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Leon Bunn : Der Traum vom großen Glück im Ring

  • -Aktualisiert am

Im Zeichen des Adlers tritt Leon Bunn nicht mehr an. Er versucht sich seit kurzem als Profi – bis jetzt erfolgreich. Bild: Frank Röth

Leon Bunn kehrt dem Deutschen Box-Verband den Rücken und versucht sich als Profi. Seinen ersten Kampf hat er erfolgreich hinter sich gebracht - und hofft nun auf mehr.

          Vor knapp 14 Monaten saß Leon Bunn schon mal hier. In der gleichen Sitzgruppe des Frankfurter Fitness-Tempels „MMA Spirit“ hat er erzählt, warum er auf Veränderung setzt. Der Boxamateur hatte damals gerade die Zusage bekommen, Sportsoldat werden zu können. Mit einem monatlichen Sold, gefördert und gefordert vom Deutschen Boxsport-Verband im Olympiastützpunkt Rhein-Neckar in Heidelberg. Den deutschen Meister im Halbschwergewicht von 2015 hatte die Aussicht überzeugt, sich bei entsprechenden Leistungen für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu qualifizieren. Jetzt also sitzt Leon Bunn, wie damals mit Vater Ralph an seiner Seite, wieder hier im ersten Stock des Hauses an der Hanauer Landstraße, erzählt, warum die Karriere eine abrupte Kehrtwende genommen hat: Weg vom olympischen Boxen, hin zu den Profis des Boxstalls der Familie Sauerland in Berlin.

          Auf zu neuen Ufern im besten Alter von 24 Jahren. „Ich habe mich nie wohl gefühlt im olympischen Boxen“, sagt Leon Bunn im Nachhinein. Weil er nie eine Chance bekommen habe, sich durchzuboxen auf dem Weg nach Rio. Das wäre anders abgemacht gewesen mit den Trainern und Funktionären des DBV, die sich intern frühzeitig festgelegt hätten auf Sergej Michel. Auf ein direktes Duell mit Michel habe es der DBV wohlweislich nicht ankommen lassen. Auch nicht auf ein international erforderliches Qualifikationsturnier für einen Startplatz in Rio. Stets bekam Michel den Vorzug. Bunn junior sei sich vorgekommen wie einer, dem man einen Köder vorhalte, ohne jede Möglichkeit, sich den Happen tatsächlich schnappen zu können.

          Erst mit Arthur Abraham sparren, anschließend zum Italiener

          Nach der Enttäuschung war er vom DBV vertröstet worden, ihr Mann für die kommenden Olympischen Spiele 2018 in Tokio zu sein. Sie haben den Abwanderungswilligen mit der zeitnahen Weltmeisterschaft gelockt, die der DBV im kommenden Jahr in Hamburg ausrichten wird. Aber da war die Entscheidung contra DBV pro Sauerland längst gefallen. Außer Bunn sind dem DBV mit Araik Marutjan (Mittelgewicht), Alban Pervizaj (Schwergewicht) und Dennis Radovan (Supermittel) gleich vier Nationalstaffelboxer auf einen Schlag von der Fahne gegangen. Als Entgelt ist eine Ablösesumme fällig geworden. Keine der beiden Seiten hat ein Interesse, Zahlen zu nennen.

          Als Erster des Quartetts hat Bunn bereits seinen ersten Profikampf hinter sich. Vor 13 000 Zuschauern in Sofia sei die Atmosphäre schon während seines Vorkampfs „gigantisch“ gewesen. Das Profidebüt am 3. Dezember währte nicht einmal eine Runde; keine drei Minuten. Dann war der Gegner k.o. Die Zehn-Unzen-Handschuhe, härter als im Amateurlager, zeigten Wirkung. Das nächste Duell im Ring steigt voraussichtlich Ende Januar, Anfang Februar. Etwa sechs Wochen vor dem jeweiligen Kampf bezieht Bunn ein Hotel in Berlin, um sich unter Anleitung von Cheftrainer Ulli Wegner und dessen Assistenten Georg Bramowski auf den kommenden Fight vorzubereiten. „Beide tun meinem Jungen gut“, sagt Ralph Bunn. Der ist selbst Sportlehrer, ist von der Trainingsmethodik in Berlin überzeugt, sieht den Junior dort „gut aufgehoben“, während früher, zu Zeiten des Sohnes in Heidelberg, Skepsis überwog. Wegner gehe individuell auf die unterschiedlichen Typen im Berliner Gym ein, zudem habe es seinen Reiz, mit Altstars wie Arthur Abraham zu sparren und anschließend „beim Italiener essen zu gehen“.

          Die Tage in der Hauptstadt sind für den Anfang so ganz nach dem Geschmack des Hessen: Gefrühstückt wird im Hotel, um die Trainingswäsche kümmert sich der Boxstall. „Das Rundum-Sorglos-Paket stimmt“, findet Leon Bunn, der vor knapp 14 Monaten längst nicht so aufgeräumt, so optimistisch nach vorne blickte. Der Druck im Amateurlager sei höher, das Training nicht immer ein Gewinn gewesen. Möglicherweise habe er zu viel gewollt, zu viel von sich verlangt, was auch für seinen hochtourig geforderten Körper zu viel gewesen sei.

          Frankfurt soll Leon Bunns Lebensmittelpunkt bleiben. Vereinbart sind mindestens sechs Kämpfe pro Jahr. Gezahlt wird ein monatliches Fixum, das laut Leon Bunn für Miete und Auto in Frankfurt reiche. Hinzu kommt eine anteilige Summe für jeden noch kommenden Fight. Außerdem jobbt er, wenn es der Terminkalender erlaubt, vorerst weiter wie sein Vater dienstags und donnerstags als Boxtrainer in den Räumlichkeiten von MMA Spirit. Nicht das Geld stünde im Vordergrund, sondern der Sport. Klingt vernünftig aus dem Mund des Neuprofis. Andererseits will er es „so schnell wie möglich nach oben schaffen“, hat er den WM-Titel im Visier. Das klingt dann aber doch zwangsläufig nach kommendem Stress im Ring. „Man muss nach der Karriere als Profi finanziell ausgesorgt haben.“ Das haben sich schon Generationen von Boxern vor Bunn vorgenommen. Die Zahl derer, die es nicht geschafft haben, übertrifft jene, die es zu Ruhm und Wohlstand gebracht haben, um ein Vielfaches. Leon Bunn wagt den nächsten Versuch, kraft Veränderung auf eine glorreiche Zukunft zu setzen. Die Voraussetzungen für ein Gelingen sind da. Aber danach sah es schon vor einem guten Jahr aus.

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