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Kommentar : Mainz sieht Rot

Die Vorfreude ist mit Händen zu greifen. Als am Sonntag nachmittag 15000 Zuschauer Mainzer im Bruchwegstadion die Präsentation "ihrer" Bundesliga-Aufsteiger feierten, sahen alle Rot.

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          Die Vorfreude ist mit Händen zu greifen. Als am Sonntag nachmittag 15000 Zuschauer Mainzer im Bruchwegstadion die Präsentation "ihrer" Bundesliga-Aufsteiger feierten, sahen alle Rot. Die Farbe des ersten Fußballvereins am Ort leuchtete überall, viele führten zur Feier des Tages ihre neu erworbenen Leibchen vor. "Eine neue Liga ist wie ein neues Leben", stand auf ihnen zu lesen. "Mehr als ein Mainzer kann der Mensch nicht sein." Der Renner: Ein einfaches rotes Shirt, auf der Vorderseite mit "Mainz 05" und "1. Liga" bedruckt, auf der Rückseite mit einer Liste der siebzehn kommenden Gegner. So ist das in Mainz. Nach anderthalb Jahrzehnten in der zweiten Liga, nach drei knapp vertanen Aufstiegschancen haben sich Trainer Jürgen Klopp und die Mannschaft im Mai den großen Traum endlich erfüllt, und nun fiebern sie ihrem ersten Bundesligaspiel Anfang August beim VfB Stuttgart entgegen. Sie tun dies mit jener kollektiven Begeisterung, mit jener überschäumenden Freude, mit der sie schon die Woche nach dem Aufstiegsfinale gegen Trier zu einer denkwürdigen Party gemacht haben.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Klopps Ankündigungen, man werde "jedem Gegner weh tun", man werde versuchen, "neue Maßstäbe zu setzen, was Einsatz betrifft", mögen für fremde Ohren großsprecherisch klingen, sie sind es aber nicht. Klopp hat nur damit begonnen, seine Spieler und das Umfeld auf die neue Saison, die neue Aufgabe einzuschwören. Er weiß, daß seine Mannschaft nur dann eine Chance hat, wenn sie es schafft, mehr Teamgeist, mehr Laufbereitschaft, mehr Zweikampfhärte, mehr Leidenschaft ins Spiel einzubringen als die individuell gewiß besser besetzte Konkurrenz. Mit der Schulung des Gemeinschaftsgefühls hat Klopp schon in der vergangenen Woche begonnen, als er seine Spieler in ein Outdoor-Camp in Schweden verfrachtete, um ihnen zu zeigen, wie man gemeinsam Widrigkeiten aus dem Weg räumt.

          Der Verzicht auf die Verpflichtung von bundesligaerprobten Routiniers ist aus Mainzer Sicht konsequent. Klopp will die Mannschaft im Kern erhalten, einzelne Großverdiener würden das Gefüge stören, grundsätzlich will der Verein kein finanzielles Risiko eingehen. Die Mainzer werden um ihre Chance kämpfen, aber sollte am Ende der Saison der Abstieg stehen, so wäre auch das kein Weltuntergang, weder sportlich noch finanziell.

          Eine Mischung aus St.Pauli und Freiburg würden sie gern werden, die Mainzer. Berührungsängste, wie sie die Frankfurter Eintracht auch eine Klasse tiefer pflegt, gibt es nicht. So sind im Mainzer Trainingslager Mitte Juli in Herzlake selbstverständlich auch Journalisten im Mannschaftshotel willkommen. So gelassen und unverkrampft kann Fußball sein.

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