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Mainz 05 : Ein großer Sieg dank Tuchels Crashkurs

Alpenschütze: Andreas Ivanschitz feiert seinen Treffer gegen die Bayern mit Florian Heller (links) Bild: REUTERS

4-1-4-1 - so lautete die Grundlage des Mainzer Erfolgs gegen die Bayern. Aus dieser Ordnung heraus setzten die Nullfünfer dem Gegner schon bei dessen Spielaufbau mit erstaunlich mutigem Pressing derart zu, dass der Rekordmeister lange Zeit überhaupt nicht ins Spiel fand.

          Als die Münchner Bayern nach der 1:2-Niederlage in Mainz in ihre Kabine geflüchtet waren, da ging die Party im Bruchwegstadion richtig los. Präsident Harald Strutz jubelte über den ersten Pflichtspiel-Sieg seines 104 Jahre alten Klubs gegen die Bayern und sagte, „dass dieses Erlebnis noch gefehlt hat in meinen 21 Jahren als Präsident“. Die rund 18.500 Mainz-Sympathisanten unter den 20 300 Zuschauern feierten derweil ihre Mannschaft, baten statt wie üblich nur einen Helden des Tages mit feinem Gespür die gesamte Mannschaft auf den Zaun des Fanblocks. Nur einer fehlte bei dem in Mainz üblichen Jubelritual: Trainer Thomas Tuchel. „Ich bin heute keinen einzigen Meter gelaufen, habe keinen Zweikampf geführt, kein Tor vorbereitet und kein Tor geschossen“, sagte Tuchel. „Deshalb soll sich die Mannschaft da feiern lassen.“

          So bescheiden sich Tuchel bei der Feier zurückhielt, so fraglos ist der erste Sieg der Mainzer in einem Pflichtspiel gegen die Bayern das Verdienst des Jungtrainers. Der 35 Jahre alte, zuvor nur im Jugendbereich tätige Fußballlehrer hat es verstanden, der Mannschaft binnen kürzester Zeit seit seinem Dienstantritt als Nachfolger des beurlaubten Aufstiegstrainers Jörn Andersen einen nach eigenen Worten „taktischen Crashkurs“ zu vermitteln, der dem Team gegen die Bayern zu einem beeindruckenden Auftritt verhalf.

          Aus einer 4-1-4-1-Ordnung heraus setzten die Mainzer dem Gegner schon bei dessen Spielaufbau mit erstaunlich mutigem Pressing derart zu, dass der Rekordmeister lange Zeit überhaupt nicht ins Spiel fand. Immer wieder unterliefen beispielsweise einem international erfahrenen Mann wie Innenverteidiger Daniel van Buyten Abspielfehler im Spielaufbau, weil er angesichts einer Überzahl an gegnerischen Akteuren den Durchblick verlor. „Wir wollten die Bayern schon in ihrer Innenverteidigung früh anlaufen und ihnen immer wieder Nadelstiche versetzen. Ich freue mich, dass unser Matchplan geklappt hat“, sagte Tuchel. „Ich bin nicht überrascht, dass wir gewonnen haben, ich bin aber im Nachhinein sehr stolz auf meine Mannschaft.“ Dazu hatte der Trainer allen Grund: Bei allem läuferischen Einsatz vergaßen sie nicht, sich spielerisch ihre Chancen zu erarbeiten. Beim 1:0, das der starke österreichische Spielmacher Andreas Ivanschitz in der 25. Minute nach einem wunderschönen Pass von André Schürrle erzielte, half freilich auch Bayern-Torwart Michael Rensing kräftig mit. Die alles andere als unumstrittene Nummer eins der Münchner ließ den Schuss unter seinen Händen hindurch ins Tor gleiten. Beim zweiten Tor in der 38. Minute war Rensing hingegen machtlos, als Aristide Bancé den Ball nach Flanke von Florian Heller unhaltbar einköpfte. „Ich hatte vorher schon drei große Torchancen, aber nicht getroffen“, sagte der erstmals von Beginn an eingesetzte Torjäger nach dem Spiel. „Deshalb war ich sehr erleichtert, als ich das 2:0 gemacht und der Mannschaft damit geholfen habe.“ Diesen Vorsprung hatten die Mainzer auch dringend nötig, weil ihnen in der zweiten Halbzeit nach dem frühen Anschlusstreffer für die Bayern durch ein Eigentor des Innenverteidigers Nikolce Noveski (47.) zusehends die Kräfte ausgingen. Torwart Heinz Müller verhinderte jedoch mit mehreren Glanztaten, dass die Mainzer noch um den Lohn ihres Einsatzes gebracht worden sind. „Ich war aber nur ein Element von vielen“, sagte Müller und wehrte die Lobeshymnen ab. „Wir haben als Mannschaft den Plan des Trainers vor allem in der ersten Halbzeit sensationell gut umgesetzt.“ So gut, dass Manager Christian Heidel es sogar verkraftet hätte, wenn seine Mannschaft noch eine Niederlage eingesteckt hätte. „Selbst wenn wir in der zweiten Halbzeit noch fünf Dinger kassiert hätten, dann würde ich jetzt trotzdem hier stehen und attestieren, dass Mainz 05 wieder lebt“, sagte Heidel.

          Mit dem ersten Saisonsieg im Rücken und nunmehr fünf Punkten auf dem Konto fiel es dem starken Mann am Bruchweg indes noch viel leichter, eine erste kleine Zwischenbilanz nach drei turbulenten Wochen zwischen Trainerentlassung und Sieg gegen die Bayern zu ziehen.

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