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Mainz-Marathon : Sieger überwindet auch Geisterfahrerin

Sammy Kipkoech Tum (rechts) hat den Mainzer Gutenberg-Marathon 2009 gewonnen, Zweiter wurde Ivan Babaryka vor Sergey Zachepa (links) Bild: Michael Kretzer

Kenianer Sammy Kipkoech Tum dominiert 10. Gutenberg Marathon in Mainz. Fehlgeleiteter Kleinwagen kann Siegeslauf vor 80 000 Zuschauern nicht stoppen.

          „Adrenalin“, sagt Klaus Kuhn und steht selbst ganz ruhig inmitten des Trubels auf der Ludwigstraße. Frisch geduscht und soeben als Lauf-Jubilar geehrt, weil er zu jenen gut 200 Sportlern gehört, die bei allen zehn bis dato gestarteten Gutenberg Marathons in Mainz an den Start gegangen sind: neunmal hat Kuhn die halbe Strecke gemeistert, einmal wagte er sich gar an die ganze Distanz. Dass sich diesmal bei der Zieleinfahrt des zusätzlich ins Programm genommenen Handbiker-Rennens vor dem Rathaus zwei Akteure zunächst in die Quere gekommen und dann an die Gurgel gegangen sein sollen, hat der 58 Jahre alte Marathoni nur gehört. Da sei wohl „zu viel Adrenalin auf einmal ausgeschüttet worden“, meint Kuhn, dem als Sportsmann die richtige Einstellung wichtiger ist als übertriebener Ehrgeiz.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Allerdings: Unter zwei Stunden wollte er bei seinem neunten Halbmarathon auf alle Fälle auch bleiben. Und das hat der frühere Mainzer Hafenmeister, der nebenbei noch seine Exkollegin Tanja zur persönlichen Bestleistung anspornte, denn auch geschafft: Kuhn brauchte eine Stunde und 58 Minuten für die gut 21 Kilometer durch die Innenstadt. So schnell waren längst nicht alle unterwegs, die sich gestern um 9 Uhr 30 auf den mühsamen und langen Weg begeben haben, um sich von den schätzungsweise 80 000 Zuschauern am Straßenrand hochleben, anfeuern oder auch mit Wasser und Bananen versorgen zu lassen.

          2006 blockierte eine Eisenbahn den Laufweg

          Während die Stadt nur langsam erwachte – und auf vielen Balkonen an der Strecke noch ausgiebig gefrühstückt wurde –, machten sich die Spitzensportler ganz schnell aus dem Staub. Nach gut 30 Kilometer hatte sich der Kenianer Sammy Kipkoech Tum derart klar vom Verfolgerfeld abgesetzt, dass ihm der Sieg eigentlich nicht mehr zu nehmen war. Auch nicht von jenen beiden älteren Damen, die ihm – für beide Seiten sehr überraschend – auf der Kaiserstraße als Geisterfahrer im Kleinwagen entgegenkamen. Unruhe unter den Streckenposten, Megaphon-Geschrei aus dem Führungsfahrzeug, doch innerhalb weniger Sekunden war die Krise gemeistert. Ganz anders als beim Marathon 2006: Denn damals hatte eine quer auf der Rheinallee stehende Eisenbahn minutenlang den Laufweg versperrt.

          Superschnell unterwegs: die Handbiker beim Gutenberg-Marathon

          Das „kleine Jubiläum“ des dank neuem Sponsor erstmals als „Novo Nordisk Gutenberg Marathon Mainz“ gestarteten Wettbewerbs veranlasste neben den 9500 Läufern und 55 Handbikern auch gut 2000 Schüler dazu, sich am Muttertagsmorgen bei einem Staffellauf sportlich zu betätigen. Von den erwachsenen Teilnehmern waren im „närrischen“ Mainz einige gar in Engels- und Teufelskostümen unterwegs, andere schleppten prall gefüllte Verpflegungsrucksäcke mit sich, vereinzelt kamen selbst Walking-Stöcke zum Einsatz. Und während der Sieger aus Kenia nach 2:13:56 Stunden immer noch lächelnd über die Ziellinie lief, plagten sich viele weniger veranlagte Läufer mehr als doppelt so lange, um am Ende der alljährlichen Frühjahrsvolksbewegung zu dem erhofften Erfolgserlebnis zu kommen.

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