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Mainz 05 : Der Fluch der guten Hinrundentaten

Auch gegen München? Schürrle und Co. beim Torjubel gegen Köln. Bild: DPA

Der FSV Mainz 05 empfängt Bayern München, und die Kräfteverhältnisse sind wiederhergestellt. Den Rheinhessen könnte dies dank der ganz speziellen Ausgangslage sogar gelegen sein.

          Wenn sich Mainz 05 und Bayern München an diesem Samstag von 18.30 Uhr an im Bruchwegstadion gegenüberstehen, dann sind die Verhältnisse zumindest formal wieder zurechtgerückt. Der deutsche Rekordmeister steht als Tabellendritter zwei Ränge oberhalb der Rheinhessen, was im Saisonverlauf lange Zeit nicht der Fall war. Vor allem aber gehen sie drei Tage vor ihrem Achtelfinalduell in der Champions League gegen Inter Mailand als der große Favorit ins Spiel.

          Vor einem halben Jahr war das noch ganz anders: Da reiste Mainz 05 mit dem Selbstbewusstsein der ersten Tabellenführung der Vereinsgeschichte im Rücken nach München, genauer gesagt flogen sie frech erst am Morgen des Spieltags von Egelsbach aus ein, um ihren sportlichen Höhenflug fortzusetzen. „Wir hatten damals fünf Siege in Serie im Rücken und sind da mit großem Selbstvertrauen als Tabellenführer angereist“, erinnert sich Trainer Thomas Tuchel an den 25. September. Sein Team spielte in der Arena in München-Fröttmanning dann tatsächlich so stark wie nur wenige Mannschaften in den vergangenen Jahren. Der Lohn für ein extrem mutiges Pressing gegen die Münchner war ein 2:1-Sieg nach Toren von Sami Allagui und Adam Szalai. Plötzlich war Mainz 05 in ganz Europa Gesprächsthema, eine Woche später stellte der Klub noch den Bundesligarekord von sieben Siegen zum Auftakt einer Spielzeit ein.

          Eine recht normale Ausbeute

          Die Schattenseite der schönen Erfolge war freilich, dass die Mannschaft als in München siegreicher Tabellenführer endgültig ihr Außenseiterdasein los war. Fortan ging Mainz 05 als Favorit in die Spiele, die Gegner agierten betont defensiv, was den Mainzern nicht sonderlich behagte. „Der Sieg gegen Bayern München hatte sicher eine gewisse Wirkung auf die gesamte Bundesliga“, sagte kürzlich auch Kapitän Nikolce Noveski. „Das war unser größter Sieg, aber auch ein Nachteil für die folgenden Wochen.“

          Tatsächlich hat Mainz 05 in den folgenden 16 Spielen bis zum abermaligen Aufeinandertreffen mit den Bayern lediglich eine recht normale Ausbeute von 19 Punkten erzielt und Punkt um Punkt Boden verloren in der Tabelle. Als Fünfter hält sich der Verein so gerade noch in den Europapokalrängen. Manch eine Niederlage dürfte auf dem Weg nach unten auch dem Fluch der guten Hinrundentaten geschuldet sein.

          Es wäre ein höchst seltener Erfolg

          Nun ist der Klub im Rückspiel gegen Bayern München erstmals seit den Erfolgen in den ersten Wochen der Saison wieder in der Rolle des Außenseiters, die den Mainzern vor allem auch aufgrund ihres Spielstils besser behagt. André Schürrle, Lewis Holtby und die andern 6 sind vor allem dann stark, wenn sie den Gegner in dessen Offensivbemühungen früh stören und schnell auf Gegenangriff umschalten können. Tiefstehende und destruktive Gegner, die den Mainzern die alleinige Verantwortung für die Spielgestaltung überlassen, liegen den Mainzern hingegen nicht. Beim Gegner Bayern München dürfte diese Gefahr nicht bestehen, zumal der Klub seit wenigen Wochen endlich wieder mal auf seine offensiven Spitzenkräfte Franck Ribéry und Arjen Robben zurückgreifen kann. „Natürlich sind wir mit den beiden viel gefährlicher“, sagt auch Bayern-Kapitän Philipp Lahm (siehe auch unten stehendes Interview). „Das sind zwei sehr gute und unberechenbare Spieler, die sehr kreativ sind und mehrere Männer auf sich ziehen. Deshalb sind wir froh, dass sie wieder an Bord sind.“

          Möglicherweise liegt freilich genau in dieser Konstellation die Chance für Mainz 05. Thomas Tuchel hinterließ jedenfalls in dieser Woche nicht den Eindruck der Ratlosigkeit, wenn er auf die Strategie seines Teams angesprochen wurde. „Wir werden sicher nicht verraten, was wir machen“, sagt der Fußballlehrer. Aber sie können sicher sein, dass wir uns was einfallen lassen.“

          Sollte das Rezept zum Sieg führen, würde Mainz 05 übrigens ein höchst seltener Erfolg gelingen. Zwei Niederlagen gegen denselben Gegner in einer Saison musste Bayern München zuletzt in der Spielzeit 2005/06 gegen den Hamburger SV hinnehmen.

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