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Eintracht Frankfurt : Flaggschiff in rauher See

  • -Aktualisiert am

Soll die A-Junioren der Eintracht auf Kurs bringen: Marco Pezzaiuoli, Technischer Direktor Bild: Jan Huebner

Von Kontinuität kann am Riederwald keine Rede sein. Und von Ruhe auch nicht. Die Nachwuchsarbeit der Frankfurter Eintracht erlebt stürmische Zeiten

          Von Kontinuität kann am Riederwald keine Rede sein. Und von Ruhe auch nicht. Zwei Paukenschläge in der Personalpolitik beeinträchtigten zuletzt den Betriebsfrieden. Sechs Spieltage vor Rundenende in der B-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest beendete Frank Leicht in der vergangenen Woche seine Trainertätigkeit beim Nachwuchs der Frankfurter Eintracht. Der 47 Jahre alte Fußballlehrer gab private Gründe für seinen plötzlichen Verzicht an.

          Neu in der Verantwortung stehen jetzt die bisherigen Assistenztrainer Jan Fießer und Dominik Reichardt. Davor hatte es schon bei den A-Junioren in der Bundesliga ein Stühlerücken auf Leitungsebene gegeben. Trainer Tomislav Stipic kam womöglich seiner Entlassung zuvor und machte Anfang März sogar einen Sprung zum neuen Cheftrainer bei Grasshoppers Zürich. Zurück ließ er in Frankfurt eine in akuter Abstiegsgefahr schwebende zweite Vereinsmannschaft der Eintracht, die seitdem vom Technischen Direktor Marco Pezzaiuoli betreut wird. Der ehemalige Hoffenheimer Erstliga-Trainer startete lediglich mit zwei Unentschieden gegen Augsburg (1:1) und Heidenheim (2:2) in die Mission Klassenverbleib. Nur dank des besseren Torverhältnisses gegenüber dem Drittletzten Nürnberg belegt die Eintracht aktuell keinen Abstiegsplatz.

          „Es gab keine Anzeichen“

          Das Team von Leicht hatte es bei weitem nicht so schwer. Die U17 glänzte im Vergleich mit Rang vier im Wettbewerb der besten deutschen Nachwuchsmannschaften. Das sportliche Abschneiden kann also nicht der Grund für die Entscheidung von Leicht gewesen sein. „Für uns kam das sehr überraschend, es gab keine Anzeichen“, sagt Armin Kraaz, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums am Riederwald. Genauso erstaunt waren Fießer und Reichardt, die mit Leicht eng zusammengearbeitet hatten. Eine Begründung für seinen Entschluss lieferte Leicht selbst Kraaz nicht. Öffentlich spekuliert wurde von Problemen mit Pezzaiuoli. Aber: „Dass es irgendwelche Zerwürfnisse zwischen den beiden gegeben haben soll, das ist völlig falsch“, betont Kraaz.

          Ungewöhnlich ist auf jeden Fall der Zeitpunkt der Trennung so spät in der Saison. Kraaz und seine Mitstreiter berieten kurz über die Lage und entsprachen dann dem Wunsch von Leicht, der in der Vorsaison als Interimstrainer die A-Junioren im letzten Moment vor dem Abstieg bewahrt hatte. Sein Vertrag wäre nun am 1. Juli ausgelaufen. Ob es bereits Gespräche über eine Verlängerung gegeben hatte, dazu wollte Kraaz am Dienstag nichts mehr sagen, außer: „Das ist alles Hätte, Wenn und Aber.“ Auch ohne Leicht gewannen die B-Junioren am zurückliegenden Wochenende 1:0 gegen den Rangzweiten Mainz 05, der nun noch drei Punkte Vorsprung hat.

          Handlungsdruck auf verschiedenen Ebenen

          Vor allem nach den Vorkommnissen bei den A-Junioren hätten sich die Frankfurter die Austauschaktion auf der Trainerbank bei der U 17 gerne erspart. Der Eindruck von geordneten Verhältnissen ist damit konterkariert worden. Im letzten Saisondrittel entstand auf einmal auf verschiedenen Ebenen Handlungsdruck. Besteht in Zeiten, in denen die Eintracht-Profis von Erfolg zu Erfolg eilen, etwa Anlass zur Sorge über die Strukturen am Riederwald? „Fußball ist keine Versicherung. Es kann immer etwas passieren, wenn man nicht damit rechnet“, sagt Kraaz. „Unser Sorgenkind sind die A-Junioren. Aber deshalb ist nicht die ganze Nachwuchsarbeit schlecht.“ Ganz im Gegenteil, andere Mannschaften stünden hervorragend da. Wie neben der U 17 die U 15 mit Platz drei in der Regionalliga Süd.

          Das Flaggschiff der Nachwuchsarbeit ist jedoch die zweite Vereinsmannschaft. Auf sie wartet noch Schwerstarbeit in den verbleibenden fünf Spielen, in denen es die Eintracht nach dem Heimspiel gegen Karlsruhe noch mit Mainz (zur Zeit Platz zwei), Bayern München (drei), Hoffenheim (vier) und Ingolstadt (fünf) zu tun bekommt. „Marco Pezzaiuoli macht einen echt guten Job“, sagt Kraaz. „Ich sehe sehr viel Zug, Motivation und Willen in der Mannschaft.“

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