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Mainz 05 : Erst der Doppelschlag, dann die Bierdusche

Hat gut lachen: Anthony Ujah nach seinem Tor zum 2:0. Bild: EPA

Anthony Ujah wird für Mainz zum Matchwinner. Er beschert den Rheinhessen das 2:0 im Nachbarschaftsderby.

          In der ersten Szene des Nachbarschaftsduells nach kaum zwei Spielminuten sah es so aus, als wollten die Mainzer entgegen der Ankündigung von Trainer Sandro Schwarz doch Spalier stehen zu Ehren der tragischen Europapokalhelden der Frankfurter Eintracht. Da ließen die Mainzer Abwehrspieler Daniel Brosinski und Moussa Niakhaté ihren Gegenspieler Ante Rebic so nett gewähren, wie es bei einem Spalier üblich ist. Nur dank des Einsatzes von Alexander Hack in höchster Not konnte Jovic den Ball nicht aus vier Metern einschieben.

          Die Szene war offensichtlich ein Weckruf für die Mainzer, die fortan in der Partie den etwas aufgeweckteren Eindruck hinterließen. In jedem Fall standen sie nicht in Ehrfurcht erstarrt auf dem Feld, damit die Eintracht den womöglich verdienten Lohn für eine bemerkenswerte Spielzeit hätte einfahren können in Form einer vorzeitig gesicherten Qualifikation für ein weiteres Europapokaljahr. Stattdessen wirkte es fast wie ein Hohn, dass am Ende des Spiels der Mainzer Ersatzspieler Baku eingewechselt wurde, was bei Eintracht-Fans sicherlich die Wehmut wegen der verpassten Reise zum Finale in der gleichnamigen Stadt verschlimmert haben dürfte.

          Der Held des Tages

          Den Mainzern gelang beim 2:0 in der Frankfurter WM-Arena der erste Auswärtssieg im Nachbarschaftsduell seit 2012. Zugleich beendeten die Mainzer eine Serie von sechs Auswärtsniederlagen, der Sieg bei der Eintracht war der erste Erfolg in dieser Spielzeit bei einem Spitzenteam. „Der Sieg ist wichtig, weil wir uns immer verbessern und unsere Saison erfolgreich beenden wollen“, sagte Torhüter Florian Müller.

          Zum Helden dieses Erfolges wurde ein lange Zeit erfolgloser Torjäger, der seit dem dritten Spieltag auf sein drittes Tor in dieser Spielzeit wartete und nun zwischen der 53. und 57. Minute keine 240 Sekunden brauchte, um seinen Saisonertrag an Treffern zu verdoppeln. Zunächst wurde Anthony Ujah von Jean-Philippe Mateta bedient, der sich nach einem langen Schlag in den Frankfurter Strafraum unorthodox in einer Mischung aus Körperlichkeit, Geschicklichkeit am unkontrolliert springenden Ball sowie etwas Glück gegen David Abraham durchgesetzt hatte, ehe er den Ball über Eintracht-Verteidiger Hinteregger hinweg zu seinem Sturmkollegen lupfte. Ujah traf den Ball volley dann nicht voll und vielleicht gerade deshalb ins Tor. Der zweite Treffer war deutlich mehr dem Können des 28 Jahre alten Nigerianers geschuldet: Nach Vorarbeit von Gbamin nahm er den Ball an und schoss aus der Drehung durch die Beine des abermals unglücklich agierenden Abraham hindurch ins lange Eck.

          „Ich bin sehr glücklich“

          „Ich bin sehr glücklich. Ich danke Gott, dass er mir die Kraft gegeben hat heute“, sagte der gläubige Christ, der erst am Vorabend des Spiels nach einer Trainingsverletzung von Robin Quaison von seinem ersten Startelfeinsatz seit Anfang März erfahren hatte. „Es war eine sehr schwere Saison für mich. Ich bin sehr froh, dass ich der Mannschaft heute helfen konnte.“ Trotz seines ersten Doppelschlags für Mainz 05 seit seinem ersten Intermezzo am Rhein im Jahr 2011, erwägt Ujah nach der Spielzeit einen Abschied. „Ich muss über meine Zukunft nachdenken“, sagte er.

          In Frankfurt hätte er sich allein den Jubel vor zunächst der linken Eckfahne vor der Frankfurter Kurve ersparen können – und somit auch die Bierduschen, die danach die Mainzer Jubeltraube über sich ergehen lassen musste. Aufgebrachte Frankfurter Fans verzichteten da recht freiwillig auf den Biergenuss, um ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen. „Ich hätte vielleicht nicht so lange in der Ecke bleiben sollen. Aber nach einem Tor will man einfach jubeln. Ich wollte den Gegner nicht provozieren“, sagte Ujah.

          De Eintracht-Fans würden ihm sicherlich leichter verzeihen, wenn er mit seinem Team den Hessen in der kommenden Woche Schützenhilfe leisten sollte. Sie könnten dem Nachbarn am letzten Spieltag für den Fall einer Eintracht-Niederlage beim FC Bayern einen wichtigen Dienst erweisen. Bei einem Mainzer Sieg oder zumindest Unentschieden gegen Hoffenheim wäre der Eintracht zumindest Rang sieben und der Gang in die Qualifikationsrunden zur Europa League sicher. „Das versuchen wir, weil es ohnehin unserem Anspruch entspricht, jedes Spiel gewinnen zu wollen“, sagte Trainer Sandro Schwarz. Man könnte der Eintracht also auch ohne Spalier Ehre erweisen für deren Saison.

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