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0:3 in Augsburg : Mainzer „Handballer“ verlieren nach Elfmeterschießen

Elfmeterspezialist: Der Augsburger Alfred Finnbogason schießt Mainz 05 vom Elfmeterpunkt aus ab. Bild: EPA

Mainz 05 erlebt im Schneetreiben von Augsburg ein Debakel: Ein Nachmittag voller Missgeschicke beginnt mit zwei Handelfmetern. Augsburg beendet im ersten Spiel mit Ko-Trainer Lehmann die Negativserie.

          Sandro Schwarz scherzte vor dem Spiel seines FSV Mainz 05 beim FC Augsburg auf Nachfrage zum Einfluss des neuen Augsburger Ko-Trainers Jens Lehmann noch: „Elfmeterschießen gibt es heute nicht.“ Schwarz spielte auf den berühmtesten Moment in Lehmanns Karriere im Elfmeterschießen des Viertelfinales gegen Argentinien bei der Heim-WM 2006 an, als der deutsche Schlussmann dank eines Papierzettels im Schienbeinschoner die entscheidenden Elfmeter hielt. Am Sonntag beim 3:0-Sieg des FC Augsburg über Mainz 05 nun hätte Lehmann seinem neuen Schützling Alfred Finnbogason nicht einmal mit einem Zettel helfen können, da dieser im Schneetreiben wohl schon vor Beginn des „Elfmeterschießens“ durchgeweicht und unleserlich geworden wäre.

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          Der isländische Torjäger aber brauchte solche Hilfe auch gar nicht. Er verwandelte seine Strafstöße Nummer sieben (8. Minute) und acht (34.) in Serie ohne Fehlschuss, ehe er später mit seinem dritten Treffer in der 54. Minute nach einem formidablen Konter und einer Vorarbeit durch Jan Moravek den ersten Augsburger Erfolg seit einem Sieg im DFB-Pokal im Oktober endgültig sicherte. Auch damals hieß der Gegner beim 3:2-Erfolg nach Verlängerung Mainz 05, weswegen die Augsburger bereits am Mittwoch wieder ran müssen. Im Achtelfinale sind sie in Kiel (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und bei Sky) gefordert. "Es ist ein Wahnsinn, dass meine Mannschaft nach einer so turbulenten Woche so eine Leistung bringt. Das spricht für den Charakter der Mannschaft", sagte Baum nach dem Schlusspfiff erleichtert bei Sky. „Wir sind von Anfang an überhaupt nicht ins Spiel gekommen. Wir haben es einfach verpasst, energisch und aggressiv zu spielen“, sagte der Mainzer Innenverteidiger Alexander Hack.

          Slapstick-Einlagen der Mainzer

          Vor allem die Elfmeter passten in ihrer Entstehung zu einem Mainzer Nachmittag voller Missgeschicke: Die zuletzt so stabilen und formstarken Rheinhessen waren vom Anpfiff weg nicht wirklich auf dem Platz, so als ob sie im Schneetreiben den Überblick verloren hatten oder aber die Vorbereitung durch ein Trainerteam ohne den von Dienstag bis Freitag erkrankt fehlenden Trainer Schwarz keine Konzentration auf das Spiel zuließ. Daniel Brosinski, als Vertreter des gesperrten Stefan Bell als Kapitän auf dem Feld, blockte den Ball nach einer Hereingabe von Dong-won Ji mit dem ausgestreckten rechten Arm ins Aus. Schiedsrichter Sören Storks entschied auf Handelfmeter, worüber man zumindest aus Mainzer Sicht streiten konnte. In Relation beispielsweise zum nicht geahndeten Handspiel von Mats Hummels am Samstag in Leverkusen war die Entscheidung in jedem Fall sehr hart. Der Videoassistent im Kölner Keller schaltete sich jedoch offensichtlich nicht in den Entscheidungsprozess ein. Den Strafstoß verwandelte Finnbogason souverän. „Das war für mich kein Elfmeter. Er wird aus einem halben Meter angeschossen und dann prallt der Ball vom eigenen Körper an die Hand“, sagte Trainer Schwarz.

          Beim nächsten Handelfmeter war es schließlich der Videoassistent, der Schiedsrichter Storks an den Fernsehbildschirm in der sogenannten Review Area bat. Dieses Mal bekam der mit dem Rücken zum Geschehen hochgesprungene Moussa Niakhaté einen von einem Augsburger per Kopf verlängerten Ball an den Arm. Auch dieser Elfmeter war sehr hart. Der Ball war schließlich im freien Flug Richtung Eckfahne, als Niakhaté am Arm getroffen wurde. Gerechtfertigt war er dennoch.

          Wäre er mal besser im Bett geblieben: Der Mainzer Trainer Sandro Schwarz musste nach seiner Grippe unter der Woche die schlechteste Saisonleistung seines Teams mit ansehen. Bilderstrecke

          Die Rheinhessen vervollständigten ihr 45-Minuten-Slapstick-Programm noch durch einen Zusammenprall zwischen Niakhaté und Danny Latza, nach dem Letzerer sichtlich benommen das Feld räumen musste für den eingewechselten Offensivspieler Alexandru Maxim. Der Spielgestalter brachte umgehend wenigstens etwas Schwung ins Mainzer Spiel, nach einem Zuspiel des Rumänen ging Ridle Baku noch vor dem Pausenpfiff im Strafraum zu Boden. Eine Fortsetzung des Elfmeterschießens dieses Mal auf der anderen Seite blieb den Mainzern jedoch verwehrt.

          Stattdessen mussten sich die am Dienstag auf der vereinseigenen Fastnachtssitzung noch so geschlossen aufgetretenen Mainzer bei ihrem Torhüter bedanken, dass die Auflösungserscheinungen später nur noch durch Finnbogasons dritten Treffer bestraft wurden. Florian Müller verhinderte mehrfach mit Glanzparaden eine noch deutlichere Niederlage nach der schlechtesten Saisonleistung seiner Mannschaft.

          „Für mich war der erste Elfmeter eine ganz klare Fehlentscheidung“, sagte Sportvorstand Rouven Schröder, der freilich nicht nach Ausreden für das enttäuschende Auftreten seines Teams suchte. „Wir sind einfach nicht ins Spiel gekommen. Ich bin froh, dass es am Freitag direkt weitergeht. Da müssen wir es dann wieder besser machen“ Dann kommt Bayer Leverkusen nach Mainz. Obgleich beide Klubs auch eine zumindest bei den Damen erfolgreiche Handballabteilung  haben, sollten sich die Mainzer dann wieder auf Fußball besinnen.

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