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Laufende Messlatte : Pacemaker beim Marathon

  • -Aktualisiert am

Ansturm: Der Marathon ist ein Massenphönomen, fast 14.000 Läufer hatten sich für die volle Strecke angemeldet. Bild: Wonge Bergmann

Sie rennen beim Marathon mit, damit andere wissen, wann sie im Ziel sein werden. Und um sie zu motivieren. Nur zu schnell dürfen die Tempomacher dabei nicht werden.

          Wenn Marathonläufer frieren, rascheln sie. Genau genommen rascheln die Capes und Mülltüten, die sie sich überstülpen im Wind. „Es ist schon ein bisschen brutal kalt“, sagt eine Läuferin. „Wind killt die Bestzeiten“, sagt der Pressesprecher des Frankfurter Marathons. Die Läufer sollen trotzdem die Zeit vor Augen behalten, in der sie die 42 Kilometer und 195 Meter bezwingen wollen. Dabei helfen die sogenannten Pacemaker oder auch Zielläufer. Läufer wie Jonas Lehmann. Der 23 Jahre alte Ulmer ist schwer zu übersehen. An seinem Rücken ist eine lange Stange mit einer Fahne daran befestigt. „3:00“ steht darauf.

          Genau so schnell will er laufen, will in drei Stunden in der Festhalle sein. Auf den Fahnen der anderen Pacemaker stehen Zahlen wie „2:45“, „3:45“ oder „5:30“. „Jeder von uns kann eine schnellere Zeit laufen“, sagt Lehmann. Die Schwierigkeit liege darin, nicht zu schnell zu sein. Am linken Handgelenk trägt er eine GPS-Uhr. Damit kann er genau kontrollieren, wie lange er braucht, um einen Kilometer zurückzulegen. Um 10 Uhr fällt der Schuss zum Start. Fast 14.000 Sportler haben sich für die volle Strecke des Marathons angemeldet. Lehmann läuft los. Seine Fahne wackelt über seinem Kopf wie ein Schweif. Damit sieht Lehmann aus wie ein Eichhörnchen, das es sehr eilig hat.

          Eva Megerle sitzt währenddessen in einem Café am Opernplatz. Wenn ihr Mann in gut zwei Stunden hier vorbeiläuft, will Megerle zum Anfeuern auf die Straße gehen. Am Handy verfolgt sie, wie schnell ihr Mann unterwegs ist. „Sieht sehr gut aus“, sagt sie. Er hat, wie viele Teilnehmer, einen GPS-Chip am Schuh. Am Samstagabend haben sie und Stefan Megerle noch online nach einem Pacemaker gesucht. Ihr Mann will die Strecke in 2 Stunden und 59 Minuten laufen. Also kurz vor Pacemaker Lehmann ins Ziel kommen.

          Der Pacemaker muss motivieren

          Um viertel vor eins, fast drei Stunden nach dem Startschuss, stehen bereits die Sieger und Siegerinnen auf dem Podest. Überragend: Meskerem Assefa aus Äthiopien knackt nach sechs Jahren den Streckenrekord der Frauen – trotz kaltem Wind. Eine Minute vor eins kommt Lehmann in die Festhalle gelaufen. Die violetten Scheinwerfer tasten durch die dunkle Halle. Cheerleader tanzen am Rand der letzten 60 Meter. Lehmann läuft durchs Ziel. Seine Zeit: 2 Stunden 58 Minuten und 56 Sekunden.

          Fehlgriff: In der Eile kann das schon mal passieren – aber es gab genug Nachschub.

          Auch Stefan Megerle hat es geschafft. Nur elf Sekunden nach Lehmann. Hinter der Ziellinie kommen Läufer auf den Tempomacher zu. Sie bedanken sich für seine Hilfe. „Bei Kilometer 36 war es hart“, sagt Lehmann. Er schätzt, hinter ihm seien 150 Männer und Frauen. Bei einigen sah es so aus, als würden sie schlappmachen. Lehmann rief ihnen zu: „Komm, auf gehts.“

          Damit und mit einem aufmunternden Klopfen auf die Schulter hätten es die meisten doch noch in der gewünschten Zeit geschafft. Lehmann sagt, ein guter Pacemaker müsse die anderen motivieren. Das Tempo müsse konstant sein. „Ansonsten verlieren die Leute die Orientierung.“ Nächstes Jahr will er beim Hamburger Marathon eine persönliche Bestzeit laufen. Unter 2 Stunden und 50 Minuten müssen drin sein. Lehmann zieht sich ein Cape über – der Wind.

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