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3:3 in Mainz : Leipzig verspielt Sieg und Rekorde in furiosem Spiel

Der Leipziger Kampl sah seine fünfte Gelbe Karte und fehlt nächste Woche gegen den FC Bayern. Bild: dpa

Trotz einer 3:1-Führung reicht es für RB in Mainz nicht zu drei Punkten. Damit ist auch die rechnerische Chance auf den Meistertitel dahin. Mit dem 3:3 verpasst RB gleich zwei Bestmarken in der Bundesliga.

          Wenn die Spieler von RB Leipzig an diesem Samstag das Spiel von Bayern München gegen Hannover 96 anschauen sollten, dann dient dies lediglich der Vorbereitung auf das nächste Heimspiel in der Bundesliga sowie auf das DFB-Pokalfinale in drei Wochen. Ein Hoffen auf Schützenhilfe ausgerechnet durch Tabellenschlusslicht Hannover für eine letzte minimale Chance auf eine Rückkehr in den Kampf um die Meisterschaft indes hat sich erledigt.

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          Nach dem 3:3 in einem spektakulären Freitagabendspiel bei Mainz 05 nach Toren von Lukas Klostermann (20./32. Minute) und Timo Werner (49.) bei Gegentreffern durch Karim Onisiwo (43.), Moussa Niakhaté (67.) und Jean-Philippe Mateta (83.) hat der Tabellendritte endgültig nicht mehr die nach den Rückschlägen für Bayern und BVB zart aufgekeimte Hoffnung, mit einem Heimsieg gegen München in der kommenden Woche noch einmal dem Führungsduo entscheidend auf die Pelle zu rücken. „Der Punkt fühlt sich etwas bitter an. Am Ende hat uns irgendwie nach vorne die Power gefehlt. Da haben wir es verpasst, für Entlastung zu sorgen. Es ist ärgerlich, dass wir es nicht geschafft haben, die Führung über die Zeit zu bringen“, sagte Klostermann bei Eurosport. „Es fühlt sich wie zwei verlorene Punkte an.“

          Unabhängig von der Plazierung am Saisonende bewies Leipzig in Mainz lange Zeit, warum es die derzeit vermutlich formstärkste deutsche Mannschaft ist: In der ersten Halbzeit nutzten sie die Fehler der spielfreudigen und auch engagierten Mainzer kaltschnäuzig mittels ihres bemerkenswert schnellen Umschaltspiels aus: Beim 1:0 luchste Lukas Klostermann in der eigenen Hälfte dem fahrlässig agierenden Mainzer Innenverteidiger Alexander Hack den Ball ab, um keine sieben Sekunden später den Ball nach den drei Zwischenstationen Yussuf Poulsen, Emil Forsberg und Timo Werner aus acht Metern zur Führung einzuschieben. Beim 2:0 sprintete der als Rechtsverteidiger eigentlich auf der Außenbahn tätige Klostermann abermals in atemraubenden Tempo in die gefährliche Zone vor dem Mainzer Tor und lupfte nach einem abermals perfekten Zuspiel von Werner den Ball in bester Torjägermanier über Torhüter Florian Müller hinweg ins Netz.

          Die Mainzer und allen voran Trainer Sandro Schwarz ereiferten sich wegen eines nicht geahndeten Fouls an Karim Onisiwo unmittelbar vor dem Tor. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus musste in der Folge immer wieder abfällige Gesten von Seiten der Mainzer in ihre Richtung ertragen. „Ich muss zugeben, dass ich da das ein oder andere Mal übers Ziel hinausgeschossen bin“, gestand Schwarz nach dem Spiel zu. „Wenn aber Frau Steinhaus das Foul vor dem zweiten Tor  nicht sieht, dann muss es der Videoschiedsrichter sehen. In dieser Emotionalität habe ich mich etwas treiben lassen.“

          Der Ansammlung an individueller wie kollektiver Klasse auf Seiten der Leipziger hatte das Schwarz-Team, das bereits seit zwei Wochen den Klassenverbleib sicher hat und entsprechend befreit aufspielen konnte, vor allem Leidenschaft entgegenzusetzen – und einen Geistesblitz. Onisiwo tanzte kurz vor der Pause im gegnerischen Strafraum den Doppeltorschützen Klostermann aus und schoss aus 15 Metern ein. Bemerkenswert war, dass Onisiwo zu diesem Zeitpunkt nach einem Zusammenprall mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung noch auf dem Feld war. Zur Pause aber musste er sich auswechseln lassen. Nach Worten von Trainer Sandro Schwarz hatte Onisiwo nicht mehr gewusst, dass er wenige Augenblicke zuvor ein Tor erzielt hatte.

          Leipzig schockte die Mainzer nach Wiederanpfiff mit dem schnellen 3:1, bei dem Werner vor den Tor kaltschnäuzig auf den richtigen Moment zum Abschluss wartete, um aus sieben Metern einzuschieben. Die Rheinhessen brauchten eine gewisse Zeit, um sich noch einmal aufzurappeln. In einem leidenschaftlichen Endspurt sicherten sie sich vor 24.000 Zuschauern durch Niakhatés Treffer nach einem Aaron-Eckball sowie das 13. Saisontor des eingewechselten Mateta noch einen verdienten Punkt. „Mit dem 2:3 war plötzlich wieder Energie da. Es war großartig, wie meine Jungs gegen eine Top-Mannschaft zurückgekommen sind“, sagte Schwarz. Mittelfeldspieler Jean-Philippe Gbmain lobte die „Leidenschaft und die Lust auf das Spiel, mit der unser Team agiert hat.„ Leipzigs Kapitän Willi Orban hofft derweil auf einen Lerneffekt. „Das Spiel heute schärft die Sinne für die kommenden Wochen“, sagte er. 

          RB Leipzig verpasste mit dem Unentschieden, im hundertsten Bundesligaspiel der Vereinsgeschichte einen Rekord aufzustellen. Die bisherige Bestmarke für diese Zeitspanne aus den ersten Bundesligajahren des 1. FC Köln mit 186 Punkten (umgerechnet auf Drei-Punkte-Regel) hat somit weiter Bestand. Leipzig hat nun einen Punkt weniger eingefahren nach der Jubiläumspartie. Leipzig verpasste noch eine weitere Bestmarke. Die ersten sieben Auswärtsspiele der Rückrunde hatten die Sachsen gewonnen. Ein achter Erfolg wäre ein Rekord gewesen – sie verpassten ihn in einem turbulente Spiel.

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