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Im Gespräch: OFC-Präsident Dieter Müller : „Boysen möchte einen anderen Weg gehen“

  • Aktualisiert am

OFC-Chef Müller: Im Moment verbessert sich Hans-Jürgen Boysen Bild: picture-alliance/ dpa

Nach der Kündigung durch Hans-Jürgen Boysen als Trainer der Offenbacher Kickers äußert sich OFC-Präsident Dieter Müller über Moral im Fußballgeschäft. Und die Enttäuschung über den bisherigen Übungsleiter.

          Nach der Kündigung durch Hans-Jürgen Boysen als Trainer der Offenbacher Kickers äußert sich OFC-Präsident Dieter Müller über Moral im Fußballgeschäft. Und die Enttäuschung über den bisherigen Übungsleiter.

          Wie enttäuscht sind Sie von Hans-Jürgen Boysen?

          Im Fußballgeschäft kann mich nichts mehr enttäuschen. Verträge sind wenig wert. Natürlich ärgert mich das. Erst mal war ich schockiert.

          Und dann?

          Später habe ich mich gefangen. Sicherlich sind beide Seiten jetzt ganz froh, wenn es vorbei ist. Man muss sich ja auch mit dem Verein identifizieren. Boysen möchte einen anderen Weg gehen. Ich finde es traurig, wenn Trainer, die unter Vertrag stehen, abgeworben werden. Ich würde das nie machen, das wäre nicht mein Charakter.

          Vor wenigen Wochen dachte der OFC über eine Trennung von Boysen nach. Ist das nun seine Retourkutsche?

          Vielleicht. Ich hatte zu Hans-Jürgen Boysen immer ein gutes Verhältnis. Dass es mal unterschiedliche Auffassungen über gewisse Dinge gab, ist normal in dem Geschäft. Die Sache hat sich dann ein bisschen hochgeschaukelt. Für mich ist der Schritt von Boysen zum jetzigen Zeitpunkt dennoch persönlich nicht nachzuvollziehen.

          Sind Sie menschlich enttäuscht?

          Ich trenne zwischen dem Trainer und dem Menschen Boysen. Sicherlich bin menschlich etwas enttäuscht. Aber danach fragt kein Mensch. Diese Sentimentalitäten soll man im Fußballgeschäft außen vor lassen.

          Der OFC hatte vor einigen Wochen offenbar mit anderen Trainern verhandelt. Hat der Verein den Weggang von Boysen provoziert?

          Man sollte da nicht so empfindlich sein. Wir haben uns dann ja auch ausgesprochen. Wahrscheinlich hat er das doch nicht vergessen.

          Von der Klausel im Trainervertrag hätten beide Seiten Gebrauch machen können. Können Sie Boysen moralisch überhaupt einen Vorwurf machen?

          Das kann man nicht. Es ist sein gutes Recht. Ich hätte nur gedacht, dass er vielleicht ein bisschen mehr an die Spieler denkt. Und wir haben ihn hier hergeholt, als er nicht so im Trainergeschäft war.

          Warum, denken Sie, will Boysen womöglich zum FSV wechseln?

          Vielleicht ist die zweite Liga für ihn eine Herausforderung.

          Würde sich Trainer Boysen durch einen Wechsel verbessern?

          Im Moment verbessert er sich. Auf Dauer, denke ich, wird er sich vielleicht verschlechtern. Es kann sein, dass er sich keinen Gefallen getan hat.

          Wie haben die OFC-Spieler die Entscheidung von Boysen aufgenommen?

          Relativ professionell. Die Mannschaft ist enttäuscht. Das habe ich in den Gesichtern gesehen. Der eine oder andere kann das nicht verstehen.

          Freut sich Sportmanager Andreas Möller über den Weggang?

          Nein. Andreas Möller hat sich professionell und loyal verhalten. Ich wehre mich auch dagegen, dass er der ausschlaggebende Grund gewesen sein kann. Es war nun mal so, dass das Verhältnis zwischen den beiden nicht so war, wie wir uns das alle vorgestellt haben. Aber das ist kein Grund dafür, Verein und Mannschaft im Stich zu lassen.

          Assistenztrainer Steffen Menze ist der neue Cheftrainer. Geht der OFC ein Risiko ein?

          Nein. Er hat eine hohe Fußballkompetenz. Wir haben ein gutes Gefühl mit ihm. Sonst würde ich die Finger davon lassen.

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