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Mainz 05 : Heidel würde auch nach Sibirien mitfahren

Ein wenig in Turbulenzen: Mainz 05 fürchtet um seine Innenverteidiger wie Niko Bungert (Mitte) Bild: dpa

Mainz 05 und die Europa-League-Qualifikation: Das ist eine schwierige Beziehung. Im Klub fürchten viele die Reisen durch Europa in der Saisonvorbereitung. Der scheidende Manager Christian Heidel wäre freilich überall als Fan dabei.

          Ein Trainingslager werden sie nicht beziehen. Mainz 05 macht schließlich nicht jeden Modetrend mit. Und Mallorca, beim kommenden Gegner VfB Stuttgart eine nicht gerade erfolgreiche Maßnahme, wenn man das folgende 2:6 bei Werder Bremen als Maßstab nimmt, stand sowieso nicht zur Debatte. „Es wäre Aktionismus, wenn wir jetzt zwei Tage an eine Klosterpforte klopfen würden“, sagt Trainer Martin Schmidt.

          Stattdessen lecken die Mainzer die Wunden der vergangenen vier Wochen ohne Erfolgserlebnis auf dem heimischen Trainingsgelände. Vornehmlich für die Innenverteidiger Niko Bungert und Stefan Bell steht dabei Schonung auf dem Programm, weil der Klub derzeit keine weiteren Spezialisten für diese neuralgische Position zur Verfügung hat, wo es auf Erfahrung und Routine in den Abläufen ankommt. Bell hat sich im Spiel gegen den HSV eine Fußprellung zugezogen, Bungert lief nach dem Spiel mit blutverschmierter Kapitänsbinde und ebenso rot gefärbtem Trikot durch die Katakomben und hatte sich eine Nasenprellung zugezogen. „Wir können in der Abwehr kein Risiko mehr eingehen“, begründete Schmidt, weshalb er seine Abwehrrecken zu Wochenbeginn aus dem Mannschafsttraining nahm, um weitere schmerzhafte Körperkontake zu vermeiden. 

          Arbeit an der Psyche

          Ohenhin geht es für die Mainzer weniger um körperliche Beanspruchung, denn Arbeit an der Psyche. „Uns fehlt die Leichtigkeit der vergangenen Wochen“, hatte Bungert am Samstag gesagt. Und deshalb wartet Mainz 05 nun seit mittlerweile vier Spielen auf einen Sieg. Im Rennen um die Europapokalplätze ist der Klub deshalb nun auf jenen Rang sieben abgerutscht, der den Mainzern vor einer möglichen Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League zwei Qualifikationsrunden aufbürden würde.

          An diese Ausscheidungsspiele hat der Klub alles andere als gute Erinnerungen, weil 2011 und 2014 bei vermeintlichen Underdogs aus dem rumänischen Medias und dem griechischen Tripolis Endstation war und die Mainzer es verpassten, die attraktive Belohnung für vorangegangene starke Spielzeiten zu sichern. Im Klub fürchten einige eine abermalige Qualifikationsteilnahme nun gar so sehr, dass sie im Zweifelsfall einen achten Rang ohne internationalen Fußball einem siebten vorziehen würden.

          Der erste Pokal in 24 Jahren Manager-Tätigkeit: Christian Heidel erhält vom Mainzer Oberbürgermeister Ebling die Gutenberg-Statuette

          Ein Abrutschen aus den Europapokalplätzen ist angesichts von fünf Punkten Vorsprung vor dem einzigen „Verfolger“ 1. FC Köln sehr unwahrscheinlich. Stattdessen versucht Trainer Martin Schmidt, Kräfte zu mobilisieren für eine Rangverbesserung durch einen starken Endspurt. „Ich freue mich auf das Halbfinale in Stuttgart und das Finale gegen Berlin“, sagte er mit Blick auf die beiden abschließenden Spiele. Tatsächlich wäre bei zwei Siegen Rang sechs und die direkte Qualifikation für die Gruppenphase gesichert, da Hertha BSC derzeit bei drei Punkten Vorsprung und schlechterer Tordifferenz überholt werden würde.

          Heidel freut sich auf die Europa-League-Qualifikation

          Manager Christian Heidel baut selbst für den Fall eines Saisonabschlusses auf Rang sieben gegen eventuelle Nörgler im Umfeld des Klubs vor, die in den vergangenen Wochen den Eindruck einer gewissen Unzufriedenheit mit dem Erreichten erwecken. Heidel hatte schon vor dem HSV-Spiel kritisiert, dass ihm die Begeisterung über eine abermals gute Saison in Mainz fehle. „Wenn wir tatsächlich zum vierten Mal in gut zehn Jahren im Europapokal spielen würden, dann wäre das ein Riesenerfolg. Das lasse ich uns nicht kaputtreden“, sagte Heidel.

          Um seine Worte zu untermauern, kündigte Heidel, der am Tag vor dem Spiel gegen den HSV von der Stadt Mainz für seine Verdienste um Stadt und Verein mit der Gutenberg-Statuette - Spötter sprechen vom ersten Pokal in 24 Jahren Managertätigkeit - geehrt wurde, sogar noch eine erste internationale Auswärtsfahrt als reiner Mainz-05-Fan an. „Wenn es meine Zeit in der Saisonvorbereitung von Schalke erlaubt, fahre ich auf jeden Fall zum ersten Qualifikationsspiel mit. Selbst wenn es in Sibirien ist.“

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