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Mainz-05-Profi Kunde : Fels in der Brandung

In Mainz angekommen: Kunde im Fastnachtstrikot. Bild: René Vigneron

Pierre Kunde ist in Mainz angekommen und auf dem Weg zum Publikumsliebling. Am Freitagabend dürfte er gegen Leverkusen im Fastnachtstrikot wieder zur Startelf gehören.

          Bei der Fastnachtssitzung von Mainz 05 vor einer guten Woche hatte Pierre Kunde Malong ein höchst unterhaltsames Erlebnis. Der Mittelfeldspieler hörte seinen Namen auf der Bühne. Und da dachte er, dass er dort eben hinauf müsse. Die der deutschen Sprache kundigen Mitspieler des Kameruners bestärkten ihn in seinem Glauben, und so stand Kunde plötzlich auf der Bühne zur Überraschung des als Comedian tätigen Aufsichtsrats Sven Hieronymus, der launige Wortspiele wie „Wer hat die Schuhe nicht gebunde‘, der Kunde“ zum Besten gab. Kundes fröhliches Strahlen ob der für ihn aufgrund noch mangelnder Sprachkenntnisse nicht ganz nachvollziehbaren Scherze wirkte ansteckend, und der ganze Saal intonierte „We love you Kunde, we do“. Es war der Beweis, dass ein erst im vergangenen Sommer verpflichteter Neuzugang bereits angekommen und auf dem besten Weg zum Publikumsliebling ist. Der 24 Jahre alte Kameruner verließ den Saal später sichtlich stolz, das Erlebte dürfte seinem Selbstwertgefühl gut getan haben.

          Die Beliebtheit des vor der Saison vom spanischen Topklub Atlético Madrid nach Mainz gewechselten Profis liegt vor allem auch an Kundes Spielweise, von der sein Mitspieler Daniel Brosinski schwärmt. „Er kann vorne den Ball im Pressschlag verlieren und dann hinten schon wieder das Kopfballduell um den verlorenen Ball gewinnen“, sagt der Rechtsverteidiger anerkennend. Mit anderen Worten: Kunde scheint auf dem Feld omnipräsent. Und das, obwohl die Analyse der Laufdaten des austrainierten Muskelpakets noch Potential andeutet.

          Bei Laufdistanz, intensiven Läufen und vor allem der Anzahl der Sprints hinkt er stets den Werten hinterher, die für seine Position als alleiniger zentraler defensiver Mittelfeldspieler möglich sind. Vielleicht war das auch ein Grund, weshalb Schwarz am vergangenen Sonntag in Augsburg auf den Mainzer Aufsteiger der Saison verzichtet hat. Kunde sah 90 Minuten lang zu, wie seine Kameraden die schlechteste Saisonleistung abgeliefert hatten. Da sich zudem Danny Latza eine Gehirnerschütterung zugezogen hat, die einen Einsatz vorerst verhindert, wird Kunde an diesem Freitagabend (20.30 Uhr im  F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) gegen Bayer Leverkusen wieder auf dem Platz stehen und ein wichtiger Baustein werden beim Versuch, nach der 0:3-Auswärtsniederlge wieder an vorherige Erfolge anzuknüpfen. „Kunde ist immer mein Spieler. Auch wenn er mal auf der Bank Platz nehmen muss nach einer harten Entscheidung“, sagte Trainer Sandro Schwarz vielsagend.

          Wille zum Gestalten

          Zur positiven Mainzer Bilanz nach 20 Spielen hat Kunde mehr noch als die gleichfalls neu verpflichteten und ebenfalls überzeugenden Mitspieler Jean-Paul Boetius, Jean-Philippe Mateta, Moussa Niakhaté oder Aaron beigetragen, weil er im zuvor weitgehend auf Umschaltfußball beschränkten Mainzer Spiel den Willen zum Gestalten im eigenen Ballbesitz verkörpert. Kein anderer Spieler fordert selbst auf engstem Raum derart selbstbewusst den Ball ein und leistet sich dennoch so wenige Fehlpässe und Ballverluste. „Ich brauche Ballkontakte, um ins Spiel zu kommen“, sagt er. Kunde ist, passend zu seinem von den christlich geprägten Eltern mit Bedacht gewählten Vornamen Pierre, auf diese Weise zum Fels in der Brandung im Mainzer Spiel geworden. Die Anhänger des Klubs fürchten deshalb schon, dass der kamerunische Nationalspieler wie im Vorjahr der zum BVB gewechselte Abdou Diallo nach nur einer Saison in Rheinhessen zum Objekt der Begierde von Topklubs werden könnte.

          Erst einmal aber wird Kunde am Freitag die Mainzer Farben gleich vierfarbbunt vertreten. Im zum Fastnachtsspiel erklärten Duell mit Bayer Leverkusen, in dessen Rahmenprogramm Mainz 05 ein fastnachtliches Unterhaltungsprogramm geplant hat, präsentieren Kunde und Co. das passende Trikot im rot-weiß-blau-gelben Karo, das bei den Fans so gut ankam, dass die limitierte Edition von 1111 Stück nach nur anderthalb Tagen ausverkauft war.

          Trainer Schwarz, der einzige in Mainz geborene Beteiligte am Freitagabend, wird trotz seiner Zuneigung zur Fastnacht ohne Verkleidung am Spielfeldrand stehen. Es soll schließlich klar sein, dass sein Tram sportlich ernsthaft an die Aufgabe herangehen wird. Für die Vorbereitung auf die mit dem noch recht neuem Trainer Peter Bosz anreisenden Bayer-Werkself hat Schwarz dieses Mal tiefer als gewohnt ins Archiv gegriffen. Seine Analysten schauten sich auch Spiele des BVB aus der Zeit unter Bosz an, um den Trainer besser einschätzen zu können. Da wäre es besonders interessant gewesen, mit welchem Plan Bosz sein damaliges Team ins Duell mit Mainz 05 geschickt hätte. Welch Pech: Er war damals just vor dem Auswärtsspiel in Mainz entlassen worden.

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