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Fußball : Mainz 05 und die Torschlusspanik

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Gemischte Gefühle: Trainer Andersen ist vor der Winterpause mit der Punktausbeute unzufrieden Bild: dpa

Die Fußballprofis von Trainer Andersen haben auch beim Spiel in Oberhausen Probleme, ihre Spielstärke gewinnbringend umzusetzen. Dass die Mainzer Stürmer Aristide Bancé und Felix Borja in den jüngsten Spielen überwiegend glücklos waren, gehört gleichfalls zur Analyse der Spieltage eins bis siebzehn.

          Wer wissen möchte, wie es in der Fußball-Bundesliga im traditionsreichen Westen vor der Zeit des großen Geldes gewesen ist, sollte sich bei Rot-Weiß Oberhausen, genauer: im Stadion am Niederrhein, umsehen. Die Spielstätte entspricht nicht gerade modernem Zweitligastandard, der Saisonetat ist mit sechs Millionen Euro sehr schmal, und wie das Arbeitsmotto lautet, verrät die Stadionzeitung namens „Kleeblatt“ schon auf der Titelseite: „Wir haben alles außer Kohle“. Im Innenteil wird der Kader mit der Überschrift „Kolonne Luginger“ präsentiert, die Profis um Trainer Jürgen Luginger tragen verdreckte Trikots, als seien sie gerade dem Untertage-Bergwerk entstiegen.

          Beim Ligakonkurrenten FSV Mainz 05 ist dies alles ein wenig anders, in Abwandlung des Oberhausener Auftrags lässt sich zur Winterpause feststellen: „Wir haben alles – außer mehr Punkten.“ Respektable 31 sind es dennoch. Die Herbstmeisterschaft war den Verantwortlichen am Bruchweg von Anfang an egal. Denn eines zeigte die 1:2-Niederlage abermals in aller Deutlichkeit: Mainz 05 hat zu selten die Qualität, Überlegenheit gewinnbringend umzusetzen. „Am Ende haben wir nicht die Punkte geholt, die wir hätten holen können und müssen“, sagt Manager Christian Heidel leicht frustriert.

          Bulliger Angreifer

          In Oberhausen fiel das entscheidende Gegentor in der 85. Minute, eine Woche zuvor, beim 0:1 gegen Greuther Fürth, in der Nachspielzeit, ebenso wie der 2:2-Ausgleich für den FC St. Pauli am 23. November. Und bereits am vierten Spieltag, auswärts beim FC Hansa Rostock, wurde in der Schlussphase aus der 2:0-Führung noch ein 2:2. Die Tore für Rostock fielen in der 81. und 85. Minute. Noch ein Beispiel gefällig? Zum Ligastart schenkte Mainz 05 gegen den 1. FC Kaiserslautern seine 3:0-Pausenführung her, erreichte nur ein 3:3. „Wir haben zweimal kurz vor Schluss Spiele abgeben“, sagt Heidel und meint damit Oberhausen und Fürth. „Aber jetzt kennen wir unsere Hausaufgaben.“ Denn in der Summe sind es acht Punkte, die in der Hinrunde durch individuelle Patzer, falsch interpretierten Offensivdrang, fehlende Absicherung und Stellungsfehler bei Standardsituationen hergeschenkt wurden.

          Dass die Mainzer Stürmer Aristide Bancé und Felix Borja in den jüngsten Spielen überwiegend glücklos waren, gehört gleichfalls zur Analyse der Spieltage eins bis siebzehn. Wobei für Bancé mildernde Umstände gelten, denn dem bulligen Angreifer werden mittlerweile mehr als fünfzig Prozent seiner Offensivaktionen abgepfiffen. Überwiegend ohne nachvollziehbare Gründe. „Mich regt das auf, das ist lächerlich“, sagt Andersen. In Oberhausen musste er in der Pause beruhigend auf Bancé einwirken, damit dieser nicht die Contenance verlor. Assistenztrainer Jürgen Kramny hatte zuvor den Schiedsrichter gefragt, ob Bancé „überhaupt noch mitspielen darf“.

          Aufstieg in Bundesliga

          Und so hat sich der Mainzer Trainer mit durchaus gemischten Gefühlen in die Winterpause verabschiedet. „Punktemäßig bin ich nicht zufrieden“, sagt Andersen. In Erinnerung geblieben ist ihm allerdings nur ein richtig „schlechtes Spiel“, die Heimniederlage gegen den FC Ingolstadt. „Aber wir haben 31 Punkte, das hätte vor der Saison wohl jeder unterschrieben“, sagt Kapitän Dimo Wache. Vor der Saison, im späten Mai, als Andersen auf den langjährigen Kulttrainer Jürgen Klopp gefolgt war und „uns alle prophezeit haben, dass wir uns ab Mitte September wegen des breiten Kaders hier die Köpfe einhauen“ (Heidel). Es ist anders gekommen, weitaus positiver, als viele Skeptiker glaubten. „Doch es hätte ein größerer Vorsprung sein müssen“, sagt Andersen mit Blick auf die Tabelle und unabhängig vom Ergebnis des Spitzenspiels 1. FC Kaiserslautern gegen SC Freiburg. Mainz auf hohem Niveau zu stabilisieren, das ist zuletzt nicht gelungen. „Hoch zu kommen ist einfach, oben bleiben sehr, sehr schwer“, sagt Andersen.

          Und die Rückrunde? Bereits am 27. Januar steht das Achtelfinalspiel im DFB-Pokal beim SC Freiburg an, in die zweite Liga startet Mainz 05 am 2. Februar beim 1. FC Kaiserslautern. Andersen hofft auf die Rückkehr des verletzten Konterstürmers Chadli Amri und auf das Comeback von Mittelfeldspieler Daniel Gunkel. Er möchte mehr Heimsiege – nur drei waren es in der Hinrunde – und die Auswärtsstärke konservieren. Der Aufstieg in die Bundesliga, das propagierte Saisonziel, ist längst realistisch geworden. Nur sollten Dominanz, personelle Qualität und Spielstärke einfach häufiger in Punkte umgesetzt werden.

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