen. Die Breite des Kaders sein ein Pfund. Mit Silva, Kevin Trapp, Martin Hinteregger, Sebastian Rode, Djibril Sow, Dominik Kohr oder Bas Dost stieß eine Reihe von Leuten hinzu, von denen auf Anhieb Großes erwarten werden dürfe. Nicht zuletzt dank Silva herrsche nun „noch mehr Competition“ im Kampf um die freien Plätze, das sei förderlich, um ein „Level höher“ zu gelangen. „Ich mag das. Ich will nicht in meiner Komfortzone bleiben. Für alle ist der Wettbewerb gut, weil wir immer arbeiten müssen, sonst verlieren wir unseren Platz.“ Paciência sagte, dass er es sich persönlich durchaus vorstellen könne, künftig in vorderster Reihe mit Dost und Silva gemeinsam zur Attacke zu blasen, um damit im Frankfurter Angriff die Dreier-Variante wiederzubeleben. Das letzte Wort habe aber Trainer Adi Hütter.

          Die Atmosphäre in der Kabine sei jedenfalls bei aller Rivalität kameradschaftlich und es herrsche ein förderliches Betriebsklima. Er selbst gibt dabei neben Johnny de Guzman und David Abraham als DJ in der Umkleide den Takt der Musik vor. Schafft es Paciência, im Herbst so weiterzumachen, wie es ihm seit Abschluss der Sommer-Vorbereitung mit zunehmender Effizienz gelingt, dürfte es eine Frage der Zeit sein, bis er auch auf dem Platz zu den tonangebenden Charakteren des Teams zählt.

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