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0:2 gegen Mainz : Frankfurt verspielt die große Chance

  • -Aktualisiert am

Hatten den Mainzern nichts entgegenzusetzen: Die Spieler der Eintracht beim Derby in Frankfurt Bild: EPA

Bei einem Sieg hätte die Eintracht sicher auch in der nächsten Saison international gespielt. Doch gegen starke Mainzer fehlt Kraft und Konzentration. Nun wartet eine große Herausforderung.

          Von wegen Nachbarschaftshilfe: Der FSV Mainz 05 hat der Frankfurter Eintracht die große Chance verhagelt, vorzeitig den Einzug in die Europa League zu sichern. Die Rheinhessen besiegten die Eintracht in der Frankfurter Arena 2:0 durch die beiden Tore ihres Stürmers Ujah (53. und 57. Minute).

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          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Drei Tage nach ihrem unglücklichen Ausscheiden im Halbfinale der Europa League gegen den FC Chelsea nach Elfmeterschießen wirkten die Profis von Trainer Hütter nach einer starken Anfangsphase mit zunehmendem Spielverlauf immer ausgelaugter. Zahlreiche Konzentrationsfehler unterbrachen den Spielfluss. Noch können die Frankfurter sogar die Champions League erreichen, aber am Ende einer Kräfte zehrenden Saison erscheint es angesichts des Auswärtsspiels bei Bayern München wahrscheinlicher, am letzten Spieltag noch vom sechsten Tabellenplatz abzurutschen, nachdem sie am vorletzten vom vierten Rang zurückgefallen sind. „Jetzt müssen wir nochmal gegen Bayern alles raushauen. Wir können noch viel gewinnen aber auch sehr viel verlieren“, sagte Eintracht-Verteidiger Hinteregger, der anschließend erklärte, dass er mit einem Verbleib in Frankfurt rechne: „Stand jetzt gehe ich nicht davon aus, dass das hier mein letztes Heimspiel war.“

          Die organisierten und zuletzt so vorbildlichen Fans der Eintracht hatten sich für das letzte Heimspiel der Saison eine überaus kostspielige Choreographie ausgedacht. Zum Transparant „Unsere Farben“ hatten sie über die ganze Norwestkurve Rauchtöpfe verteilt, aus denen dichte Schwaden in weiß, rot und schwarz hervorquollen. So dicht, dass an den Anstoß nicht zu denken war. Bis sich der Rauch verzogen hatte und Schiedsrichter Osmers die Begegnung anpfeifen konnte, waren sechs Minuten vergangen. Der Verein wird die Rechnung dafür bekommen.

          Als es dann los ging, war von einer Frankfurter Müdigkeit zunächst nichts zu entdecken. Drei Tage nach dem dramatischen und kräftezehrenden 120 Minuten plus Elfmeterschießen in London beim FC Chelsea begann die Mannschaft von Trainer Hütter so elanvoll wie fast immer in dieser Saison. Kostic und Rebic wirbelten auf der linken Flanke die Mainzer Abwehr immer wieder durcheinander, ihnen gelang es, eine Hereingabe nach der anderen in den Mainzer Strafraum zu spielen. Dort allerdings agierten die Rheinhessen äußerst aufmerksam, der Frankfurter Mittelstürmer Jovic kam in den ersten 45 Minuten nur einmal halbwegs gefährlich an den Ball, in dieser Szene setzte er, hart bedrängt, einen Kopfball aber zu hoch an.

          In der 18. Minute jedoch hatten Frankfurter die Mainzer ausgespielt, und dazu war ein bewundernswerter Kraftakt von Kostic nötig gewesen. Nach dessen so butterweicher wie punktgenauer Flanke konnte der mitgelaufene Rebic den Ball völlig frei aus fünf Metern auf das Tor schießen – doch der Kroate verfehlte das Ziel haushoch. Näher sollte die Eintracht dem ersehnten Heimsieg danach nicht mehr kommen.

          Rote Wand: Der Spielbeginn verzögerte sich, weil die Frankfurter Fans gezündelt hatten.

          Möglicherweise hätten eine Führung viel verändert – aber so wurden die Aktionen der Frankfurter wurden von Minute zu Minute weniger zwingend. Mainz bekam schon in der ersten Halbzeit seine Chancen. In der zweiten nutzten die 05er sie. Ujah traf in der 53. und 57. Minute, nach Vorarbeit der athletischen Mateta und Gbamin, die sich, zwar bedrängt, aber doch nicht entscheidend gestört von der müde gewordenen Frankfurter Abwehr, nicht vom Ball hatten trennen lassen. „Wir haben uns nicht gut angestellt, das muss man natürlich viel besser verteidigen“, sagte Hinteregger anschließend.

          In diesen Augenblicken wurde der Substanzverlust durch die Europapokal-Schlachten des Frühjahrs bei den Frankfurtern ebenso sichtbar wie bei den nun folgenden verzweifelten Versuchen, den Rückstand noch aufzuholen. Es fehlten die letzten Prozent an Dynamik und an Konzentration, um die motivierten Nachbarn noch richtig unter Druck zu setzen. Die Rheinhessen hatten bei Kontern bessere Chancen auf das 3:0 als die Eintracht auf ihr erstes Tor. Daran vermochten auch die neu ins Spiel gebrachten Stürmer Haller und Paciencia nichts zu ändern. Auf der Zielgeraden droht die Eintracht alles zu verspielen, weil der Akku einfach leer ist.

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