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Mainz 05 : Die Rückkehr des Defensivarbeiters

Zaunkönig: Niko Bungert feiert nach dem Sieg gegen Freiburg mit Fans Bild: dpa

Niko Bungert steht beim Mainzer 5:0 über Freiburg seit langer Zeit wieder einmal in der Startformation und begeistert die 05-Fans. Und das nicht nur auf dem Platz.

          Beim 5:0-Sieg von Mainz 05 gegen den SC Freiburg gab es Grund zum Jubel für die Fans des rheinhessischen Bundesligavereins unter den 27 000 Zuschauern. Die drei Tore von Jean-Philippe Mateta, (26./33./77.) sowie die Treffer durch Jean-Paul Boetius (19. Minute) und Karim Onisiwo sorgten schließlich dafür, dass die Mainzer den höchsten Sieg-Rekord ihrer Bundesligageschichte eingestellt hatten. Schon 2005 hatte der SC Freiburg im alten Bruchwegstadion mit demselben Ergebnis verloren.

          Noch etwas emotionaler als die Freude über die Tore wirkte am Freitagabend der Jubel der Zuschauer über eine simple Grätsche. Mit einer solchen, gewissermaßen aus einer anderen Zeit stammenden Abwehraktion zog Niko Bungert nach einer halben Stunde die Aufmerksamkeit auf sich. Er unterbrach damit einen verheißungsvollen Sturmlauf des Freiburgers Pascal Stenzel und sicherte seinem Team die zwischenzeitliche 2:0-Führung. Die Fans huldigten ihrem Kapitän frenetisch, da Bungert erstmals seit dem dritten Spieltag der laufenden Saison wieder in der Startformation stand. „Das musste zu dem Zeitpunkt sein“, sagte Bungert später schmunzelnd.

          Ein bisschen geschwommen

          „Die ersten 25 Minuten haben sich nicht so gut angefühlt, wie es das Ergebnis am Ende vermuten lässt. Da sind wir ein bisschen geschwommen. Aber wir haben die Phase mit zäher, harter Arbeit überstanden.“ Das lag auch an Bungert, der nach seiner langen Zeit auf der Ersatzbank erstaunlich ruhig und abgeklärt seine Defensivaufgaben erledigte und mit öffnenden Pässen manche Offensivaktion einleitete. Wie vor dem 3:0. „Das war seit Wochen mein Ziel, noch mal wichtig zu werden auf dem Platz. Das war für mich heute ein besonderer Moment“, sagte Bungert nach seinem 163. Bundesligaeinsatz für den Klub.

          Trainer Sandro Schwarz verwies darauf, dass sich Bungert den Startelfeinsatz über Wochen erarbeitet habe. „Er ist immer drangeblieben, obwohl er bei mancher Härteentscheidung einige Male gar nicht in den Kader kam. Das war sehr bemerkenswert“, sagte Schwarz. Und so ist es gut möglich, dass Bungert in den verbleibenden sechs Saisonspielen einen Karriereausklang gestalten kann, wie er kaum noch möglich schien. Vor zwei Wochen hatte er erst seine Entscheidung verkündet, nach der Spielzeit als Trainee ins Klubmanagement zu wechseln. Die vielen Verletzungspausen der vergangenen drei Jahre haben den Innenverteidiger dazu bewogen, im Alter von 32 Jahren das Feld zu verlassen. Die nun mögliche Abschiedstournee Bungerts hängt freilich auch mit der Krise eines Mannschaftskollegen zusammen, der ein enger Vertrauter Bungerts im Team ist.

          Gründe für den Verzicht

          Stefan Bell, einige Jahre Bungerts Nebenmann in der Innenverteidigung und in den vergangenen beiden Spielzeiten Vertreter als Kapitän, stand gegen Freiburg nach zuletzt dürftigen Leistungen nicht einmal im Kader. Trainer Schwarz hatte dem 27 Jahre alten Abwehrspieler im Vieraugengespräch die sportlichen Gründe für den Verzicht erklärt. „Er hat sehr gut darauf reagiert, war heute vor dem Spiel auch an der Ersatzbank und hat uns unterstützt“, sagte Schwarz. Trotzdem dürfte Bell eine schwere Zeit im Kampf um seinen Stammplatz bevorstehen.

          Wenn Bungert nach Saisonende seinen Kaderplatz räumt, könnte Mainz 05 mit dem Etatposten eines gestandenen, gutbezahlten Spielers die finanziellen Mittel haben, um einen Innenverteidiger mit Stammplatzanspruch verpflichten zu können. Bell müsste sich also neu behaupten. Damit könnte eine Veränderung der Kaderhierarchie mit dem Kernteam an gestandenen deutschen Akteuren an der Spitze einhergehen, zu denen auch Danny Latza und der am Samstag ebenfalls aussortierte Daniel Brosinski zählen. Zuletzt hörte man aus diesem Kreis leise Kritik an der fehlenden Durchschlagskraft der Offensivabteilung, was als eine gewisse Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation gedeutet werden musste.

          Interesse aus Gladbach?

          Diese spannende Personalsituation muss Sportvorstand Rouven Schröder bei der Planung für die neue Saison im Blick haben, währen um dessen Zukunft Spekulationen in Umlauf gekommen sind. Mehrere Medien berichteten in den vergangenen Tagen von einem angeblichen Interesse von Borussia Mönchengladbach, Schröder als zweiten Mann hinter Max Eberl zu einem Wechsel zu bewegen. Der 43 Jahre alte Sportvorstand dementierte nicht deutlich, sondern kommentierte die Spekulationen auf jene kryptische Weise, die sich in der Fußballbranche eingebürgert hat. „Ich habe hier einen langfristigen Vertrag und das alles mit aufgebaut. Mehr muss ich dazu nicht sagen“, sagt der erst im Dezember mit einem neuen, bis 1. Juli 2022 gültigen Vertrag ausgestattete Schröder.

          Im vergangenen Jahr gestand er freilich ein, dass er eine Weile mit sich gerungen habe. Im Verein ist man gelassen und spielt die Gerüchte herunter. „Es gibt keinen Vorgang, den wir kommentieren müssen“, sagt Aufsichtsratschef Detlev Höhne auf Nachfrage.

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