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5:0 gegen Freiburg : Bei Mainz ist jeder Schuss ein Treffer

Jean-Philippe Mateta erzielte gleich drei der fünf Mainzer Tore. Bild: dpa

Der Lieblingsgegner bringt den Mainzern wieder jede Menge Freude und vertreibt die aufkommende Abstiegsangst: Der sehr effiziente FSV besiegt Freiburg mit 5:0. Dabei ragen gleich zwei Spieler heraus.

          Mainz 05 hat erste aufkommende Abstiegsangst in der Fußball-Bundesliga nach zuvor vier Niederlagen in Serie gegen den Lieblingsgegner SC Freiburg mit einem 5:0-Sieg nach Toren von Jean-Paul Boetius (19. Minute) und Jean-Philippe Mateta (26./33./77.) sowie Karim Onisiwo (73.) gebannt. Auch nach zehn Bundesligaduellen der beiden bezüglich finanzieller wie sportlicher Ausgangsbedingungen so ähnlichen Klubs wartet Freiburg auf einen ersten Auswärtserfolg in Mainz . Die Rheinhessen stellten vor 27.000 Zuschauern ihren Bundesligarekordsieg über den gleichen Gegner aus dem Jahr 2005 ein und übernahmen vom Gegner Tabellenplatz zwölf. „Das war wichtig nach den vergangenen Wochen. Es war ein sehr komisches Spiel, man hat am Anfang gemerkt, dass wir nicht das allergrößte Selbstbewusstsein gehabt haben“, sagte der Mainzer Trainer Sandro Schwarz bei Eurosport. Sportvorstand Rouven Schröder lenkte den Blick umgehend voraus und sagte, dass das Team jetzt große Lust habe, sich kommende Woche bei Borussia Dortmund „dagegenzustemmen“. „Die haben ja schließlich noch was vor“, sagte Schröder. Im Vorjahr hatten die Mainzer erstmals im Westfalenstadion gewonnen.

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          Es war nicht nur das eigene Gewand, das Schwarz nach dem Negativlauf der vergangenen Wochen verändert hatte. Der im schwarzen Mantel statt dem üblichen Trainingsanzug an der Seitenlinie stehende Trainer gab auch seiner Mannschaft ein neues Gesicht. Er verordnete Innenverteidiger Stefan Bell nach zuletzt schwachen Leistungen und womöglich auch wegen manch einer zu wenig selbstkritischen und stattdessen in Richtung der vermeintlich zu wenig durchschlagskräftigen offensiven Mitspieler zielenden Äußerungen eine Denkpause.

          Bell stand nicht einmal im Kader, während der ebenfalls sonst gesetzte Rechtsverteidiger Daniel Brosinski immerhin noch auf der Bank Platz nehmen durfte. Beiden Spielern hatte Schwarz die Entscheidung vorab in Vier-Augen-Gesprächen mit „sportlichen Gründen“ erklärt. Die Kapitänsbinde streifte stattdessen Niko Bungert erst zum zweiten Mal in dieser Saison nach einem Startelfeinsatz an Spieltag drei über. Er setzte dann auch auf seine ureigene Weise ein Zeichen, als er in der 29. Minute per Grätsche gegen Christian Günter rettete. „Ich war heißt auf dieses Spiel, ich habe mich seit Monaten auf diesen Moment vorbereitet, dass ich mal wieder spiele und der Mannschaft helfen kann“, sagte Bungert.

          Zu diesem Zeitpunkt führte Mainz 05 auch schon etwas schmeichelhaft mit 2:0. Nach einer dominanten Anfangsphase seiner Vorderleute mit einigen Großchancen hatte Gästeschlussmann Alexander Schwolow durch einen völlig missratenen Befreiungsschlag Boetius zum 1:0 eingeladen. Der Niederländer musste den Ball aus 30 Metern nur noch ins von Schwolow verlassene Tor schieben. Sieben Minuten später erhöhte Jean-Philippe Mateta nach einem wunderbaren Pass von Boetius auf 2:0. In dieser Situation nutzten die Rheinhessen ihre auffälligen Geschwindigkeitsvorteile gegenüber den Freiburgern effizient aus. Zudem half die Umstellung von einer Grundordnung mit Raute im Mittelfeld auf ein 4-4-2, um das Freiburger Kombinationsspiel vor dem Mainzer Strafraum in den Griff zu bekommen, das die Mainzer in den ersten 20 Minuten in arge Bedrängnis gebracht hatte.

          Nach Bungerts von den Fans mit Szenenapplaus bedachter Grätsche traf Mateta schließlich ein weiteres Mal. Er drosch den Ball nach Vorarbeit von Aaron aus fünf Metern unter die Latte. Auslöser des Angriffs war abermals der überragende Boetius, der das Spiel mit einem Tempolauf über die linke Außenbahn und einem Pass auf Aaron beschleunigt hatte. Mainz 05 hatte zu jenem Zeitpunkt nur 27 Prozent Ballbesitz, war in Zweikämpfen statistisch deutlich unterlegen und hatte nur 91 gegen 243 gelungene Pässe auf dem Konto. Die Relation der Werte änderten sich bis zum Spielende kaum. „Wir sind aber mehr gelaufen und das will was heißen gegen Freiburg“ sagte Trainer Schwarz mit Blick auf die Laufwerte. Anfangs waren die Rheinhessen dabei vornehmlich hinterhergelaufen, später den Breisgauern meist flink entwischt.

          Das 4:0 erzielte in Halbzeit zwei, in der Freiburg tapfer weiterkämpfte und seiner offensiven Linie treu blieb, der eingewechselte Karim Onisiwo, ehe Mateta seine Galavorstellung mit seinem dritten Treffer des Abends und dem zehnten Saisontor krönte – es war der fünfte Mainzer Torschuss auf das Tor der Freiburger, alle waren drin. „Ich bin sehr stolz, dass ich heute drei Tore erzielt habe. Ich bin heute meinem Auftrag nachgekommen, Tore zu erzielen“, sagte Mateta.

          „Wir haben individuelle Fehler gemacht, das passiert. Aber das Ergebnis ist nach den guten ersten 20 Minuten bitter. Aber wir verlieren lieber einmal 0:5 als fünfmal 0:1“, sagte der Freiburger Dominique Heintz. Auch sein Trainer war enttäuscht: „Wir haben gut angefangen, gut strukturiert. Dann kriegen wir das 0:1 und danach Tore, die die große Qualität der Mainzer zeigen. Wir haben Riesenchancen vergeben und dann hochverdient verloren – was soll man bei einem 0:5 auch sagen?“, sagte Christian Streich.

          So klar, wie Mainz 05 das Spiel letztlich gewann, so vermeintlich deutlich äußerte sich Sportvorstand Schröder zuvor zu Gerüchten um einen Wechsel nach Mönchengladbach. „Einer schreibt es, andere bringen es mit Ausrufezeichen“, sagte er vor Spielbeginn bei Eurosport. „Fakt ist, dass ich hier einen langfristigen Vertrag habe und mich nicht dazu äußern muss.“ Nach dem Spiel freilich fügte Schröder auf die Frage, warum er nicht klipp und klar seinen Verbleib bestätigen könne, einen Satz hinzu, der rätselhaft klang. „Im vergangenen Jahr habe ich mich genauso geäußert.“ Damals bleib Schröder Mainz 05 treu. Allerdings gestand er später ein, dass er wochenlang mit sich gerungen habe bezüglich seiner Zukunft.

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