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Deutsche Sporthilfe-Stiftung : Mit Charme, Entschlossenheit und Geld

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Als Dressurreiterin erfolgreich: Ann-Kathrin Linsenhoff Bild: Image

Viele Frauen gibt es in Spitzenpositionen der deutschen Sportverbände nicht. Aus diesem Grund überrascht die Nachricht doppelt, dass Ann Kathrin Linsenhoff den Vorsitz der Stiftung Deutsche Sporthilfe übernehmen wird. Alle Vorgänger waren Männer.

          Viele Frauen gibt es in Spitzenpositionen der deutschen Sportverbände nicht. Aus diesem Grund überrascht die Nachricht doppelt, dass die 47 Jahre alte Kronbergerin Ann Kathrin Linsenhoff, Dressur-Olympiasiegerin von 1988, zum 1. Januar 2008 den Vorsitz der Stiftung Deutsche Sporthilfe übernehmen wird. Die fünf Vorgänger waren allesamt Männer.

          Der Frankfurter Warenhausunternehmer und Dressurreiter Josef Neckermann führte die 1967 gegründete Stiftung Deutsche Sporthilfe lange Jahre, und für viele ist sein Name so eng mit der Stiftung verbunden, dass er immer wieder – fälschlich – als ihr Gründer bezeichnet wird (die Idee stammte vielmehr von Willi Daume und von Georg von Opel). Es ist eine interessante Fußnote, dass nun die Tochter einer seiner großen Rivalinnen im Dressurviereck, Liselott Linsenhoff, an die Spitze der Sporthilfe rücken wird.

          Ann Kathrin Linsenhoff musste ihre Reiter-Karriere im Frühjahr wegen der Folgen einer verschleppten Borreliose- Infektion beenden. Die Ärzte hatten ihr dazu geraten. Als ausgebildete Tierärztin ging Ann Kathrin Linsenhoff kein Risiko ein. Sie hatte lange unter Herzrhythmusstörungen und Fieberschüben gelitten.

          In vielfältiger Weise sozial engagiert

          Der frühere Rüsselsheimer Automobilmanager und Tischtennis-Präsident Hans Wilhelm Gäb hat sie für die neue Aufgabe gewinnen können. Die Gespräche begannen, unmittelbar nachdem Ann Kathrin Linsenhoff ihren Abschied vom aktiven Sport bekanntgeben musste. Der 71 Jahre alte Gäb will im Aufsichtsrat der Stiftung mitarbeiten und ihr so zur Seite stehen. Dies hat sich die Kronbergerin ausdrücklich gewünscht.

          Gäb war im Sommer 2005, als das Ansehen der Stiftung plötzlich schwer angeschlagen war, als Vorsitzender eingesprungen. Der damalige Chef Hans-Ludwig Grüschow hatte eine enge Beziehung zu einem in einen Schmiergeldskandal verwickelten ARD-Fernsehjournalisten aus Leipzig unterhalten und trat zurück. Der Erfolg der Sporthilfe steht und fällt mit der Persönlichkeit des Vorsitzenden und mit der Professionalität der Mitarbeiter. Als kleines Wirtschaftsunternehmen hat Gäb inzwischen die Stiftung ausgerichtet, damit Eigenvermarktung und Benefizveranstaltungen wie der Ball des Sports noch einträglicher werden. Sie sind neben Spenden, den Erlösen aus den Sportbriefmarken-Serien und der Lotterie Glücksspirale die Hauptposten auf der Einnahmenseite, staatliche Zuwendungen gibt es bislang nicht. Die Sporthilfe hat seit ihrer Gründung vor vierzig Jahren rund 40 000 Sportler mit etwa 350 Millionen Euro unterstützt.

          Gäb und Linsenhoff sind in vielfältiger Weise sozial engagiert. Er hat – nachdem eine Lebertransplantation sein Leben gerettet hat – die Organisationen „Sportler für Organspende“ und „Kinderhilfe Organtransplantation“ mitbegründet. Ann Kathrin Linsenhoff rief 2002 unter dem Dach des Kinderhilfswerks Unicef eine Stiftung ins Leben und betreut unter hohem persönlichen Einsatz weltweit Hilfsprojekte. Auch der Reitsport, etwa das zwischenzeitlich aus finanziellen Gründen in seiner Existenz gefährdete Frankfurter Festhallen-Turnier, profitiert von ihr als Mäzenin. Mit ihrem Geld, ihrem Charme und mit ihrer Entschlossenheit hat sie schon oft in vertrackten Situationen eine Lösung herbeigeführt.

          „Ich will Vorbild für andere sein“

          Ann Kathrin Linsenhoff wird das Profil der Sporthilfe weiter schärfen müssen. Denn die Stiftung muss für alle erkennbar mehr sein als ein Geldsammler und -verteiler. Das jährliche Fördervolumen von zehn bis zwölf Millionen Euro für etwa 3800 Athleten aus über fünfzig Sportarten muss signifikant gesteigert werden. Dazu ist gerade die Sporthilfe gefordert im Kampf gegen Doping.

          Die künftige Sporthilfe-Chefin sagt über sich: „Ich will Vorbild für andere sein.“ Schon ihre Mutter habe ihr vorgelebt, dass man sich für Schwächere einsetzen müsse. Die Unicef-Stiftung sei so aufgebaut, dass sie über ihr Ableben hinweg bestehen bleibe. Ihre Kinder könnten sie weiterführen. „Ich hoffe, dass ich dann Vorbild genug war, dass sie es tun. Mein Ziel ist es, nicht nur ihnen mit gutem Beispiel voranzugehen, sondern auch anderen.“

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