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Mainz 05 nach Pyro-Vorfällen : Spiel mit dem Feuer

  • -Aktualisiert am

Eingetrübt: Die Mainzer Spieler im Nebel ihres eigenen Anhangs Bild: Imago

Mainz 05 droht nach den Pyrotechnik-Vorfällen in Kaiserslautern eine Geldstrafe. Der Verein hat allerdings nicht vor, sie aus der Clubkasse zu zahlen.

          Erstrundenniederlagen eines Bundesligavereins im DFB-Pokal können peinlich sein. Müssen sie aber nicht. Die des FSV Mainz 05 beim 1. FC Kaiserslautern zum Beispiel war sicher kein Ruhmesblatt für den Favoriten, ließ sich aber erklären: In der beeindruckend starken Phase bis Mitte der ersten Halbzeit ließen die Mainzer viele Torchancen aus. Ein Elfmeter gegen Innenverteidiger Stefan Bell, den in der Bundesliga der Videoassistent wohl zurückgenommen hätte – tatsächlich hatte FCK-Angreifer Timmy Thiele den Mainzer gefoult, nicht umgekehrt. Ein Strafstoß, den Florian Müller eigentlich abgewehrt hatte, der aber doch zum 0:1 im Tor landete. Und nicht zuletzt leidenschaftlich kämpfende Drittligafußballer.

          „Das war eine Stimmung, wie ich sie hier schon lange nicht mehr erlebt habe“, sagte Sascha Hildmann später, „und ich habe viele Spiele gesehen.“ Nicht erst, seit er als Cheftrainer des FCK arbeitet. Wer wissen wollte, was es bedeutet, wenn „der Betze brennt“, konnte am Samstagnachmittag einen Eindruck davon erhalten.

          Tiefpunkt pyromanischer Performance

          Die Mainzer Ultras hatten sich offenbar vorgenommen, ihren Ausflug ebenfalls unter dieses Motto zu stellen. Den Tiefpunkt ihrer pyromanischen Performance (für alle anderen Zuschauer) erreichten sie unmittelbar nach dem 0:2, als sie brennende Fackeln im Dutzend über den Zaun schleuderten. Seltsam muteten hinterher die Einlassungen von 05-Sportvorstand Rouven Schröder an, der die Fans für ihre Unterstützung lobte, auf die Auswüchse aber nicht einging. Selbst auf Nachfrage, ob es eine gute Aktion gewesen sei, wenn 90 Minuten lang gezündelt werde, hielt er sich bedeckt: „Wir sprechen über Fußball. Unsere Hauptaufgabe ist es, auf dem Feld die Dinge zu regeln.“

          Andere drückten sich nicht vor klaren Aussagen. Danny Latza zum Beispiel, der neue Kapitän, erklärte, Pyrotechnik habe im Stadion nichts zu suchen. Trainer Sandro Schwarz sagte, sein Eindruck sei der einer guten und friedlichen Unterstützung gewesen, „aber Pyro braucht kein Mensch“. Am deutlichsten wurde Stefan Hofmann: „Dazu gibt es keine zwei Meinungen: Das geht nicht“, sagte der Vereinsvorsitzende, der nicht vorhat, die zu erwartende Geldstrafe aus der Klubkasse zu bezahlen. „Wir nehmen keine schnellen Vorverurteilungen vor, da muss geredet werden. Aber wenn die Leute ermittelt werden, nehmen wir sie in Regress, so wie wir das zuletzt schon getan haben.“

          Der Verein könne diese Aktion nicht einfach im Raum stehenlassen, sagte Hofmann. „Wir tun alles, um neue Fans zu gewinnen. So etwas ist kontraproduktiv.“ Ohnehin sei ihm das Derby in Fan-Kreisen vorab „einen Tick zu sehr überhöht worden. Man hätte meinen können, es sei nicht die erste Pokalrunde, sondern ein Endspiel. Das haben wir nicht nötig, dass so etwas dann herauskommt.“ 6500 Mainzer Fans im Fritz-Walter-Stadion seien eigentlich eine gute Basis für einen tollen Tag gewesen. „Aber wir haben weder sportlich noch in der Außendarstellung das daraus gemacht, was man daraus hätte machen können.“

          Miserable Chancenverwertung

          Warum es sportlich nicht für ein positives Fazit reichte, war relativ schnell analysiert. Die Chancenverwertung während der ersten 25 Minuten war ein Grund; allein Robin Quaison hätte den FCK hoffnungslos in Rückstand schießen können. Die verlorengegangene Struktur und das schlechte Passspiel im Rest der ersten Halbzeit sowie die hektischen Bemühungen und vielen falschen Entscheidungen im zweiten Durchgang taten ein Übriges. „Mit dem Elfmeter hat das Spiel eine Dynamik bekommen, die man im Pokal schon öfter erlebt hat“, sagte Sandro Schwarz, dessen Akteure in der Schlussphase wild an-, sich aber zu häufig festrannten.

          Sascha Hildmann sprach seiner Mannschaft ein „riesengroßes Kompliment“ aus. Sie habe „mit großer Mentalität Betze-Fußball gezeigt hat. Das war Balsam auf die Fanseele.“ Die Fans auf der anderen Seite hingegen mussten auch noch mit der Demütigung leben, dass ausgerechnet die Lauterer Feuerwehr das von einem Bengalo getroffene Riesenbanner am Zaun davor bewahrte, in Flammen aufzugehen.

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