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Mädchen trainieren mit Birgit Prinz : Hart schießen und auf das Standbein achten

  • -Aktualisiert am

Talentsichtung: Birgit Prinz hält Ausschau nach den Weltmeisterinnen von morgen Bild: Nora Klein

Ein Trainingstag mit Torjägerin Birgit Prinz - dieser Traum erfüllte sich gestern für 40 Nachwuchskickerinnen. In Hessen entdecken immer mehr Mädchen den Fußball für sich.

          Ein bisschen ehrfürchtig mustern die Spielerinnen des SuS Niederbonsfeld ihre berühmte Trainerin. Das ist also die beste deutsche Torjägerin, die es je gab. So sieht die Rekordnationalspielerin also aus der Nähe aus. Auf dem Fußballplatz in der strahlenden Herbstsonne. Birgit Prinz wird es in ihren schwarzen Trainingsklamotten der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft bald zu warm. „Das Standbein muss neben dem Ball stehen beim Passen“, erklärt sie. Klar, dass man mit der so treffsicheren Angreiferin auch gut Torschüsse üben kann. Mit beiden Füßen, das ist der Frankfurterin wichtig. Jeder müsse auch an seinem schwächeren Fuß arbeiten, fordert sie die Mädchen bei einer Übung auf. „Perfekt, so soll es aussehen“, ruft Prinz nach einem strammen Schuss genau in den Torwinkel. Die Hochgelobte trabt stolz lächelnd wieder zurück und stellt sich von neuem an.

          40 Nachwuchsspielerinnen aus drei Vereinen durften gestern einen Trainingstag mit Birgit Prinz verbringen. Und das nur wenige Meter von der Frankfurter Arena entfernt, in der Prinz und die deutsche Elf im nächsten Sommer Weltmeister werden wollen. Die Mannschaften waren die Gewinner des vom nationalen WM-Organisationskomitee ausgerichteten Mädchenfußball-Festivals. Auf Einladung der Commerzbank verbrachten sie einen aufregenden Ferientag, der die Kickerinnen auch schon mal auf das Frauenfußball-Großereignis im nächsten Jahr einstimmen sollte.

          „Traut euch etwas zu“

          Mit den Tipps und Tricks von der Spitzenstürmerin kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen. „Entgegenlaufen, den Ball prallen lassen - und dann schießen“, doziert Prinz. „Traut euch etwas zu. Spielt die Pässe hart - es ist egal, wenn mal einer danebengeht.“ Die E-Juniorinnen aus Niederbonsfeld sind mit Feuereifer dabei. Die langen Haare werden professionell mit Bändern, Klammern und Reifen aus dem Gesicht gehalten. Nur die Torhüterin ist arg aufgeregt. Trotz ihrer schicken Hose und der professionellen Handschuhe lässt sie fast jeden Ball durch - und schämt sich deshalb ein bisschen.

          Der Original-WM-Ball gefällt den Jungfußballerinnen nicht so gut. „Der fliegt voll komisch“, sagt Jana Seidowski, die beste Torschützin der Niederbonsfelderinnen, und schüttelt den Kopf. Zehn Tore hat die Zehnjährige in den ersten drei Spielen der Saison schon geschossen. Das sind zwei mehr, als Prinz bisher in der Bundesliga im Trikot des 1. FFC Frankfurt geschafft hat. „Birgit hat mir beigebracht, wie man den Ball direkt passt“, erzählt Seidowski. Prinz sagt: „Die Mädchen können hier wertvolle sportliche Erfahrungen sammeln, aber vor allem sollen sie viel Spaß haben.“

          Prinz lässt sich richtig löchern

          Spaß am Fußball bekommen immer mehr Mädchen in Hessen. Rund 10 900 spielen derzeit in den Juniorinnenteams der Vereine. „Während die Zahlen bei den Jungs stagnieren, haben wir bei den Mädchen in den letzten Jahren immer Zuwächse gehabt“, sagt Nicole Gumhold, Referentin für Frauen- und Mädchenfußball beim Hessischen Fußball-Verband (HFV). Die Funktionäre hoffen, dass die WM 2011 noch mehr Mädchen zum Fußballspielen motivieren wird. Zumal Frankfurt als Austragungsort eines Vorrundenspiels mit deutscher Beteiligung, eines Halbfinalspiels und des Finales im Mittelpunkt des Geschehens stehen wird. Derzeit habe man noch das Problem, dass es in den 451 beim HFV gemeldeten Vereinsmannschaften häufig nicht genügend Aktive in jeder Altersklasse gebe. So werden viele Partien mit neun gegen neun oder sieben gegen sieben Spielerinnen ausgetragen, oder man weicht gleich auf das Kleinfeld aus.

          Die Trainingsgruppe an der Frankfurter Arena weicht zum Mittagessen in eine der Logen des Stadions aus, ehe es am Nachmittag eine zweite Einheit mit anderen Nationalspielerinnen gibt. Melanie Behringer, Ariane Hingst, Saskia Bartusiak und Nationaltorhüterin Nadine Angerer stehen wie Prinz beim 1. FFC Frankfurt unter Vertrag. Natürlich gibt es auch eine Fragerunde, in der die Mädchen Prinz richtig löchern können. „Wie alt bist du?“, will eine Spielerin wissen. „Sehr alt“, antwortet die Zweiunddreißigjährige lächelnd, sie sei sogar älter als der Co-Trainer beim 1. FFC Frankfurt. „Boah, das ist wirklich alt“, findet die Fragestellerin. „Und wie viel Tore hast du in deiner Karriere schon geschossen?“, will eine andere wissen. Da ist Birgit Prinz überfragt. Gewiss nicht viel weniger als Pelé, die brasilianische Fußball-Legende. Und der schaffte mehr als 1000.

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